Ein inszeniertes Hörstück

Von Wolfgang  Schnitzer und Stefan Hallmayer

Nicht der Einzelne ist genial, sondern Teamfähigkeit, Kollektivkraft und das Zusammentreffen verschiedenster Kompetenzen führen zu Genialität und größtmöglicher Innovationskraft, so der Glaube der Bauhauspioniere. Nicht die Angst vor der Zukunft, die oft mit dem Wandel einhergeht, dominierte ihr Handeln, sondern die Lust ihrer Gestaltung unter Verwendung aller zur Verfügung stehenden Errungenschaften, Kompetenzen und Materialien.

Das Prinzip Coop ist eine musikalische Spurensuche mit performativem Charakter.

Im Ambiente der Pausa spüren wir der Bauhausidee nach. Text, Bild und Ton fließen ineinander. Interviews von Walter Gropius werden Musik. Gewerke greifen ineinander. Perspektiven bewegen sich. Unter Verwendung einfachster Materialien entsteht in Verknüpfung mit modernster Technik ein bewegendes Klangbild der Utopie.

Mit Texten von Walter Gropius, Mies van der Rohe, Oskar Schlemmer und Hannes Meyer.

Dauer: Ca. 1 Stunde
Klang & Komposition: Wolfgang Schnitzer
Wort: Stefan Hallmayer
Bild: Michael Armingeon
Mit: Sven Edler-Schlagzeug, Steffen Hollenweger-Bass
Premiere: 29.09.2017, Pausa Mössingen

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Mössinger Kulturherbst 2017 statt

Kulturherbst Mössingen

 

 

 

Pressestimmen

  • Ein inszeniertes Hörstück von Wolfgang Schnitzer und Stefan Hallmayer" feierte in der Pausa in Mössingen Premiere – und setzte die Bauhausidee, verschiedene Künste zu einer Einheit zusammenzuführen, ausdrucksstark um. Das Publikum bekam bei der Premiere weder Komisches noch Leichtes geboten, sondern etwas Experimentelles, auf das es sich einlassen musste. Die Performance haben die fünf Künstler gemeinsam, sozusagen im "Prinzip Coop", auf die Beine gestellt: Es sind Theatermacher Stefan Hallmayer, Komponist Wolfgang Schnitzer, Michael Armingeon, Sven Edler und Steffen Hollenweger. Da entstanden vor einer – vielleicht etwas zu klein bemessenen Videoleinwand – beeindruckende Bilder aus Farbe und Licht, während Armingeon seine Hände spielerisch über einen Bildschirm gleiten ließ. Da tanzten kleine weiße oder rote Teilchen im Schwarmverhalten, wurden zu Notenpixeln und erzeugten Töne. Da verwandelten sich grafische Objekte mit Hilfe modernster Technik wie Echo, Hall, Verzerrer und Filter in bunte Bilder. Hallmayer zitierte, rezitierte und schrie Texte von Gropius, Mies van der Rohe, Oskar Schlemmer und Hannes Mayer ins Mikrofon. Oder er ließ sie, am Suchlauf eines alten Radios drehend, einfach als O-Ton abspielen. Er hatte diese Auszüge wohl gewählt. Die Künstler leisteten ihren Beitrag dazu, Lust zu machen auf mehr, Möglichkeiten nachzuspüren und sich einzulassen auf Unbekanntes. Prinzip Mut. (Erika Rapthel-Kieser )
    Schwarzwälder Bote, 02.10.2017
  • Die Stimmen der Bauhaus-Größen sind Kern des Werks. mal erklingen sie rezitiert, diejenigen von Gropius auch  im Originalton nach einer Aufnahme aus dem Jahr 1968. Die musikalische Verarbeitung der Worte erfolgt sehr artifiziell und experimentell - an sich ist das Bühnenstück musikalisch sehr anspruchsvoll. Im insgesamt neunteiligen Hörstück wechseln schwerpunktmäßig instrumentelle Parts mit experimentellen: Schnitzer und Armingeon zaubern Klang- und Bildspektakel: Schnitzer erzeugt mit alltäglichen Gegenständen Geräusche auf einer Platte, die den Klang aufnimmt, der dann live elektronisch weiterentwickelt und verfremdet wird. [...]. Für die visuellen Effekte ist Armingeon zuständig. Die Formen und Farben auf der Leinwand reagieren auf den Klang. Mal zerlegen sich Strukturen kaleidoskopartig, mal organisch. Das ist sehr effektvoll.  Obwohl kaum szenische Handlung im knapp einstündigen Stück vorgesehen ist und die Klangbilder lose aneinandergeknüpft sind, gelingt es dem Quintett, Spannung zu halten und Dramatik zu erzeugen. Die komplizierte Koordination auf der Bühne meistern sie souverän. Wie mit Ruhe Spektakel entstehen, ist beeindruckend. Das Stück zeigt auch auf, was wir aus den Ideen der berühmten Kunstschule für die Gegenwart mitnehmen können: Die Zuversicht und der Glaube daran, dass außerordentliche Dinge entstehen können.  (Moritz Siebert)
    Schwäbisches Tagblatt, 02.10.2017