1919 gründeten die Gebrüder Löwenstein die mechanische Weberei Pausa.Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Pausa und den Ideen des Bauhauses auf dem Areal der Pausa ein. Zusammen mit Künstlern und Kulturschaffenden aus der Region begibt sich die Stadt auf Spurensuche. Eine verspielte, experimentelle und interdisziplinäre Annäherung.

Mit ihnen kam die Bauhausidee nach Mössingen. Hier in der schwäbischen Provinz führte das Zusammenspiel von künstlerischem Anspruch und handwerklicher Kompetenz über viele Jahrzehnte hinweg zu außergewöhnlichen Ergebnissen. In der Nachkriegszeit, unter der Leitung von Willy Häussler, waren zeitweise über 600 Menschen in der Stoffproduktion beschäftigt. Künstler wie Willi Baumeister, Andreas Felger, HAP Grieshaber, Anton Stankowski oder der Däne Verner Panton entwarfen für das Mössinger Unternehmen „Künstlerstoffe“ von Weltformat. Heute stehen in der Pausa die Maschinen still. Das Areal ist zum Teil unter Gesichtspunkten des Denkmalschutzes renoviert und neu genutzt, zum anderen Teil aber noch eine Industriebrache.

Die Stadt Mössingen lädt mit einer Ausstellung, einem großformatigen Theaterprojekt des Lindenhof, einer Trilogie zum Bauhaus und Konzerten der Württembergischen Symphonie zu einer formenreichen und farbenfrohen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Pausa und den Ideen des Bauhauses auf dem Areal der Pausa ein. Zusammen mit Künstlern und Kulturschaffenden aus der Region begibt sich die Stadt auf Spurensuche. Eine verspielte, experimentelle und interdisziplinäre Annäherung.

Die Veranstaltungen werden begleitet durch Publikumsgespräche, Diskussionsrunden und Expertengespräche.

Gefördert im Fonds Bauhaus heute der  Kulturstiftung des Bundes

 

Idee Bauhaus

Trilogie über ein unvollendetes Projekt
Musikalische Bühnenspiele für Musiker, Schauspieler und Videokünstler.

Die musikalischen Bühnenspiele sind Formate in denen Konzerte in einen erzählerischen und performativen Kontext gestellt werden. In drei Themenschwerpunkten setzen sich die Künstler intensiv mit der Bauhaus-Philosophie auseinander. Sie zeigen jedoch keine historischen Dokumente. Was wir sehen und hören sind künstlerische Interpretationen, zeitgenössisch und eigenwillig subjektiv.

Premiere Trilogie: 04. Okt. 2019

Das Prinzip Coop
Der geistige Raum – über Ideen + Methoden einer innovativen Schule
Musiker, Schauspieler, Klang- und Videokünstler begeben sich auf die Suche nach Klängen und Bildern hinter Gedankenspielen und Erscheinungsformen aus dem Bauhauskosmos. Texte, Bilder und Töne fließen ineinander. Interviews von Walter Gropius werden Musik. Perspektiven geraten in Bewegung und Impulse werden transformiert. Unter Verwendung einfachster Materialien entsteht, in Verknüpfung mit modernster Technik, ein reiches und bewegendes Klangbild und eine Stimmung des Aufbruchs.

-> Zum Stück

PAUSA-Maschinensymphonie
Der physische Raum – über die industrielle Produktion
Acht Klangbilder skizzieren eine Studie der mechanischen Produktion in der Pausa. Verschiedene
Ausdrucksmöglichkeiten einer Maschinenästhetik, in deren Mittelpunkt die große Familie der Schlaginstrumente steht, werden musikalisch untersucht. Ergänzt und kontrastiert wird das Bild durch Tonaufnahmen einer alten Krempelmaschine, durch Interviewcollagen und Texten von Zeitzeugen und durch neue, am Computer programmierte Klänge. Bildprojektionen werden eng mit dem musikalischen Geschehen verwoben. Videos, mit Aufnahmen der Stoffe und der Architektur der Pausa-Gebäude, werden zum Klang und Rhythmus der Musik synchronisiert und elektronisch verfremdet.

Premiere: 04. Mai 2018

Homo Ex Data
Willkommen im Cyberspace
Der virtuelle Raum – über die Gestaltung der Zukunft
Wir werden von unglaublichen Mengen an Daten, Ideen und Versprechungen überschwemmt. Algorithmen ersetzten Organismen, Intelligenz koppelt sich vom Bewusstsein ab. Der letzte Teil der Trilogie projiziert die Bauhausideen in die Zukunft. Er handelt von der utopischen Dimension in der Beziehung von Technik und Mensch. Im Hinblick auf eine Gesellschaft der Zukunft, auf deren Weg die Technik niemals als Ziel, sondern als Mittler zu sehen ist, entwerfen wir vielschichtige Klanglandschaften, in denen Zukünftiges und Vergangenes aufeinander treffen.

Premiere: 20.Sept. 2019

Aufstieg und Fall einer Firma

Pausa – Ein Stück Geschichte. Von Franz Xaver Ott

Die Textilfabrik Pausa in Mössingen hat eine bewegte und bewegende Geschichte. 1919 wurde die Firma von den Brüdern Artur und Felix Löwenstein gegründet. Die beiden Unternehmer waren begeistert von der Bauhaus-Idee, die Handwerk und Kunst vereint. Drei Designerinnen des Bauhauses arbeiteten bereits in den Zwanzigerjahren für die Firma. Die Symbiose von modernster Drucktechnik und innovativen Entwürfen sorgten für ein internationales Renommee. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten sahen sich die jüdischen Eigentümer gezwungen, ihren Betrieb unter Wert verkaufen und emigrieren zu müssen. Unter den neuen Besitzern überstand die Firma die Zeit bis 1945. Unter der Leitung von Willy Häussler, der das erfolgreiche Konzept der Brüder Löwenstein nach dem Krieg wieder aufgriff, erlebte die Firma einen enormen, Jahrzehnte andauernden Aufschwung. Dem generellen Wandel in der Textilindustrie konnte die Firma lange trotzen, bevor dann in den späten 90-er Jahren der Niedergang unausweichlich wurde und Anfang dieses Jahrhunderts zur Insolvenz führte.

Mit Schauspiel, symphonischer Musik und choreografischen Szenen erwecken wir die Geschichte der Pausa am Originalschauplatz zum Leben. Im Auftrag der Stadt Mössingen und in Zusammenarbeit mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und unter Beteiligung von Bürgern und Bürgerinnen aus Mössingen.

Premiere: 11. Juli 2019