Nur wer seine Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.  (Wilhelm von Humboldt)

Ein Partnerschafts-Projekt von und mit Melchinger Bürgerinnen und Bürgern.

Was ist die Melchinger Geschichte? Ist sie so, wie man sie nachlesen kann? Sicher auch, aber viele haben vieles ganz unterschiedlich erlebt. Und gerade dieses subjektive Erlebnis eines jeden selbst ist Teil der Geschichte. Jeder prägt Melchingen auf seine eigene Art und Weise, zumindest solange er lebt. Wir wollen gerne die subjektiven Erlebnisse sammeln und als kollektives Dorf-Gedächtnis für die nachfolgenden Generationen dokumentieren und erhalten.

Erinnerung ist zu kostbar, um sie zu vergessen. Also werden wir sie sammeln und sortieren.

Unsere zuverlässigsten Medien nehmen wir immer weniger in Anspruch – unsere eigenen Sinne: Was sehen wir beim Blick aus dem Fenster? Wer wohnt eigentlich nebenan? Wann haben wir zuletzt mit ihr/ihm gesprochen? Wissen wir etwas über ihn und – wenn ja – woher? Von Facebook, Snapchat oder vom Bäcker?

An was erinnern wir uns? Und warum? Wann wird etwas Geschichte, und wie wirkt sie sich auf die Gegenwart aus? Wirkt sie sich überhaupt aus?  Wie lange reicht unsere Erinnerung zurück? Und was müssen wir dafür tun, damit wir uns erinnern?

Melchingen auf der schwäbischen Alb erforscht seine Geschichte. Für die Erinnerung der Befragten gibt es keine Regeln, außer dass sie zu Geschichte wird, sobald wir sie dokumentieren.

Für das Projekt „wir gestalten Geschichte“ haben wir mittlerweile 25 Interviews mit MelchingerInnen geführt, die uns die Zeit seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch ihre persönlichen Erinnerungen veranschaulichen. Ausgehend von der Annahme, dass Erinnerungen immer Versionen von Tatsachen liefern, sammeln wir möglichst viele davon und erzählen so eine vielstimmige und multiperspektivische Geschichte von Menschen, deren Erinnerungen bisher in der Geschichtsschreibung  unberücksichtigt geblieben sind. Auf einer eigens zu schaffenden Website wird man diese Erinnerungen abrufen können, eine Audioinstallation wird die Stimmen der MelchingerInnen zum Klingen bringen und unser Dorfmuseum um eine neue Form der Dokumentation bereichern.

Parallel wird ein Auftrag zur Erstellung eines eigenen künstlerischen (Dokumentar-)Films über/mit den Projektinterviews erteilt. Auch dieser Film soll in das Eigentum des Dorfmuseums übergehen und Teil seiner Zukunft werden.

Unabhängig vom Dorfmuseum ist geplant, dass mittels eines eigens dafür aufgestellten interaktiven Videoscreens im Melchinger Rathaus allen „GeschichtenerzählerInnen“ zuschauen und zuhören kann und so, an einem weiteren Ort im Ort, Geschichte erlebbar wird.

Das Melchinger Dorfgedächtnis ist damit sowohl im Dorf als auch in der Welt zugänglich und liefert eine besondere Perspektive auf „unsere“ Geschichte.

Der Innovationsgehalt besteht in der grundsätzlichen Aufarbeitung eines kollektiven Dorfgedächtnisses, durch Überführung eines kommunikativen Alltagsgedächtnisses in ein kulturelles bleibendes Gedächtnis. Ferner kann ein Dorfmuseum vom reinen Anschauungsort zu einem Museum mit aktiven und interaktiven Komponenten vitalisiert und weiterentwickelt werden. Das Projekt provoziert gegenwärtige Beschäftigung mit der Vergangenheit. Über diese Beschäftigung soll in der Dorfgemeinschaft ein Bewusstsein und ein Diskurs über das Eigene und die unverwechselbaren spezifischen Merkmale und Besonderheiten des Ortes entstehen. Diese Sammlung und Reflexion der Vergangenheit wird letztendlich zum Fundus der Zukunftsgestaltung.

Das Konzept ist in unterschiedlichsten Zusammensetzungen auf jedwede Dörfer im ländlichen Raum übertragbar und in ein programmatisches Förderprogramm für Dorfmuseen hinsichtlich kultureller Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Räumen übersetzbar. Es soll Menschen im ländlichen Raum motivieren ihre Geschichte selbst in die Hand zu nehmen. Damit ist dieses lnitiationsprojekt der Zielsetzung des Bundes in besonderem Maße dienlich.

Ein Projekt gefördert von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Rahmen des Förderprogramms „LandKULTUR – Kultur und Teilhabe in ländlichen Räumen“.

Aufforderung zur Angebotsabgabe(zum Download)