• Rino Hosennen, Linda Schlepps, Franz Xaver Ott, Luca Zahn / Foto: Beate Armbruster
  • Hannah Im Hof, Berthold Biesinger / Foto: Beate Armbruster
  • Linda Schlepps, Berthold Biesinger, Carola Schwelien, Luca Zahn, Rino Hosennen, Franz Xaver Ott, Hannah Im Hof / Foto: Beate Armbruster
  • Linda Schlepps / Foto: Beate Armbruster
  • Carola Schwelien, Hannah Im Hof / Foto: Beate Armbruster
  • Franz Xaver Ott / Foto: Beate Armbruster
  • Franz Xaver Ott / Foto: Beate Armbruster
  • Luca Zahn, Rino Hosennen / Foto: Beate Armbruster
  • Linda Schlepps, Rino Hosennen / Foto: Beate Armbruster
  • Hannah Im Hof / Foto: Beate Armbruster
  • Berthold Biesinger / Foto: Beate Armbruster
Spiel über die Verwandlung

Von Marc von Henning

Seit bald 10 Jahren ist die Schauspieltruppe erfolgreich im ganzen Land mit einem Theaterabend unterwegs, bei dem das Publikum die Ereignisse auf der Bühne mitbestimmen kann. Keine Aufführung gleicht der anderen. Virtuos, ohne Netz und doppelten Boden, stellen sich die Darstellerinnen und Darsteller den Herausforderungen durch die Beteiligung der Zuschauer. Dramatisches und Komödiantisches geben sich die Klinke. Das Spiel geht immer ins Offene. Jeder Abend ist voller Überraschungen. Das ist der Reiz. Und dann passiert etwas, das keiner erwarten konnte, geschweige denn voraussagen. Wird es den Künstlern der Verwandlung gelingen auf die veränderten Umstände gut zu reagieren?

Im Schauspielprojekt „Von Schmetterlingen und Steckenpferden“ geht es mit Humor und Poesie nicht nur um die Kunst des Spiels und der Verwandlung, sondern auch um die Kunst, den Herausforderungen des Lebens spielend zu begegnen.

Mit: Berthold Biesinger, Hannah Im Hof, Rino Hosennen, Franz Xaver Ott, Linda Schlepps, Carola Schwelien, Luca Zahn,

Regie: Marc von Henning
Kostümbild: Katharina Müller
Regie-Assistenz: Beate Duvenhorst
Premiere: 16. Februar 2024, Theaterscheune

Pressestimmen

  • Hoffen, träumen, Trotz. Selbstzweifel und Verzweiflung hier, Zynismus und Sarkasmus dort. Es ist ein Sprechtheater, ein Gedankentheater, textgetriebenes Theater, ein paar Gags und allerlei Wortwitz eingeschlossen in dieser ersten Hälfte. Sieben Typen, zwischen Karikatur und Stilisierung konturiert, stellen dabei – von der kleinen Liebesleid-Geschichte abgesehen – lauter gleichberechtigte Nebenrollen vor. Das Team, die Truppe, das Ensemble ist das Subjekt, trägt die Hauptrolle. Aber die Theaterfamilie fällt zusammen und fällt auseinander. Völliger Wechsel nach der Pause.  Jetzt folgen fünf, sechs Nummern, die eigentlich zu den archaischsten und anarchischsten Wurzeln des Schauspiels hinabsteigen: zu Pantomime, Clownerie und Slapstick-Elementen, die zuweilen an chaplineskes Format heranreichen. In gewisser Weise kehrt auch der Lindenhof an seine Wurzeln zurück (auf völlig andere Art als beim „Verkauften Großvater“). Es sind die starken, sehr deutungsoffenen Bilder und Symbole, die in Urszenen eingebettet werden. Luca Zahn gibt zur Einführung den französischen Conferencier in eleganter Melancholie mit Frack und Zylinder. Grandios wie die beiden, als moribunde Greise maskierten Frauen, wohl Hannah im Hof und Carola Schwelien, ein ganzes Liebesleben mit Fürsorge und Tod stilisieren. Schroff nebeneinander stehen stille Tragik, schriller Klamauk und sanfte Poesie, Apokalypse, Endzeit und Clownerie. Das Enigmatische, vieldeutig Rätselhafte und Deutungsoffene verstanden die Zuschauer sehr genau und freuten sich auch an dem improvisatorischen Charakter, den diese andere Art von Theater hatte. Ein großer und langer Applaus samt Trampeln und Johlen war der Dank. (Martin Bernklau) https://cul-tu-re.de/lindenhof-der-tod-des-theaters/      
    www.cul-tu-re.de, 17.02.2024
  • „Was kommt, kommt morgen – wir leben den Augenblick“: Mit diesem Zitat aus dem Theaterstück lässt sich das Stück auf den Punkt bringen. „Von Schmetterlingen und Steckenpferden“ ist ein Theater über den Kontrast zwischen dem Augenscheinlichen und dem, was hinter der Bühne passiert. Das Theaterstück zeigt den Kontrast zwischen Leben und Show, Sorgen und dem, was öffentlich gezeigt wird. Der Blick hinter die Bühne offenbart einen Blick ins Innere, während nach außen hin alles harmonisch zu sein scheint. Hinter der Bühne geht es um das Leben, Sorgen, Nöte und Befindlichkeiten; vorne herrscht die Show. Dazwischen wandeln die Protagonisten, die nicht nur die Bühnenseite wechseln, sondern auch zwischen den beiden Welten wandern. Der Moment auf der Bühne zählt, der eine Augenblick, der Glaube daran, dass Theater die Welt ein kleines Stückchen besser machen kann. Es ist ein Stück der Kontraste, das sinnbildlich für das Leben selbst stehen könnte. (René Wolff)
    Schwarzwälder Bote, 20.02.2024
  • "Wir hören zu und fragen uns, unter anderem: Schluss mit welchem Theater? Und ahnen natürlich: „Von Schmetterlingen und Steckenpferden“ ist auch eine Parabel auf aktuell Politisch-Zeitgeschichtliches und die überzeitlich existentielle Endlichkeit eines jeden Einzelnen. Während wir, die echten Zuschauer, von hinten aufs Bühnenbild schauen, auch während das Stück läuft, Auftritte und Abgänge von der Garderobe aus sehen. Dort, ins Gespräch der Schauspieler gepackt, gibt es Philosophisches übers Leben und die Kunst, sehr gepflegt, ein kluges, unterhaltsames Lesestück, das sich, so heißt es, auch von Gesprächen mit den Lindenhof-Schauspielern inspirieren ließ. […] In Teil II wird das Stück umgedreht. Wir sehen jetzt als Publikum nochmal Teil I, aber von vorn, wir sehen das Bühnengeschehen – und also zum ersten Mal das Bühnenbild: eine übergroße Setzkasten Wunderkammer, ein umgewidmeter Adventskalender des bevorstehenden Theatertods, eine Schachtelwand, erst noch zu füllen, ein Auftrag. Und wir sind sicher, sie kommen ihm nach, da ist Theaterhonig in jeder Wabe. Was sich so entpuppt, ist ein Schauspiel nahezu ohne Worte, ein Gaukler- und Maskenfest, eine Nummernrevue. Sofort zieht einen das Stück in seinen Bann, beginnt zu funktionieren, entfaltet Seele. Man spürt intuitiv, was Theater im Kern ist: Spielen, Bewegen, Zeigen, Schauen, Rätsel und Wunder, Clowns und Sterbende. Lustvoll wird hier der Stummfilm und das Zirkusgenre inklusive Fellini geplündert. Rino Hosennen macht Buster Keaton Sehenswert als David Konkurrenz, Luca Zahn bereitet als Goliath sowie als Conferencier großes Vergnügen, zwei Alte (Masken, Kostüme: Katharina Müller) tappern in einer Lebensallegorie über die Bühne, Beckett trifft Muppet, unheimlich und anrührend zugleich (Carola Schwelien, Hannah Im Hof). Linda Schlepps hüpft als Springteufelinenfee federleicht durch en Raum, dass es eine Freude ist, Berthold Biesinger stiftet viel Communitygefühl bei einem altmodischen Fotoshooting mit dem Publikum, und Franz Ott hascht als kindlicher Clown einem Schmetterling her, der sich am Ende auf meinen Kopf setzt und damit ein an dieser Stelle völlig unerwartetes Ich hervorruft. Das ist Theater. Da sind sie gut.“ (Peter Ertle)
    Schwäbisches Tagblatt, 20.02.2024
  • „Der in London geborene Autor und Regisseur Marc von Henning erzählt von Verwandlung. Als Ort dafür hat er das Theater selbst gewählt. Während er im ersten Teil die Situation hinter der Bühne zeigt, die Realität der Schauspielerinnen und Schauspieler, blickt man in er zweiten Hälfte des Abends auf das parallel ablaufende Show- beziehungsweise Bühnengeschehen. Wobei das Spiel nach der Pause ein poetisch-clowneskes ist. Dem absurden Theater oft näher als dem Tingeltangel, der Komödie oder Tragödie. Ein Theater weitgehend wortloser Verzauberung, kindlichen Staunens, von Komik und Empathie. Verwandlung ist im Theater grundsätzlicher Teil jeder Aufführung. Der erste Teil von „Von Schmetterlingen und Steckenpferden“ zeigt das. Immer wieder sieht man die sieben Spielerinnen und Spieler, die im Wechsel die hinter der Bühnenrückwand behauptete Bühne betreten, vor oder nach einem Auftritt durch ein Guckloch auf die Bühne und Publikumsraum blicken.  Sie necken und nerven einander, träumen sich weg, suchen die Umarmung des anderen oder entlieben sich. Bethold Biesinger gibt als Michel den Zyniker hinter der Bühne. Nach der Pause sieht man ihn als Clown, von dem eine kindliche Unbefangenheit und zarte Poesie ausgeht. Er ist da im Schillerschen Sinne „ganz Mensch“, weil er der Möglichkeit, der Fantasie, dem Wachsen im und  am Augenblick Raum gibt. Das Publikum einbindet in seine Welt der Vorstellungskraft. Ebenso wie Franz Xaver Ott als Bruno, der Schmetterlinge über sich in der Luft oder im Publikum entdeckt, die augenscheinlich gar nicht da sind. Schließlich wird Bruno auf der Bühne selbst zum Schmetterling. Für sein Kostüm (verantwortlich: Katharina Müller) hat es schon vor der Pause bereits Szenenapplaus gegeben.  Linda Schlepps bringt als Amelie und mit Flügeln und Hermes-Kappe versehenes Nummerngirl immer neue Versuchsanordnungen auf die Bühne, die den Menschen und seine von Wechselfällen geprägte Existenz spiegeln. Dazu gehört auch das Steckenpferde-Rennen aller. Auf der Theaterbühne gehen die Kinderspielzeuge teils mit ihren Reitern durch, kämpfen die Reiterinnen und Reiter verbissen um den Sieg, leidet man als Zuschauer mit, wenn eines der Steckenpferde kaputtgeht. Und ist überrascht, wenn eine Reiterin plötzlich wie ein Pferd wiehert.“ (Christoph B. Ströhle)
    Reutlinger Generalanzeiger, 19.02.2024