• jedermann (stirbt) / Foto: Richard Becker
    jedermann (stirbt) / Foto: Richard Becker

jedermann (stirbt)

von Ferdinand Schmalz
Sommertheater auf der Melchinger Burgruine

Der ‚jedermann‘ ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der unbeeindruckt vom Zustand der Welt im Garten seines ummauerten Anwesens ein Fest ausrichtet. Eingeladen sind seine Familie und Gäste aus der ‚teuflisch guten gesellschaft‘. Ungeladen mischen sich ‚der arme nachbar gott‘ und die ‚buhlschaft tod‘ unter die Festgesellschaft. Und schon beginnt das Spiel um Geld und Macht und die Lebensfragen von ‚jedermann‘ – also von uns allen. Das Mysterienspiel ‚Jedermann‘ von Hugo von Hofmannsthal aus dem Jahr 1911 ist vor allem dadurch bekannt, dass es jedes Jahr bei den Salzburger Festspielen vor dem Dom mit Starbesetzung inszeniert wird. Ferdinand Schmalz, ein junger österreichischer Autor, bringt den Stoff durch seine exzellente Neubearbeitung in unsere Zeit und akzentuiert mit viel Gefühl für Humor und Sprache die Fragen und Themen unserer Gegenwart und unserer Verhältnisse. 2018 erhält er dafür den Nestroy-Theaterpreis als bester Autor: „Den Weihrauch bläst er fort, das Bangen und Zähneknirschen ersetzt Schmalz durch unerhört witzige Erwägungen über das Wesen von Reichtum und Immanenz.“

Es spielen:
jedermann – Franz Xaver Ott
jedermanns frau – Petra Weimer
buhlschaft tod – Linda Schlepps
jedermanns mutter – Ursula Bürkert
dicker & dünner Vetter – Berthold Biesinger
armer nachbar gott – Bernhard Hurm
mammon – Berthold Biesinger
gute werke – Berthold Biesinger
die (teuflisch) gute Gesellschaft – Rino Hosennen
die (teuflisch) gute Gesellschaft – Hannah Im Hof
die (teuflisch) gute Gesellschaft – Luca Zahn

Infos


Regie und Bühne: Hartmut Wickert
Dramaturgie: Georg Kistner
Kostüm: Katharina Müller
Spieldauer: ca. 90 Min. – keine Pause
Premiere (Wiederaufnahme): 6. Juli 2024, Neckarinsel Tübingen

 

Veranstaltungsort & Anreise

Spielort: Neckarinsel Tübingen

Wetterfragen

Die Veranstaltungen finden unter freiem Himmel statt.
Bitte achten Sie auf entsprechende (warme und wetterfeste) Kleidung (keine Schirme). Wir spielen auch bei leichtem Regen. Nach 30 Minuten gilt die Vorstellung als gespielt.
Es gibt keine Pause.

Pressestimmen

  • Schmalz hat den Stoff zeitgemäß, sprachgewaltig, mit Wortwitz und teils beißender Ironie verarbeitet. Die Handlung spielt im Hier und Jetzt, im Garten eines Superreichen. Was das Stück, inszeniert von Gastregisseur Hartmut Wickert, sehenswert macht, ist neben seinem beißenden Sarkasmus und seinen aktuellen Bezügen – das allein würde allerdings nicht ausreichen – die schauspielerische Leistung gerade von Franz Xaver Ott, der grandios einen Kotzbrocken verkörpert, der für Geld über Leichen geht und darüber Gott vergessen hat. Genauso gut auf der Bühne Berthold Biesinger, der die Rolle des Mammons darstellt. Gnadenlos auch er, überall dabei, aber keine Stütze, wenn es um das Leben geht. Was die Aufführung daneben empfehlenswert, so wirklich besonders macht, sind die Kulisse der Ruine Hohenmelchingen, das darin eigearbeitete Bühnenbild, die Licht- und Tonregie. (Matthias Badura)
    Hohenzollerische Zeitung, 19.07.2022
  • „Die Neubearbeitung des österreichischen Autors Ferdinand Schmalz katapultiert Hugo von Hofmannsthals traditioneller gehaltene Fassung des „Jedermann“-Stoffs aus mittelalterlichen Mysterienspielen in den eigentlich abgeschotteten Garten eines finanziell erfolgreichen Geschäftsmanns hinein. Die offene Ansprache des Publikums und anderer Figuren, im fliegenden Wechsel zwischen Formulierungen in erster und dritter Person, auch changierende Gedankengänge und plötzliche Gesinnungswechsel prägen das anderthalbstündige Stück und tragen zur großen Kurzweil bei: Wer den „Jedermann“-Stoff bereits kennt, bekommt auf dem riesigen Holztisch, den das Melchinger Theater Lindenhof auf 820 Metern Höhe zwischen die Überreste der Burg Hohenmelchingen zimmerte, eine recht aufwendig inszenierte Kulturkritik serviert. Archaische Floskeln, hastig vorgebrachte Kritikfragmente am westlichen Finanzsystem, die dann doch im allgemeinen Partytaumel untergehen, den einordnenden Chor der Teuflisch Guten Gesellschaft (Rino Hosennen, Hannah Im Hof, Luca Zahn) – all das führt das Team um Regisseur Hartmut Wickert zu einem zeitgenössischen Kommentar zusammen, dem ein nur selten aussetzender Techno Beat (DJs sind Julia Koch und Samuel Kübler) der Spaßgesellschaft zugrunde liegt. In Inhalt und Form setzt das Lindenhof-Team zum spektakulären Ruinenerlebnis einer möglicherweise ruinösen gesellschaftlichen Entwicklung an." (Monica Brana)
    Schwäbisches Tagblatt, 18.07.2022
  • „'Das Spiel vom Sterben eines reichen Mannes' ist zum ähnlich jämmerlichen Ende eines coolen Investors und Spekulanten geworden. Der Rhythmus schlägt anderthalb Stunden durch bis auf ein paar jähe Stillstände. Als Herzschlag-Beat kommt er von den DJ’s Julia Koch und Samuel Kübler oberhalb der völlig kargen hölzernen Bühne mit rotem Vorhang, vor der sich der Regisseur einen Laufsteg nach vorn zimmern ließ, sonst nichts. Im Glanz ihres eleganten Kostüms entwickelt Linda Schlepps als Buhlschaft Tod nicht nur Strahlkraft, sondern auch eine Intensität, die sie von der Allegorie zur Figur aus Fleisch und Blut macht. Als sie zur finalen faustischen Wette hin dem sterbenden Jedermann aufträgt, er solle „a schene Leich abgebba“ wird der Spagat klar, den das literarisch-schwäbische Volkstheater Lindenhof da macht zum steil allegorischen Welttheater und zum hohen Hoffmannsthal Ton hin, der noch konterkariert wird duch das Fegefeuer der antikapitalistisch angeschärften Sprache des Bearbeiters Fedinand Schmalz, wie sie Berthold Biesinger deklamiert „Geld zeugt Zeit. Das Geld fickt für dich!“ (Martin Bernklau)
    Reutlinger Generalanzeiger, 18.07.2022