von Molière
in einer Bearbeitung von Martin Heckmanns
Schwäbische Fassung von Franz Xaver Ott

Molières letzte Komödie ist die Geschichte einer Einbildung. Der wohlhabende Argan ängstigt sich in übertriebener Weise vor allem, besonders vor Ansteckung und Krankheit, aber genauso vor der Komplexität der Gegenwart. In seiner Hypochondrie, in der er sich selbstgefällig eingerichtet hat, vertraut er nur seinen Ärzten. Und diese verdienen gut und gerne an seinen unablässigen Beschwerden. Um immer einen ‚Hausarzt‘ an seiner Seite zu haben will Argan seine Tochter Angelique mit dem Sohn seines Doktors verheiraten. Diese ist jedoch in Cléante verliebt und bereit, für ihre Liebe zu kämpfen. Die Stiefmutter wiederum ist hauptsächlich am Erbe des ungeliebten Ehemanns interessiert. Allein die Hausangestellte Toinette durchschaut das verrückte Treiben und verordnet ihrem Herrn eine Radikalkur, indem sie mit List und Tücke die Verhältnisse auf den Kopf stellt und ihm die Realität vor Augen führt. Molières turbulente Komödie ist eine rasante und kernige Abrechnung mit dem wehleidigen Weltschmerz der Privilegierten. Ohne aufdringliche Aktualisierungen gelingt es der Neufassung, einen Menschentyp unserer Gegenwart ins Zentrum zu stellen, der erst listig und trickreich von seinen Untergebenen überzeugt werden muss, damit er einen ersten Schritt wagt in Richtung Erkenntnis und Veränderung.
Eine Ensembleproduktion des Theater Lindenhof in der Tradition der deutschen Wanderbühne  und der Commedia dell‘arte.

Infos


Dauer: 1 Stunde 45 Minuten ohne Pause

ARGAN, der eingebildete Kranke –  Bernhard Hurm (Perc.)
TOINETTE, Angestellte im Haus Argan – Carola Schwelien (Querflöte)
VACCINE, Argans Tochter – Linda Schlepps (Perc.)
BÉLINE, Argans zweite Frau – Kathrin Kestler (Perc.)
CLÉANTE, Vaccines  Geliebter – Luca Zahn (Trompete)
DR. DIARRHÖRIUS, Argans „Arzt“ und „Notar“ und Bélines Liebhaber – Franz X. Ott (Tuba)
THOMAS, „Sohn“ und „Kollege“ von Doktor Diarrhörius – Berthold Biesinger (Klarinette)

Programmheft zum Download: PDF-Dokument
Regie: Christoph Biermeier
Dramaturgie: Georg Kistner
Musik: Thomas Unruh
Bühne & Kostüm: Claudia Rüll Calame-Rosset
Regieassistenz: Joana Schwärzli
Aufführungsrechte: Suhrkamp Verlag Berlin
  Premiere: 18. Juni 2021, Melchingen

Die Veranstaltungen 24., 25., 26.09.  findet im Rahmen des Kulturherbst in der Pausa in Mössingen statt.

VERANSTALTUNGSORT
Pausa, Bogenhalle
Löwensteinplatz 1, im Pausa-Quartier
(Zufahrt über Richard-Burkhardt-Straße)
72116 Mössingen

ANFAHRT & PARKMÖGLICHKEITEN
Die Parkplätze und der Weg zur Bogenhalle in der Pausa sind ausgeschildert.
Parkmöglichkeiten gibt es am Jakob-Stotz-Platz und am Schulzentrum.

BESUCHER-INFOS
Die Pausa-Bogenhalle lässt sich nicht beheizen! Bitte bringen Sie warme Kleidung mit.

ABENDKASSE & HALLENÖFFNUNG
Die Abendkasse erreichen Sie unter der Mobilnummer: 0157 36187428.
Die Abendkasse öffnet 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Einlass ist 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die Plätze sind nummeriert.

CATERING
Das Café Pausa bewirtet Sie gerne vor der Vorstellung im Foyer der Bogenhalle mit regionalen Getränken und einem kleinen Vesperangebot im Glas. Da es keine Pausen gibt, dürfen Getränke in die Vorstellung mitgenommen werden.

CORONA-AUFLAGEN FÜR THEATER
Für einen Besuch des Theaters gilt im Moment die 3-G-Regel, das heißt, dass Besucher*innen vor Betreten des Veranstaltungsraumes den Nachweis erbringen müssen, dass Sie genesen sind, einen Corona-Impfschutz besitzen, oder ein tagesaktuelles negatives Corona-Testergebnis haben. Wir versuchen Ihnen vor jeder Vorstellung die Möglichkeit zu bieten in unserem Testzelt unter Aufsicht von geschultem Personal, einen Selbsttest durchzuführen.
Es gilt im ganzen Veranstaltungsgebäude Maskenpflicht, auch während der Vorstellung.
Mehr zur aktuellen Corona Verordnung finden Sie hier. Wir freuen uns, wenn Sie trotz der Auflagen den Weg zu uns finden.

Pressestimmen

  • „Endlich. Endlich dürfen die Darsteller des Melchinger Theaters Lindenhof wieder vor Publikum aufspielen. Und das darf endlich wieder gemeinsam lachen. Über Krankheiten und den Tod. Über Vakzine, Mediziner und über den Zustand der Welt. Molières „Der eingebildete Kranke“ ist das „Must-see“ dieses Theatersommers. […] Da stimmt alles: die brillanten schauspielerischen Leistungen mit einer strahlenden Carola Schwelien als Hausangestellte Toinette, das mit edlen Stoffen, schrill-bunten Kostümen und einem mobil-schrägen Untergrund versehene Himmelbett von Ausstatterin Claudia Rüll Calame-Rosset und die von Regisseur Christoph Biermeier und Dramaturg Georg Kistner verfügten radikalen Streichungen und augenzwinkernd-schwäbischen Ergänzungen im ursprünglichen Text. Es ist das Bühnenwerk für die Pandemiejahre.“ (Erika Rapthel-Kieser)
    Schwarzwälder Bote, 27.06.2021
  • „Die Geschichte könnte auch so in die Corona-Zeit passen, Ott hat die Steilvorlage aus der Barockzeit freilich in ihren Aussagen noch erheblich zugespitzt. Was vermag die Medizin zu leisten? Sind Mediziner Scharlatane und nur aufs Geld aus? Wer ist im Besitz der richtigen Heilmethoden? Die Zwischentöne und das, was nachdenklich stimmt, liegen in dem von Franz Xaver Ott aufbereiteten Text – nicht im Ausdruck der Aufführung. Es geht laut zu auf der Bühne; saftig, mitunter schrill, überbieten sich die Aktuer in ihren Vorwürfen, Beschimpfungen, Zorn- oder Freudenausbrüchen und falschen oder echten Liebesschwüren. Komödiantisch, exzessiv: Volkstheater, Sommertheater!“ (Matthias Badura)  
    Hohenzollerische Zeitung, 08.06.2021
  • „In ihren extravaganten Kostümen hat sich Argans Entourage, bunt wie Paradiesvögel, in einem Habitat breitgemacht, das man als seinen Enddarm deuten kann – das Bühnenbild zeigt unverkennbar an der hinteren Bühnenwand einen Schließmuskel. In die Musik von Thomas Unruh sind zudem – dezent – Blähgeräusche eingearbeitet. Das Stück funktioniert bis heute wunderbar als Typenkomödie in der Tradition der Commedia dell’arte. Der schwäbische Zungenschlag passt dabei sowohl zum Deftigen wie zum Gedrechselten (…). Über weite Strecken kommt man sich vor, als sehe man einen Louis-de-Funès-Film – so physisch ist das Spiel, so comichaft herausgestoßen sind die erschrockenen Ohs und Uhs. Bei der Premiere wurde viel und herzlich gelacht. Biermeiers auf Tempo getrimmte Inszenierung, die überbordende Spielfreude der Akteure und die gleichermaßen schrille wie gediegene opulente Ausstattung sorgen für einen unbeschwerten Theaterabend an der frischen Luft“. (Christoph Ströhle)
    Reutlinger Generalanzeiger, 04.06.2021
  • „Ein Blähbauch mit donnernden Fürzen steht am Anfang, der Lindenhof spielt das Stück zur Pandemie: Bernhard Hurm brilliert in Schlafrock und Zipfelmütze als Argan im „Eingebildeten Kranken“. Franz Xaver Otts Bearbeitung transportiert den Klassiker von Molière dialektisch in Mundart, Regisseur Christoph Biermeier macht einen habhaften Schwank aus der Geschichte, wie der Hypochonder Argan von den Ärzten kuriert wird. Das geschieht mit „Ahs“ und „Uhs“ und „Ohs“ und deftigen Sprüchen zu großzügig verabreichten Einläufen. Reihenweise fallen sie in Ohnmacht und spielen mit der Sprache, bis die Sprache mit ihnen spielt. Die Mimen sind grell geschinkt und verwandeln juchzend und gackernd die dargestellten Typen in regelrechte Karikaturen. Der Arzt Dr. Diarrhörius (herrlich sinister: Ott im Pumuckl-Outfit) nimmt Argan nach Strich und Faden aus und betrügt ihn mit seiner zweiten Frau Béline (Kathrin Kestler männermörderisch mit fränkischer Schwertgosch). Argans Tochter heißt hier nicht Angelique, sondern Vaccine – passend in Corona Zeiten. Linda Schlepps spielt sie virtuos glucksend und gicksend und schmachtend und schmollend. Der Vater will die Tochter mit dem Sohn des Doktors verkuppeln (Berthold Biesinger als herrlich schwäbelnder Schwadroneur mit Lämmerperücke). Doch die Tochter liebt den Musikus Cléante (Luca Zahn), der als Theater im Theater ein Schäferstündchen als Singspiel inszeniert und den Schafskopf von Nebenbuhler „mäh“ rufen lässt. Am Ende geht alles gut aus, weil die Haushälterin Toinette (Glanzrolle für Carola Schwelien) den Kranken heilt (….). Toinette stellt die Diagnose – nicht weniger als die „Krankheit Mensch“ wird hier verhandelt.“ (Matthias Reichert)  
    Schwäbisches Tagblatt, 04. Juni 2021

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