Zwei Schwaben im Literaturwettstreit

Sie lieben die Literatur und sie lieben die Schwäbische Heimat. Am liebsten lieben sie die schwäbische Heimatliteratur. Hauff, Hölderlin, Mörike, Schwab und Schiller. Am besten in freier Natur frei vorgetragen. Voll Liebe und Pathos. Mit Knauzigkeit und Knitz. Mit Herz und Hirn. Mag es dem Publikum munden. Doch dafür braucht jeder Text die richtige Würze und da sind sich die zwei schwäbischen Hobbyköche nicht immer einig. Ja auch beim Dialekt gibt es richtig und falsch und Grenzüberschreitungen, die man nicht so einfach tolerieren darf. Sie servieren feinste Lyrik und Prosa „aus dem Lameng“ und dazu gehörigen bruddligen Protest.

Infos


Dauer: steht noch nicht fest
Schauspieler: Berthold Biesinger & Bernhard Hurm
Regie: Boris Rosenberger
  Musikalische Leitung: Wolfram Karrer
Premiere: 12. Dezember 2020

Pressestimmen

  • "Allmählich wird man hineingezogen in die Welt Hyperions, tun sich zeitlos aktuelle Parallelen auf, etwa wenn sich sein Freund Alabanda mit den stumpfen, gewalttätigen Handlangern der Revolution einlässt. Die Welt verändern, das will auch Hyperion, gewiss. Aber im Geist der Liebe. Den Frieden, den er in der Natur erlebt,  - wo jetzt, um halbzehn schreiend die Krähen ihre Schlafplätze suchen - die alles erfüllende Liebe, die er in Diotima findet, er will dieses Privatglück zum kollektiven Menschenglück ausdehnen. Geht gründlich schief. [...] Diese schmerzlichen Dialoge zwischen Diotima und Hyperion, wenn er ins Leben = die Schlacht hinaus muss, sie, mother nature and godness' daughter, ihn halten will, ihn schließlich versteht, ziehen lässt - da entsteht Theater, das machen Linda Schleppps und Martin Obertz gut, Olbertz, der seinen Text mit einer Fremdheit und Naivität spricht, dass man sofort einen Hölderlin vor Augen hat. Wenn Diotima schreibt, schreibt auch Linda Schlepps, zumindest wenn man zu ihr hochguckt, dann sieht man ihre Schreibhand sich bewegen. Hyperion liest ihre Zeilen im gleichen Moment, schöne Simultanität, man sieht es am Mienenspiel von Martin Olbertz. Mehr Schauspiel ist nicht drin, auf Stühlen in luftiger Höhe festgebunden." (Peter Ertle)
    Schwäbisches Tagblatt, 20.07.2020
  • Der Herzerlfresser ist Groteske und Moritat, Volksstück und Zeitstück, schrille Variante absurden Theaters mit allerhand Slapstick-Komik und Travestie. Und die durchaus modischen Accessoires von Öko, Krimi, Mystery dürfen nicht fehlen. Die Mischung macht’s. Das alles, versteht sich, mit seinem Gran an Ironie. Reich an Bildern und Symbolen, Allegorien und Anspielungen steigt die Sprache von Ferdinand Schmalz mit Blankversen, Reimen und chorischen Sentenzen in geradezu klassische Theaterhöhen, stürzt aber lustvoll wieder ab in die hohle Phrasendrescherei der Gegenwart. Das alles wird in sorgsamer Licht-, Farb- und Klangregie auf sparsam-funktionaler Bühne – am Ende bricht sie zusammen – in Szene gesetzt. Die Musik wechselt mühelos vom gregorianischen Mönchston über elektronischen Sphärenklang ins Bierzelt. Man tanzt auch Cha-Cha-Cha. Vielleicht fehlt es der rasanten Revue mit ihrem ungemein dichten Text bei der Premiere noch ein wenig an Tempo und Leichtigkeit, so in Richtung Billy Wilder. Aber das kann noch kommen.“ (Martin Bernklau)
    Reutlinger Generalanzeiger, 02.03.2020
  • „Christoph Biermeier hat seine Freude dran, die Sprachfinessen des Autors durch kleine Pausen oder Betonungen gegen den Strich hörbar werden zu lassen. Er tut auch viel um sowohl das Volksstückhafte, wie das Kunststückhafte und das Trashige zu bedienen. Und während Ferdinand Schmalz knarzend und komisch, manchmal aber auch sehr durchsichtig-allegorisch den herzlosen Verkauf des Menschen an den Markt besingt, fragt man sich kurz, ob seine Figurenwelt nicht noch verrückter, schräger, künstlicher, choreographierter angelegt gehört hätte – wo nun allerdings auch allerhand passiert: Ein blutüberströmter Metzgermeister beklagt des Dramas Pathos-Höhepunkt – das Verstummen des Menschen, wo er doch schreien müsste. Die Bühne kippt, das Eröffnungsfest tobt, padum, padum, padum, Eifersucht auch – in der Nacht der langen Messer und schnellen Pistolen. Wo derbste Komödie und packende Dramatik sich plötzlich aufs Schönste verwurschteln.“  (Peter Ertle)
    Schwäbisches Tagblatt, 04.03.2020
  • Regisseur Philipp Becker und Markus Bauer: Sie wollen Friedrich Hölderlin "vorbehaltlos und neu begegnen", ausdrücklich nicht den im Turm gefangenen Dichter zeigen, der entfremdet und wahnsinnig nach Freiheit lechzt, sondern den optimistischen, den Sänger der Tat. Eine "Annäherung", ein Experimentaltheater ist bei der szenisch umrahmten Text-Collage für ein Schauspieler-Quartett und zwei Musiker herausgekommen, das man mutig nennen kann. (...) Die Rahmenhandlung aus der Gegenwart, einer "Götternacht", ist Geplauder und Geplänkel, aber auch Gezerfe und Geraune zur unlösbaren Frage, was Hölderlin mit alldem heutzutage zu tun haben könnte. Gegen Ende gibt es mehr Bildhaftes. Gemeinsam richten sie unverdrossen aus Müll einen Mast auf, setzen Segel auf ihrem Narrenschiff, einem Totenschiff, steigen eine Jakobsleiter hinauf gen Himmel, der Leere entgegen. Auch so versucht die Inszenierung in den magischen Sog von Hölderlins Hohem Ton zu ziehen. Ausdrücklich feiern die Spieler "die Schönheit der Texte". So gut das oft gelingt, es ist och kein Drama, kein lebenspralles Theater geworden. (Martin Bernklau)
    Reutlinger Generalanzeiger, 17.02.2020
  • Regisseur Philipp Becker und dem Ensemble gelingt im neuen Lindenhof-Stück eine vielschichtige und kritische Annäherung an Friedrich Hölderlin. Nicht einfach, aber anregend. Fragen werden aufgeworfen, die Antworten darauf geben Passagen und Collagen aus Hölderlins Werk. In gewaltigen Worten ging es da bei der Premiere am Samstag vorwärts, was für eine Sprache, welche Schönheit, was hatte der Mann, den viele für geistesgestört hielten, für einen sprachlichen Einfallsreichtum. Man möchte sich da vieles merken, um es selbst einmal in Wort oder Schrift anzubringen. Schwierig ist das allerdings insofern, als bei Hölderlin ein Wortgipfel den anderen überragt, es fällt schwer, etwas festzuhalten, ein Gedankenkosmos eröffnet den nächsten, einen von ihnen wirklich zu betreten bleib beim atemlosen Zuhören keine Zeit. (…) Langweilig wird es in der Aufführung nicht. Dafür sorgen auch die musikalischen Beiträge, das Wechselspiel eines Akkordeons und eines Monochords. Eines der Verdienste der Lindenhof-Aufführung ist es, dass sie ganz bewusst auch auf die Schwachstellen des Hölderlin’schen Werkes aufmerksam macht. (Matthias Badura)
    Hohenzollerische Zeitung, 18.02.2020
  • Ein Tisch an dem alle beteiligt sind. Auf den alles kommt, was anliegt. Ein Tisch, der heute fehlt. So einem Gemeinschaftsakt galt die Sehnsucht Hölderlins, auch wenn ihm privat und politisch irgendwann so viel zerbrach, dass er den Tisch fortan nur noch in seinem Inneren aufbaute oder auf dem Papier, seine Welt einzig in die Dichtung transzendierte. Auf die es dann auch bei diesem Tischhölderlin immer mehr hinausläuft, bevor am Ende, der Sehnsucht ins Ungebundene folgend, die Segel gesetzt werden. (…) Zum Tisch haben die Lindenhöfler eine Legende geschaffen: Ein Ausschuss tagt. Eine Wiedervorlage wohl. Trägt das? Es trägt zur Unterhaltung bei. Und ist eine Möglichkeit Hölderlins Verse zu rezitieren, rauszuholen aus dem Buch oder einer Dichterlesung, zu beleben in Form eine Schauspiels. Imbedding Hölderlin. Jedes Gedicht von H. eine Gegenwartsdiagnose. Geht das? Überzeugt das? In Hölderlin steckt viel. Mit ihm kann man viel machen, was den Wert des so Gestifteten zwar schmälert, aber zum Leben gehört es, was wir wollen, schreibt Hölderlin, auch was wir Heutigen wollen, und also in Hölderlin finden. (…) Im Prinzip ist dieser Abende eine zum Theaterstück erweiterte Leseprobe, wie da alle Künstler um den Tisch sitzen, dazwischen und in zweiter Reihe die Zuschauer. Und die Schauspieler überlegen, wie man es angehen und was es uns heute noch sagen könnte. (…) Ja es ist lustig zwischendurch. Der intellektuelle Spaß eines Ensembles, das sich die Freiheit nimmt zu spielen, aufzubrechen, wohin es will, ohne Rücksicht auf Popularität, Publikumserwartungen, Haltbarkeit. Aber Hölderlins Verse. Die halten jetzt schon seit 200 Jahren. Und blinken und blitzen in diesem Stück. Mächtigen Goldadern gleich durchziehen sie das Theatergestein dieses Abends, drum rum vier Ritter der Hölderlinschen Tafelrunde, auf der Suche nach dem Gral. (Peter Ertle)
    Schwäbisches Tagblatt, 19.02.2020
  • Es ist grundsätzlich ein tapferes Unterfangen, sich eines so berühmten Stoffs anzunehmen. Doch dem Theater Lindenhof ist das mit "Honig im Kopf" wunderbar gelungen. (...) Es ist eine feine Gratwanderung zwischen dem Lachen, das einem mitunter im Hals stecken bleiben möchte, und dem Weinen, das einem tief im herzen wehtut. Berthold Biesinger spielt den an Alzheimer Leidenden Amandus Rosenbach mit glaubhafter Intensität. Vor allem bleibt dem mitunter hadernden Großvater sein knitzer Humor. Dennoch werden die Ängste und Qualen des einstigen Tierarztes nahbar und gehen tief unter die Haut. Die versierten Theatermacher haben sich eines Stücks angenommen, das gesellschaftlich wichtig und sinnstiftend ist - weil es Trost spendet, gerührt, zum Nachdenken bringt. (Von Katja Weiger)
    Südwestpresse, Albstadt
  • Indem Manni und Chantal immer wieder die Situationen, die auf sie zukommen durchspielen, hoffen sie, diese in den Griff zu bekommen. Bisweilen erinnert das an Vicco von Bülows Erwin-Lindemann-Sketch. Und etwas von der erbsenzählerischen Wortversessenheit eines Karl Valentin steckt auch drin, wenn Chantal ihren Manni durch ihre Korrekturen und dummschlauen Nachfragen fast zur Weißglut bringt. Doch die beiden lieben einander auch, genießen das gemeinsame Abenteuer und träumen von einer Hochzeit in Las Vegas. In einer Szene tanzen sie stylish wie John Travolta und Uma Thurman im Quentin-Tarantino-Film „Pulp Fiction“. Die Musik, die das Planen und Tüfteln untermalt, vermittelt die Coolness, in der sich das Paar selbst gern sieht – Steven Soderberghs „Ocean’s Eleven“ lässt grüßen. Mannis und Chantals schräge Art zu kommunizieren und das durchaus inspirierende Spiel von Bernhard Hurm und Carola Schwelien machen die Inszenierung letztlich sehenswert. Von Christoph B. Ströhle.
    Reutlinger Generalanzeiger, 02.12.2019
  • „Das sind zweifelsfrei die dümmsten Bankräuber de Kriminalgeschichte: Auf den Spuren eines legendären Gangsterpaares ziehen Manni und Chantal auf große Diebestour - und Scheitern grandios. Paraderollen für Bernhard Hurm und Carola Schwelien: Eingangs tapsen sie in einen alten Keller, den sie als Versteck ausgewählt haben. Allein bis sie das Licht ankriegen, dauert zehn Minuten. Slapstick pur – und die Zuschauer sind schnell begeistert. Vergnügliche Räuberpistole mit zwei glänzend aufgelegten Akteuren, kongenial in Szene gesetzt im Kellerversteck mit Neonlicht. Und zugleich ein Stück, das gleich doppelt Nostalgie atmet: Einmal die große Freiheit der späten 60er, und zum anderen 90-er-Nostalgie mit richtigen Straßenkarten“. Matthias Reichert
    Schwäbisches Tagblatt
  • „Mit dem dargestellten Wechselspiel der Gefühle und den überraschenden Wendungen im Skript können Carola Schwelien und Bernhard Hurm als Komödianten auf der Bühne glänzen. Da sitzt jedes Augenrollen und jedes Achselzucken und bringt das Publikum immer wieder zum Lachen. Die Musik tut ein Übriges, Manni und Chantal in den Kontext der Generation der „jungen Alten“ zu rücken. Sie tanzen zu „Born to be wild“ eben auch wild auf der Bühne und ernten Szenenapplaus (…). Dass sie ausgerechnet in diesem trostlosen Lager das Glück und die Erfüllung ihrer Träume finden und ihnen erlaubt wird, noch einmal in völlig neue Rollen zu schlüpfen - es bleibt eine Komödie nach dem Motto: "Ende gut - alles gut".“ Erika Rapthel-Kieser  
    Schwarzwälder Bote
  • „Deshalb tanzen streiten und versöhnen sich die kriminellen Traumtänzer was das Zeug hält in dieser Inszenierung, leben von Luft, Liebe und Kaffee, Phantasien und vermeintlich genialen Plänen. Manni und Chantal sind stets intensiv im Hier und Jetzt, auch wenn sie durch Eigeninitiative nie auf einen grünen Zweig kommen. Eigentlich tragisch, permanent gegen sein Schicksal anzurennen, ohne jemals etwas zu erreichen. Schweliens Chantal erträgt es mit Fassung und Würde – ein kurzes emotionales Gedächtnis kann auch ein Segen sein. Hurm dagegen lässt seinen Manni mit der Knarre herumfuchteln und alle erdenklichen emotionalen Facetten durchleben als eine Mischung aus herrschsüchtigem Lederjacken – Obermacker und so bockigem wie begeisterungsfähigem Kleinkind. Am Ende sehen wir „Bonnie, heute im Kleid“ – und Clyde im Glück“. Kathrin Kipp  
    Reutlinger Nachrichten
  • "Wer die Geschichte um den Dorfrichter Adam im Gerichtssaal verfolgt, schlüpft unwillkürlich ebenfalls in eine andere Rolle. Er avanciert zum "Prozessbeobachter" und wird dadurch Teil des Ensembles um Regisseur Franz Xaver Ott (...). Wie ein Insekt, das sich in einem Spinnennetz zu verfangen droht, verstrickt sich Richter Adam immer tiefer in einer Sache, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Meisterhaft versteht es Bernhard Hurm, sein Winden zum Ausdruck zu bringen; die Qualen, die sich auf dem von Schweißperlen bedeckten Gesicht des Dorfrichters abzeichnen, während ihn die übrigen Beteiligten mit nicht weniger rhetorischem Ausdrucksvermögen immer weiter in die Enge treiben".  (Von Andrea Maute)
    Schwarzwälder Bote, 08.11.2019
  • „Großartig war die darstellerische Leistung von Berthold Biesinger, er spielte die Demenz des Amandus Rosenbach glaubhaft und lebensecht. Biesinger also als alter Mann, der in seiner ganzen Hilflosigkeit doch seine Würde bewahrt, dem man aber auch seine Angst und seine Seelenqual anmerkt. (…) Man schloss ihn sofort ins Herz. Den Rest dieser Sympathie hat Linda Schlepps hinzu gekarrt, die seine Nichte Tilda spielte, das kleine Mädchen, das ihren Großvater liebt, das an ihn glaubt und ihm neue Energie schenkt. Seicht? Heile Welt? Nein anrührend, berührend, nachdenklich stimmend. Am Ende der Vorstellung, bevor der Applaus losbrach, flossen bei mindestens einer Zuschauerin die Tränen. Man kann das Stück, in das Heiner Kondschak zudem mehrere eingängige Lieder hineingeschrieben hat, empfehlen.“  Von Matthias Badura.
    Hohenzollerische Zeitung, 04.11.2019
  • "Die Zuschauer, während der Aufführung zum Teil zu Tränen gerührt, trampelten und juchzten und holten mit ihrem Beifall das Ensemble immer wieder hitner dem Vorhang hervor. Das lag nicht nur an der sensiblen Bearbeitung von Regisseur und Musiker Heiner Kondschak, sondern auch am überragenden Spiel von Berthold Biesinger. Berthold Biesinger verkörpert den ins Vergessen abdriftenden Senior Amandus Rosenbach so glaubwürdig und integer, dass man ihn manchmal am liebsten einfach in den Arm nehmen würde. Das Thema Alzheimer, das Til Schweiger mit "Honig im Kopf" zum Erfolgsstreifen gemacht hat, geht auch als Bühnenstück unter die Haut. So sehr die Szenen berühren, es darf auch gelacht werden. Etwa, wenn Opa Amandus auf der Trauerfeier von seiner Frau Margarethe ungeniert von deren großen Brüsten schwärmt (...). Heiner Kondschak tritt nicht nur in den kleinen Rollen auf, als Arzt, Bahnhofswärter, Kellner oder Hotelmitarbeiter, er hat auch einige Lieder komponiert. Lieder, die wenn Biesinger sie vorträgt, tief berühren. Ein Geniestreich fast, dass Opas letztes Lied "Es geht eine dunkle Wolke herein..." ein symbolträchtiges Abschiedslied aus dem 16. Jahrhundert ist." (Von Erika Rapthel-Kieser)
    Schwarzwälder Bote, 06.11.2019
  • „Starke Schauspielerleistungen machen den Abend zum Erlebnis. Die Gratwanderung zwischen Ernst und Komik gelingt. Berthold Biesinger schlüpft in die Rolle des Alzheimer-Patienten Amandus Rosenbach, den vor ihm auf der Leinwand Dieter Hallervorden und Nick Nolte verkörpert haben (…) Biesinger findet seinen eigenen Ton. Nicht so schnoddrig wie Hallervorden kommt er in den lustigen Szenen rüber, aber die Pointen sitzen und das Zusammenspiel mit Linda Schlepps, die seine Enkelin Tilda spielt, ist grandios, weil zutiefst menschlich. (…) Die Lieder, die Heiner Kondschak, zugleich Regisseur und mehrfacher Nebendarsteller, für die Figur des Amandus geschrieben hat, sind ein echter Gewinn für das Stück. Darin reflektiert der ehemalige Tierarzt seine Situation. Wie es ist, >>wenn der Kopf sich von allein entlädt<<.“ Christoph B. Ströhle
    Reutlinger Generalanzeiger, 04.11.2019
  • "Mensch und Maschine - oder Mensch oder Maschine? Das ist auch eine der Grundfragen im musikalischen Bühnenspiel von Wolfgang Schnitzer und Stefan Hallmayer mit dem Titel "Homo ex Data", das den dritten Teil einer Trilogie zum derzeitigen Festival "100 Jahre Pausa" bildet: Wie gelingt es dem Menschen in der Informationsflut den Kopf oben zu behalten und nicht digital unterzugehen? Denker vom Shakespear-Zeitgenossen Francis Bacon bis Julian Nida-Rümelin, dem Philosophen und Kulturstaatsminister im ersten Kabinett Schröder, haben sich dieser Thematik angenommen, die am Ende der Mössinger Aufführung in dem einfachen Satz zusammengefasst wird: Wie wollen wir leben? Wir leben derzeit im beschleunigten Multitasking-Modus, in Mössingen wunderbar sinnverwirrend dargestellt im Original-Referat des 1948 geborgenen, Reymond Kurzweil, US-Autor, Erfinder, Director of Engineering bei Google (...) auf der Bühne der Pausa-Bogenhalle auf genussfördernde acht Minuten gekürzt, vom bewundernswert unermüdlichen Sven Edler am Schlagzeug kommentiert. (...) Assoziationen zuhauf und gehäuft, wenn Wolfgang Schnitzer zu Peter Weibel (ZKM-Karlsruhe-Direktor) "Open Codes" erzeugt: Akustische Ereignisse auf Röhren, Zimbeln, Flaschen und Spachtel, die sich dank Rechnertechnik zu einem Klangband verbinden. Oder Joachim Gröschel, der mit Bogen gestrichene Vibraphonkläne sphärisch auf Moholy-Nagys erstaunlich prophetische Bauhaus-Schriften treffen lässt. (...) Michael Armingeon gelang es grafisch interessant, die überbordende Informationsflut zu projizieren und zu präsentieren. (...) Intellektuelle Nahrung, verbunden mit fünffacher Sinneswahrnehmung: ein Konzept, welches das rund hundertköpfige Publikum in Mössingen konzentriert, zuweilen auch mit Humor goutierte. Begeisterter Applaus, als Bassist Steffen Hollenweger den Drive zu einer Cool-Improvisation mit Joachim "Lionel" Gröschel und Sven Edler beisteuerte - echte HI at it's best. Und großer Beifall am Ende, als die tanzenden künstlichen Nullen und Einsen dem humanen Dauerriff kaum zu folgen vermochten. Eine Stunde Großkunst (...)." Von Alfred Gloger
    Schwäbisches Tagblatt, 23.09.2019
  • "Der Regisseur Christof Küster hätte aus den Häftlingsschicksalen zahllose Stücke inszenieren können, ihm blieb aber nur der Versuch einer repräsentativen Auswahl. Auch wenn er besonders das 20. Jahrhundert im Parforceritt abhandelt, gelingt ihm die Herausforderung. Zunächst wird die Geschichte Marianne Pirkers erzählt. Der Weg vom Star zur gebrochenen Frau, die durch die Haft ihre Stimme verlor, spielt eindrücklich die Sängerin Sandra Hartmann. Während des gesamten Stücks bietet sie ergreifende Gesangseinlagen. Darauf folgt das Schicksal des Dichters Christan Friedrich Daniel Schubart [...]. Die Originalzitate, mit denen das Stück vornehmlich arbeitet, entwickeln hier eine besondere Kraft. Schubarts Briefe und Gedichte aus der Isolationshaft sind wortgewaltige, erschütternde Zeugnisse einer Zeit rechtsfreier Barbarei. [...] Im gesamten Stück spielt der "Remstalrebell" Helmut Palmer eine tragende Rolle [...]. Auf einer Metaebene tritt er clownesk auf und ruft seine Wut über den deutschen Untertanengeist in den Himmel. Überhaupt spart das Ensemble nicht mit lustigen Einlagen, auch die Rolle des Wärters ist süffisant ausgelegt. Bei der Tragik der Schicksale mag man sich fragen, ob solch Klamauk angebracht ist, doch die Darsteller schaffen die Balance zwischen Trauer und Ironie. [...] Als Zuschauer verlässt man nachdenklich den Asperg, dieses Brennglas deutscher Geschichte. Es ist schwer, von der Performance vor den unentrinnbaren Mauern nicht beeindruckt zu sein." (Von Fabian Stetzler)
    Stuttgarter Zeitung, 14.09.2019
  • "Unter dem kritischen Blick des Gerichtsrates Walter (Martin Olbertz) und den gezielten Fragen des Gerichtsschreibers Licht (Karlheinz Schmitt) ist Dorfrichter Adam (Bernhard Hurm) im Stück dazu verdammt, einen Prozess gegen sich selbst zu führen. Umso amüsanter ist es zu beobachten, wie Adam sich um Kopf und Kragen redet, anderen die Schuld in die Schuhe schieben will und sich in seine Lügen verstrickt, während Eves Mutter (Carola Schwelien) und Ruprechts Vater (Peter Höfermayer) geifern und disputieren. Vor allem das Mienenspiel von Gerichtsrat Walter, Schreiber Licht und Richter Adam – während dieser alle Versuche, die Wahrheit zu finden, torpediert – hält die Spannung hoch. Genial ist zudem die sprachliche Doppelbödigkeit des Stücks, etwa beim Schreiber, der seinem Namen entsprechend Licht ins Dunkel bringen will. Um zu erkennen, dass sich vieles aus der Komödie auch heute in einem Prozess abspielen könnte, braucht es die teils modernen Kostüme und Utensilien auf der Bühne gar nicht. Auf der Bühne des Schwurgerichtssaals nimmt das Stück den Zuschauern durch Wortwitz und Symbolik genau das, was sonst viele in Zusammenhang mit einem Gerichtssaal empfinden – Berührungsängste – und macht dabei doch klar, dass an diesem Ort etwas ganz Zentrales passiert: dass Recht gesprochen wird." (Jasmin Cools)
    Schwarzwälder Bote, 30.05.2019
  • Die Bearbeitung eines Filmstoffes für die Bühne kann hier in mehrfacher Hinsicht als beispielhaft und absolut geglückt bezeichnet werden. Der schwäbische Dialekt macht die Eigenheiten, Mentalität, Denkweise und Geschichte der Menschen im Land sichtbar, ohne dass er als Sprache der Trottel und Dumpfbacken daherkommt. Spannende aktuelle Themen werden auf sehr unterhaltsame und doch realistische Weise verhandelt. Ein lebendiges Bühnenspiel ganz in der speziellen Theater Lindenhof-Tradition, bodenständig, intellektuell vorzeigbar und wundervoll gespielt! (Arnim Bauer)  
    Ludwigsburger Kreiszeitung, 30.03.2019
  • Es ist das Verdienst des großartig aufspielenden Lindenhof-Ensembles, dass die Balance zwischen schwäbisch-gewitzter Heimatkomödie und hochaktuellem Wirtschaftsdrama so gut gelingt. Hervorragend die schauspielerischen Leistungen: Jede Figur hat Tiefe, wirkt authentisch und überzeugend. (Bettina Nowakowski)
    Bietigheimer Zeitung, 30.03.2019
  • Regisseur Christoph Biermeier und seine Darsteller Linda Schlepps, Gerd Plankenhorn und Stefan Hallmayer nähern sich Goethes zentralem Werk mit radikal heutigen Mitteln als Menschen, die ihre Rollen, die sie spielen, hin und wieder auch tauschen und hinterfragen an. Zur Besonderheit von Biermeiers Inszenierung und Georg Kistners dramaturgischem Konzept gehört es, dass im Spiel der Darsteller – wie in einer offenen Laborsituation – alles möglich ist. Da werden Szenen variiert, wiederholt und verworfen. Da werfen sich die Akteure Textstellen um die Ohren, die für oder gegen etwas sprechen. Da wird im Stil rechtsradikaler Bands musikalisch gepoltert (in Auerbachs Keller) Oder Heinz alias Faust, der im Stil Harvey Weinsteins Gretchen im Bademantel empfangen hat, gibt sich selbst singend mit den Worten „I Did It My Way“ die Absolution. Viel hat Biermeier in den Theaterabend hineingepackt, wie die Flüchtlinge, die vor Europas Küsten im Meer ertrinken. Es ist aber auch immer wieder erstaunlich, wie viel in „Faust“ über Dinge, die uns heute beschäftigen, drin steckt. Die Schauspieler geben den ganzen Abend lang alles, immer bereit, vom Jetzt in den Originaltext und seine Empfindungen abzutauchen, um im nächsten Moment die vorgefundene Situation zu konterkarieren oder auch hemmungslos gegen den Strich zu bürsten. (Christoph B. Ströhle)
    Reutlinger Generalanzeiger, 04.03.2019
  • "Bernhard Hurm und Carola Schwelien präsentieren sich im Stück "Postkasten-Leerung No. 1" in flotter Briefträgermontur mehr oder weniger ironisch als Showmaster, putschen sich mit Jingles auf, programmieren die Stoppuhr und lassen sogar das Publikum entscheiden, wie lange es sich die Interaktiv-Sause und multiauktioriale Zettel-Sinfonie gefallen lassen will. [...] Applaus gibt's reichlich für die philosophisch-interaktive Impro-Show, bei der die zwei Sichselbstdarsteller auch einiges von sich selbst preisgeben - nicht nur ihre Libelingsrezepte (Zwiebelrostbraten)." (Kathrin Kipp)
    Reutlinger Generalanzeiger
  • „In diesem Format spielt das Publikum seine Karten aus, und die  Lindenhof-Schauspieler Carola Schwelien und Bernhard Hurm können zur Hochform auflaufen und alle komödiantischen Register ziehen. Aus der Premiere der „Postkasten-Leerung No. 1“ machen sie eine turbulente Performance. Und was da gerade dran kommt, rezitiert, gespielt und beantwortet werden soll, bestimmt das Glücksrad. Natürlich prallen da die schrägsten Kombinationen aufeinander – fast wie im richtigen Leben.  Hurm kann da mal ganz den augenzwinkernden, schwäbischen Blödler geben und mal das belesene, tiefe Wahrheiten aussprechende Seelchen. Das ist oft quietschvergnügt und hintersinnig.“ (Erika Rapthel-Kieser)
    Schwarzwälder Bote, 18.12.1018
  • „Die Künstler und Musiker Berthold Biesinger, Gerd Plankenhorn, Mona Maria Weiblen und Wolfram Karrer fassen „Nachbarschaft“ 90 Minuten lang in Worte und Töne. Da werden die Nachbarn zur Linken und zur Rechten besungen, die mit denen man kann, und die anderen, mit denen man eben nicht zurechtkommt. Da geht es um Grenzziehungen und Argwohn, ums miesepetrige Beobachten der Nächsten, um Mordgelüste, ausgeborgte Schneeschaufeln oder Bratentöpfe, aber auch um gemeinsame Feiern, Freundschaften, Liebeleien und Toleranz. […] Derlei in schräge Töne und eingängige Liedchen verpackte Querschnitte beherrscht in der Region keiner so gut wie Heiner Kondschak.“ Erika Rapthel-Kieser, 26.11.2018
    Schwarzwälder Bote
  • Regisseur Heiner Kondschak und seine Schauspieler treiben den Streit am Gartenzaun erst auf die schlimmste Spitze und weiten den Blick dann auf die ganze Welt. Die politische Betrachtung hat Platz neben der Dorfsoziologie. (…) Sehr geschickt zeigt dieses Stück immer wieder, wie nahe alles beisammen liegt, wie seltsam widersinnig der Zank doch ist. (…) Der Witz kommt immer wieder um die Ecke, die Musik. Berthold Biesinger, Wolfram Karrer, Gerd Plankenhorn und Mona Maria Weiblen sind mal empört, mal launig, böse, traurig. Musicaldarstellerin Weiblen bezaubert sehr, mit Stimme und komödiantischem Charme. (…) Saxofone, Klarinette, Trompete und Akkordeon jubeln und schreien. Zur Ukulele greifen sie schließlich alle und singen Tom Waits, Hannes Wader und Reinhard Mey. Dass sich das nicht beißt, der Liedermachertext ins Kostüm einer jüngeren Generation passt und auch noch sonst manches nebeneinander steht, was sich fremd ist, beweist: Es kann auch klappen, mit den Nachbarn. Thomas Morawitzky, 19.11.2018
    Reutlinger Generalanzeiger
  • Es gibt so Theaterabende, die sind verhältnismäßig klein, von ihrem Anspruch, der Dauer, dem Genre her. Was fürs Vergnügen, so nebenbei, nicht zu lang. So ein Stück ist „Hallo Nachbar!“ (…) Schon sind wir mitten im Liedgut dieses Abends, das sich von geistlicher Musik über den Chanson, den Schlager bis hin zum gerappten Uppfff Bomm Tschk bewegt, Hauptsache das Thema stimmt in diesem ehrenwerten Haus, der kleine Kneipe, Tür an Tür mit Alice, in der Tomwaitsland eingedeutschten Naaaachbarschaft. (…) Mona Weiblen bläst in ihr Saxophon als wärs der traurig trunkene Mond persönlich. Wie sie die arge Not der Nächte Wand an Wand zum Ex-Lover mit seiner neuen, Ja-Jaa-Jaa-Benjaaaaamin seufzenden Flamme besingt, ist im Nummernranking dieses Abends weit oben. Auf Platz eins aber liegt Gerd Plankenhorns einsamer, nölender Schwabenkauznachbar, zum Steinerweichen komisch, echt und anrührend. (…) Der Abend hat seine melancholischen Seiten, aber eben auch kämpferische, politische Momente. „Nachbarschaft“ heißt da in Zeiten der Migrationsströme plötzlich viel mehr.(…) Das kriegen nicht viele hin. Auch nicht viele der großen, wichtigen Stücke. Und also verneigen wir uns hiermit vor Regisseur Heiner Kondschak und dem Ensemble. Peter Ertle, 20.11.2018
    Schwäbisches Tagblatt
  • Aufgespielt haben sie als Könner an Posaune, Akkordeon, Mundharmonika, Klarinette, Horn, Saxophon, Trommel, Ukulele, Gitarre und Percussions. Sie intonierten Seemanns-Lieder und Western-Songs, spielten Märsche, rappten, jazzten, rockten und gefielen nicht zuletzt mit ihrem mehrstimmigen A-capella-Gesang. Komödiantische Unterhaltung mit Musik hatten sie versprochen – und gehalten! (Waltraud Wolf, 12.11.2018 )
    Schwäbische Zeitung
  • "Unter der Regie von Christoph Biermeier ist über zwei Stunden ein stark emotionales, stimmungsgeladenes Stück entstanden, das seine Darsteller bis an die Grenze des Existenzverlustes treibt. Das von der Aussichtslosigkeit des Einzelnen erzählt, wenn er aus dem System kippt, nicht mehr gebraucht wird - nicht mal als Clown.  Was einzig bleibt, ist der Zusammenhalt , mit dem sie oben auf de Drehbühne musikalisch brillieren". Babette Caesar, 11.11.2018
    Schwäbische Zeitung
  • "Nach und nach erzählen sie einander ihre Lebensgeschichten. So weit ist das eine pfiffige Idee, liebevoll und mit reichlich Kolorit, sie hat auch ein reales Vorbild. Das Schachduell am erhöhten Ecktisch fügt sich trefflich in die Kneipenatmosphäre. Doch dann kommt es knüppeldick. Chaim hat die ganze Begegnung inszeniert. Gespielt ist das glänzend. Aber die Geschichte...nun ja, ein winziges bisschen konstruiert ist sie vielleicht schon. Aber Kneipenwirte kennen noch ganz andere biografische Verwicklungen". (Matthias Reichert, 18.11.20198)
    Schwäbisches Tagblatt
  • "Stefan Hallmayer gerät mit seinem Oberhuber in so manche argumentatorische Zwickmühle. Er spielt ihn so elegant wie rustikal, als so feurigen wie schnell beleidigten Hitzkopf, der, wenn ihm was nicht passt, schon auch mal das (unfertige) Schachspiel vom Tisch fegt oder gleich die Flucht ergreift. Aber Martin Olbertz, der seinen Chaim mit einem östlichen Akzentdeutsch versieht, steht ihm in Sachen Ausgefuchstheit und Reizbarkeit in Nichts nach. Und so entfaltet sich ein knackiger Schlagabtausch, bei dem jeder meint, er hätte den anderen intellektuell schon längst im Sack. Bis zum Schluss bleibt spannend, welche neue Wendung die Ahnenforschung noch nimmt und wer die Fäden eigentlich in der Hand hält." Kathrin Kipp, 10.11.2018
    Südwestpresse
  • "Das Dialogische macht Spaß. Vor allem weil man merkt: Diese Frau will einem nichts vor den Latz knallen. Will sie dann doch, später. Und sie tut es so gutgelaunt zornig, dass es Spaß macht. Ja, dieser Abend ist so privat wie politisch, so ernst wie kindisch-verrückt. Dass Schleker/Marks/Schlepps mehr wollen als leichtes Wohnzimmerpillepalle, dass sie rangehen an das, was uns bis ins Wohnzimmer hinein oder aus ihm heraus bewegt, ist gut." Peter Ertle, 08.11.2018
    Schwäbisches Tagblatt
  • "Und freilich stehen sich da mit den beiden scharfsinnig argumentierenden Schachspielern Stefan Hallmayer als Adolf Oberhuber und dem Gastschauspieler Martin Olbertz als Chaim Eisenberg zwei Großmeister des Kammerspiels gegenüber. Beide entwerfen ihre Charaktere ebenso scharf- wie tiefsinnig. Mit den Spiel beginnt der verbale Schlagabtausch. Ein Parforceritt durch die Lieblingsthemen des Bildungsbürgertums, durch Psychologie, griechische Mythologie und natürlich auch die jüngere deutsche Geschichte samt ihrer Affären um Raubkunst und Restitutionszahlungen. Dem Lindenhof ist ein fulminanter Saisonstart gelungen. Eine Inszenierung, der man noch viele Zuschauer wünscht." Erika Rapthel-Kieser, 26.10.2018
    Schwarzwälder Bote
  • "Das Publikum in der Melchinger Gaststube mag die eine oder andere Wendung, die der österreichische Autor Stefan Vögel sich für 'Chaim und Adolf' ausgedacht hat, voraussehen, schon früh einen doppelten Boden durchschauen. Das aber macht nichts: 'Chaim und Adolf' ist ein Stück mit Witz und Schwung und sehr gelungenen Charakteren. Franz Xaver Ott als Wirt Martin, Stefan Hallmayer als Adolf und Martin Olbertz als Chaim spielen wunderbar und lebhaft die Kontrahenten - der eine fein und listig, der andere sensibel polternd, empört, mit mal gerötetem oder erblasstem Gesicht. Schnaufend vor Entrüstung und doch wieder versöhnlich sind sie beide und liefern sich herrliche Wortgefechte und schürfen wie nebenbei in der Geschichte [...]." Thomas Morawitzky,  27.10.2018
    Reutlinger Generalanzeiger
  • Wenn hier die Bergarbeiterkapelle auftritt, die Notenblätter nur mit Grubenlampen beleuchtet, ist man als Zuschauer schon  ganz tief drin im Milieu der nordenglischen Kumpels. Die Konzert-im-Theater-Situation macht das Publikum im Regiekonzept von Christoph Biermeier implizit zu Mitspielern. Denn das Publikum, das ist hier die Gesellschaft, bei der die Bergarbeiter mit ihrer Not Gehör suchen. Der Reiz des Stoffs liegt im ständigen Kippen zwischen burleskem Schwank und menschlicher Tragödie. Das ist es, was die Lindenhöfler am besten können. Der Halbrunde, drehbare Bühnenaufbau ist dabei Konzertpodium wie Probenraum, ist Komödienkarussell wie Schicksalsrad. Mona Maria Weiblen bringt als junge Gloria viel Frische in die Aufführung. Weiblen verkörpert das mädchenhafte kess und bläst auch noch ein berückend schönes Solo auf dem Saxofon. Bernhard Hurm ist als alter Bergmannskumpel Danny ein Kapellmeister wie aus dem Bilderbuch: mal skurril und wunderlich, dann wieder tragische Gestalt. Die eigentliche Tragödie vollzieht sich jedoch an  Gerd Plankenhorn als seinem Sohn Phil: vom Vater auf die Musik eingeschworen, von der Frau bedrängt, zerreißt es ihn förmlich. Ihm gelingt eine  ergreifende Balance zwischen Komik und Abgründigkeit. Und das ist die  Botschaft der Geschichte: Im Angesicht der kapitalistischen Zumutungen sitzen alle in einem Boot – oder in einer Kapelle. Dass es in diesem Fall eine durchaus reale Kapelle ist, hat dabei seinen ganz eigenen Charme. (Armin Knauer)    
    Reutlinger Generalanzeiger, 19.05.2018
  • Christoph Biermeiers Regie ist wohltuend realistisch. Zum Beispiel im Blick auf das durchschnittliche Eheleben, in dem Mann und Frau sich nicht (mehr?) viel zu sagen haben. Oder im Blick auf die politische Haltung, wo doch die meisten heimlich lieber die angebotenen 20 000 als Abfindung nehmen würden als gegen die Schließung der Grube zu kämpfen. Aber realistisch heißt eben auch: Mit feinem Blick für die bei allen Problemen, aller Verkorkstheit doch vorhandene Liebe zwischen den Geschlechtern, mit Blick für die Verbundenheit der Leute mit ihrer Arbeit, ihrem Milieu. Die Kapelle macht richtig Spaß, bis zum großen Finale, dem erhebenden „You’ll never walk alone“. Beste Interpretation, kommt gleich hinter dem vieltausendkehligen Gesang an der Anfield Road! (Peter Ertle)  
    Schwäbisches Tagblatt, 19.05.2018
  • Die Melchinger Lauchertmusikanten verleihen der  auf authentische Gefühle bedachten Inszenierung von Christoph Biermeier ordentlich Pfiff. Und so ist es ein toller Effekt, wenn die Brass-Band unter Nebel, mit Grubenlampen, verkohlten Gesichtern und Bergarbeiterkluft durch die Nacht streift. Oder um die Drehbühne in (stollen-) Gerüstoptik marschiert. Das hat man auch nicht alle Tage und passt außerdem hervorragend in den industriehistorischen Rahmen der Mössinger Pausa-Bogenhalle. Bernhard Hurm  als eiserner Kapellmeister mit Staublunge versammelt mit seinen Angstaugen die ganze Tragik der Region in seinem Blick. Das Stück ist ganz auf Betroffenheit ausgelegt.  Musik ist da keine Lösung, das weiß auch der sterbende Dirigent. Aber schön ist sie doch, und nicht nur dafür gab es bei der Premiere sehr viel Applaus. (Kathrin Kipp)
    Hohenzollerische Zeitung, 19.05.2018
  • Spielerisch ist es ihnen gelungen, sich von den Vorgaben des Films zu lösen. Wo der Streifen sich stellenweise etwas verzettelt, wirkt das Stück durch Kürzung und Komprimierung deutlicher, dichter und deshalb um so drängender. „Dieser Generation noch einmal zuhören, bevor sie geht“, war das Anliegen Stöhrs. Und immer dann, wenn Hurm als Bogenschütz von seiner verlorenen Jugend, vom Krieg, von der Verlogenheit des Nazi-Regimes erzählt, dem er anfangs auf den Leim gegangen war, wird die Tragikomödie dicht, fast beklemmend, und das Publikum ganz still. Das Theaterstück setzt der Textilindustrie von der Alb und ihren Firmenpatriarchen ein ebenso kritisches wie respektvolles Denkmal. Regisseur Hannes Stöhr und dem Ensemble ist ein Bravourstück gelungen. (Von Erika Rapthel-Kieser)
    Schwarzwälder Bote, 06.03.2018
  • Man wagt es kaum auszusprechen, doch das Bühnenstück schöpft die Konflikte, Schicksale, die Problematik und die Charaktere der Erzählung viel, viel tiefer aus, zeichnet sie viel schärfer als das Film-Original. Wer zu jung war, um zu erleben, wie im Bereich der Zollernalb eine ganze Branche (Textil) und über 100 000 Arbeitsplätze innerhalb weniger Jahre verdampften, der bekommt diese Epoche als tragikomisches Paradebeispiel im „Global Player“ vor Augen geführt. Zur Anschaulichkeit trägt bei, dass Bernhard Hurm lange nicht mehr so glänzend agierte wie in der Darstellung des Patriarchen Paul Bogenschütz (…). Man hatte am Samstag das Gefühl mitten im echten Leben zu sitzen, an Wirklichkeitsnähe übertrafen die Darstellungen sogar den Film. Diese Echtheit erstreckt sich nicht zuletzt auf die in der Geschichte verwobenen Kriegstraumata des Seniorchefs Paul Bogenschütz. Insgesamt ist damit ein großes Zeitbild entstanden: vom Wiederaufbau zum Strukturwandel der 80er bis heute. Beeindruckend imponierend.  (Von Matthias Badura)
    Hohenzollerische Zeitung, 05.03.2018
  • Das Stück, das am Samstagabend vor vollem Haus Premiere feierte, hat das Zeug, zu einem echten Renner zu werden. Humor und Tiefgang, eine fein erzählte Tragikomödie mit Regionalbezug, heutige Figuren, an denen auch Molière und Shakespeare ihre Freude gehabt hätten, und ein vor Spielfreude nur so strotzendes Darstellerensemble machen den zweieinhalbstündigen Theaterabend zum Genuss. (…) Souverän, mit wunderbarem Gespür für die Schauspieler und den heimischen Dialekt setzt Stöhr um, was er sich vorgenommen hat: Heimat zu erforschen, aber nicht zu verklären. Volltreffer! (von Christoph Ströhle)
    Reutlinger Generalanzeiger, 05.03.2018
  • Das ist wieder eine Rolle wie maßgeschneidert für Bernhard Hurm: Alle spüren: Hier haben wir eine in ihrer schicksalhaften Verstrickung tragisch große Figur. Aktuell ist er in einen Kampf verstrickt, den er nicht mehr versteht und auf seine Art nicht mehr gewinnen kann – diese Vergeblichkeit, das Schlagen mit seinen gebrochenen Flügeln, das anfallartige Poltern und Bellen verleiht ihm zusätzlich Tragik – und jede Menge Komik. Gerd Plankenhorn als die andere ernstzunehmende, nahegehende Figur dieser Tragikomödie. Ein Mann von heute, Transitexistenz im Maßanzug, Ehe gescheitert, von so alltäglichen wie hochtechnischen Alltagsgeräuschen begleitet, das Handy summt, die Schranke am Flughafen Piepst, die Skypeverbindung tutet. Schon ein Guter, auch wenn er manchmal schlecht mitspielen muss. Gegen diese beiden bleiben die anderen Kinder im eher flachen Figurenbereich. Aber sonst ist das eine tragikomische, schwäbische Boulevardkomödie, vom Stoff her ein Muss für den Lindenhof, von der Regie her gediegen gearbeitet, brauchbar, gut, unterhaltsam.  (Von Peter Ertle)
    Schwäbisches Tagblatt, 05.03.2018
  • So manches Gericht, das Gerd Plankenhorn und Wolfram Karrer servierten, war schmackhaft. Die Zutaten, die Regisseur Heiner Kondschak zusammengeworfen hat, haben Biss, sind pikant und manchmal deftig. Das eine oder andere liegt auch schwer im Magen. Die altbewährten Rezepte werden mit schwarzem Humor und großer Musikalität aufgepeppt. Egal ob spanische Gitarrenmusik, französische Chansons oder treibenden Rap – die beiden Vollblutkünstler bereiten zur Freude der Fans so manches klingende Süppchen zu. Nach zwei schmackhaften Stunden mit einer Prise Tiefgang und einem Schlag Slapstick obendrauf gingen die Besucher jedenfalls satt nach Hause.      
    Fellbacher Zeitung, 26.02.2018
  • „Die Inszenierung auf dem Himmelberg vor winterlicher Alb-Kulisse ist großartig (Bühne und Kostüme: Ilona Lenk): Mit Schuberts Klavier mitten in der Schneelandschaft, Trauer tragendem Baum, einem Reiter in der Ferne oder dem tapfer gegen den Wind kämpfenden Engel gelingen epische Bilder. Zwischen die traumhaften Bilder mischen sich beklemmende Szenen. Die Brücke zwischen Flüchtlingskrise und Winterreise zu schlagen, fällt dem Stück dann doch schwer. Es sind vier Geschichten, deren Handlung in losen Szenen auf dem Himmelberg angedeutet wird. Und all diese Geschichten müssen irgendwie in der zweiten Hälfte des Stücks in der Theaterscheune zu Ende erzählt werden. Die Chronistin (Ida Ott) hat große Mühe den Überblick zu halten. Eine Schubertiade endet schließlich mit ziemlich viel Klamauk in einer „multikulturellen Polonaise“. Trotz des Chaos, emotional ist die zweite Hälfte des Stücks dennoch. Dafür sorgen unter anderem Schuberts Musik in Arrangements von Susanne Hinkelbein und insbesondere die Geschichten der drei Geflüchteten aus Eritrea und Afghanistan, mit denen sie die Handlungen immer wieder in die Realität zerren. (Moritz Siebert)  
    Schwäbisches Tagblatt Tübingen, 21.12.2017
  • Je höher sich das schmal Sträßlein zum Himmelberg hinaufwindet, desto mehr verwandelt sich das Ganze in einen surrealen Trip. Aus dem Busradio tönt trostloses Liedgut von Schubert: „ Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh` ich wieder aus“. Irgendwo draußen zieht wie in Zeitlupe ein einzelner Reiter vorbei. Oben angekommen, eröffnet sich den Reisenden ein grandioses Panorama: die weite, harte Alb. Schwäbisch-Sibirien, mit eisigen Böen und klirrender Kälte. Unter den riesigen Windrädern kann nun der Theaterspaziergang über die Weiten des Himmelbergs beginnen, eine Schneewanderung vorbei an szenischen Stationen, die von Flucht und Vertreibung künden: die „Melchinger Winterreise“. (…)  [D]ie neue „Melchinger Winterreise“ will keine coole Analyse globaler Migrationsströme sein, sondern Theater mit Zuversicht, allen Ängsten zum Trotz. Biermeiers Neuinszenierung ist vieles zugleich: Zeitreise, Härtling-Autobiografie, ein Gang durch die Geschichte von Flucht und Vertreibung. Aber auch Traumspiel, Schubertiade, Integrationsfest und konkrete Utopie. (Michael Mailänder)
    Stuttgarter Zeitung, 11.12.2017
  • Die Bilder hätten nicht stärker sein können, der Winterwind kaum kälter: Die Premiere der neu erzählten "Winterreise" des Theaters Lindenhof in Melchingen ging wohl allen Besuchern unter die Haut: Nicht nur wegen des 40-minütigen Theater-Spaziergangs auf dem Himmelberg. Denn der war nur eine von fünf Stationen, Reisebus inklusive, durch die die Premierenbesucher da geschleust wurden. (…) Es ist ein logistisches Mammut-Werk, an das die Melchinger, an das sich Regisseur Christoph Biermeier und Dramaturg Georg Kistner da heranwagen, um für 150 Theaterbesucher, aufgeteilt in drei Gruppen, eine Geschichte von Heimatlosigkeit und Entwurzelung, von Einsamkeit und Erkaltung so eindrücklich in Szene zu setzen. Die Theatermacher von der Alb werfen da alles in die Waagschale, was sie haben: Ein verlässlich auf hohem Niveau agierendes Ensemble, den Gastschauspieler Rahul Chakraborty in der Rolle des Schubert, die Sopranistin und Gesangslehrerin Regina Greis, auch in der Rolle der Karoline von Esterhazy, die herausragende Komponistin Susanne Hinkelbein und vor allem den Mut, den Etat für ein ihnen wichtiges Projekt wohl bis an die Grenze zu strapazieren. (…) Der kleine Schönheitsfehler in einem ansonsten herausragenden Werk der darstellenden Kunst: Die Neu-Inszenierung weist gen Schluss Längen auf. Aus den drei Stunden werden dreieinhalb, die Hommage an den unlängst verstorbenen Autor und Freund Peter Härtling im letzten Teil gerät zu lang. Da wird manches doppelt erzählt oder noch einmal betont, was schon gesagt und schon gespielt wurde. Da hätte straffen gut getan, weniger wäre mehr gewesen. Trotzdem: auch diese "Winterreise" wird bleibende Spuren hinterlassen. Nicht nur im Schnee auf dem Himmelberg. (Erika Rapthel-Kieser)  
    Schwarzwälder Bote, 11.12.2017
  • Zuschauer sind sie ja, aber auch Reisende, die das Unterwegssein, vor allem die Eiseskälte, den schneidenden Wind, am eigenen Körper spüren. (…)Auf der Bühne dann scheint die Zeit durch den Engel der Geschichte und die Chronistin (Ida Ott) wieder aufgehoben. Die einzelnen Schicksale auch  von drei Menschen mit heutiger Fluchterfahrung (Ruta Abrahale und Haben Woldeheimanot aus Eritrea und Mohammad Noori aus Afghanistan) werden hier beleuchtet – von diesen Geflüchteten selbst, eingefasst von einfühlsamer Musik, die Susanne Hinkelbein (Klavier,) und Victor Oswald (Akkordeon) beisteuern. Das Publikum erlebt eine Schicksalsgemeinschaft von Entfremdeten, Traumatisierten über alle Zeit hinweg, nimmt Anteil, fühlt mit, Jeder der Zuschauer ein Kopfwanderer. Einer mit Herz auch, zur Empathie und zur Wärme fähig. (Christoph Ströhle)
    Reutlinger Generalanzeiger, 11.12.2017
  • Und so wird das Stationen-Stück zu einer Collage aus Mahnung und Poesie, Bild und Geschichte, Assoziation und Musik, Flüchtlingsbiografie und Selbsterfahrung für die Zuschauer. […] Der Zuschauer-Treck wandert vorbei an einem Flüchtlingszelt und einem Flüchtlings-Transporter, der im Graben gelandet ist. Auf der Höhe schieben ein paar Flüchtlinge ein Schlauchboot über den Schnee. Schuberts angehimmelte Karoline von Esterhazy singt gegen Wind und Kälte an.Irgendwo ist Härtlings Familie unterwegs auf der Flucht. Bernhard Hurms kleiner Peter hält die Fremde und den Hunger nicht mehr aus, rennt davon. Die Mutter wird von einem Rotarmisten vergewaltigt und begeht später Selbstmord. Der „Schutzpatron der Unbehausten“ und ewig getriebene Meister der Einsamkeit Schubert (Rahul Chakraborty) wird mit seinem Koffer vom Wind übers Gelände geweht, bis er auf Susanne Hinkelbein trifft, die mitten im Schnee Klavier spielt. Härtlings späterer Freund, der Maler Fritz Ruoff (Franz Xaver Ott), wiederum befeuert und schwärzt kahle Baumstämme. Auch er wird von den Nazis gefoltert.  Das alles wird später in der Scheune erzählt, wo alle Geschichten, Figuren und Zeitebenen mit schönen Bildern, mit Schatten- und Stellungsspiel, einer Schiffschaukel (Bühnenbild: Ilona Lenk) und Schubert-Variationen assoziativ miteinander verwoben werden. (Von Kathrin Kipp)
    Reutlinger Nachrichten, 10.12.2017
  • Ein inszeniertes Hörstück von Wolfgang Schnitzer und Stefan Hallmayer" feierte in der Pausa in Mössingen Premiere – und setzte die Bauhausidee, verschiedene Künste zu einer Einheit zusammenzuführen, ausdrucksstark um. Das Publikum bekam bei der Premiere weder Komisches noch Leichtes geboten, sondern etwas Experimentelles, auf das es sich einlassen musste. Die Performance haben die fünf Künstler gemeinsam, sozusagen im "Prinzip Coop", auf die Beine gestellt: Es sind Theatermacher Stefan Hallmayer, Komponist Wolfgang Schnitzer, Michael Armingeon, Sven Edler und Steffen Hollenweger. Da entstanden vor einer – vielleicht etwas zu klein bemessenen Videoleinwand – beeindruckende Bilder aus Farbe und Licht, während Armingeon seine Hände spielerisch über einen Bildschirm gleiten ließ. Da tanzten kleine weiße oder rote Teilchen im Schwarmverhalten, wurden zu Notenpixeln und erzeugten Töne. Da verwandelten sich grafische Objekte mit Hilfe modernster Technik wie Echo, Hall, Verzerrer und Filter in bunte Bilder. Hallmayer zitierte, rezitierte und schrie Texte von Gropius, Mies van der Rohe, Oskar Schlemmer und Hannes Mayer ins Mikrofon. Oder er ließ sie, am Suchlauf eines alten Radios drehend, einfach als O-Ton abspielen. Er hatte diese Auszüge wohl gewählt. Die Künstler leisteten ihren Beitrag dazu, Lust zu machen auf mehr, Möglichkeiten nachzuspüren und sich einzulassen auf Unbekanntes. Prinzip Mut. (Erika Rapthel-Kieser )
    Schwarzwälder Bote, 02.10.2017
  • Die Stimmen der Bauhaus-Größen sind Kern des Werks. mal erklingen sie rezitiert, diejenigen von Gropius auch  im Originalton nach einer Aufnahme aus dem Jahr 1968. Die musikalische Verarbeitung der Worte erfolgt sehr artifiziell und experimentell - an sich ist das Bühnenstück musikalisch sehr anspruchsvoll. Im insgesamt neunteiligen Hörstück wechseln schwerpunktmäßig instrumentelle Parts mit experimentellen: Schnitzer und Armingeon zaubern Klang- und Bildspektakel: Schnitzer erzeugt mit alltäglichen Gegenständen Geräusche auf einer Platte, die den Klang aufnimmt, der dann live elektronisch weiterentwickelt und verfremdet wird. [...]. Für die visuellen Effekte ist Armingeon zuständig. Die Formen und Farben auf der Leinwand reagieren auf den Klang. Mal zerlegen sich Strukturen kaleidoskopartig, mal organisch. Das ist sehr effektvoll.  Obwohl kaum szenische Handlung im knapp einstündigen Stück vorgesehen ist und die Klangbilder lose aneinandergeknüpft sind, gelingt es dem Quintett, Spannung zu halten und Dramatik zu erzeugen. Die komplizierte Koordination auf der Bühne meistern sie souverän. Wie mit Ruhe Spektakel entstehen, ist beeindruckend. Das Stück zeigt auch auf, was wir aus den Ideen der berühmten Kunstschule für die Gegenwart mitnehmen können: Die Zuversicht und der Glaube daran, dass außerordentliche Dinge entstehen können.  (Moritz Siebert)
    Schwäbisches Tagblatt, 02.10.2017
  • Leiden unter der Enge, Auflehnung, ein dionysischer Rausch: Das Theater Lindenhof erzählt mit naheliegenden und unkonventionellen Mitteln von drei Geistesgrößen, wie sie die Universitätsstadt Tübingen im 18. Jahrhundert gesehen hat: Johann Christian Friedrich Hölderlin aus Lauffen am Neckar, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling aus Leonberg und Georg Wilhelm Friedrich Hegel aus Stuttgart.  Anna Hofmann, Silvio Kretschmer, Lucas Riedle, Annabelle Sersch und Julian-Nico Tzschentke, Schauspielstudenten an der Hochschule der Künste in Zürich, gaben dem Trio gemeinsam mit den Lindenhöflern Bernhard Hurm, Kathrin Kestler, Linda Schlepps, Franz Xaver Ott und Gerd Plankenhorn großartig Stimme und Gestalt. Ihr Auftreten muss vor allem als Ensembleleistung gewürdigt werden, folgt Beckers Regie doch einem dezidiert chorischen Prinzip, in dem die Rollenverteilung fließend ist. Die Textlast des Stückes erschlägt einen bisweilen fast. Substanz hat das alles und kommt überwiegend auch sprachmächtig daher. Die intensivsten Momente freilich sind die, in denen das Ensemble singt - »Das Wasser geht mir bis an die Seele« etwa - oder Lyrik rezitiert. Bühnenbildnerin Anna Jacobi hat das ohnehin imposante Gebäude zum theatralen Resonanzraum erweitert. Hinter den im Stück geöffneten Schiebetüren fällt der Blick auf reale Tübinger Baustellen. Eine Welt im Wandel. Vorproduzierte Videosequenzen und Liveübertragungen (verantwortlich: Oliver Feigl) geben der Aufführung Dynamik, beziehen Tübinger Stadtimpressionen und einen Rave auf dem Himmelberg bei Melchingen mit ein. So wird aus »In weiter Ferne, der Mensch« am Ende doch ein sinnlicher Abend. (Christoph B. Ströhle) Zum Artikel
    Reutlinger Generalanzeiger, 21.07.2017
  • "In weiter Ferne, der Mensch. Hegel Hölderlin Schelling Tübingen" ist mehr als eine bloße Nacherzählung der Ereignisse geworden. Umbruch, Aufruhr, Nähe und Ferne – die Lindenhöfler, unterstützt von Züricher Schauspielstudenten, spielen im und mit dem Raum und springen durch die Zeit. Begeistert reagierte das Publikum bei der Premiere auf die Aufführung. Besonders beeindruckte das Zusammenspiel der jungen Züricher Nachwuchsschauspieler und der "alten Hasen" des Lindenhofs. Der Güterbahnhof bildet die gelungen Kulisse, war er doch in den Neunzigerjahren selbst Ort so mancher Technoparty. (Michael Oehler) Artikel online
    Schwarzwälder Bote, 23.07.2017
  • Dass ein Theaterstück über die größte Dichter- und Denker-WG aller Zeiten vom Ursprungsort (Evangelischen Stift) an diesen zeitlos unwirtlichen Flecken Erde verlegt werden musste, hat etwas Befreiendes. Das Stück "In weiter Ferne, der Mensch" ist ein Auftragswerk, das der Dramatiker Markus Bauer fürs Lindenhoftheater geschrieben hat. Bauer hat dazu eine sehr ambitionierte Gedankenspielfassung über das Scheitern und Sichverflüchtigen hochfliegender Ideal verfertigt, bringt zunächst die Spekulationen über diese früh-"revolutionäre Zelle" gehörig zum Traben (...).  Philipp Beckers Regie fährt einiges auf: Eine gelegentlich mit Konzertflügel durch den Raum gleitende Musikerin Susanne Hinkelbein, die wuchtige, gemessen atonale Akkorde in die Tastatur kerbt. Junge Elevinnen des Tanzstudios Danzon, deren Einlagen das viele Diskutieren ein wenig auflockern sollen. Stimmungsvolle Videosequenzen (verantwortlich: Oliver Feigl), die aus Schwarzweiß-Kamerafahrten durch morgendlich-menschenleere Tübinger Atstadtgassen bestehen, Alb-Windräder aus der beschaulichen Vogelperspektive oder eine Friedensparty aur dem Himmelberg zeigen. Oder auch einige Ausflüge (soll man sagen : Ausbrüche?) der  stiften gehenden drei Jungs begleiten: Ins Offene, Freunde! Es sind vor allem die Züricher Schauspieler, die dem Stück den nötigen Elan geben. (Wilhelm Triebold)
    Schwäbisches Tagblatt, 21.07.2017
  • „In weiter Ferne, der Mensch“ ist die Uraufführung eines Stückes, das der Stuttgarter Autor Markus Bauer für den Lindenhof geschrieben hat – er vermischt Tübinger Impressionen mit Bildern vom Elend einer Klassengesellschaft, lässt Hegel, Schelling, Hölderlin im Jargon der Gegenwart poltern: „Megageil! Endprächtig!“ Bauers Text ist durchsetzt mit Zitaten, Provokationen, poetischen Bildern – auch der allgegenwärtige Reformator bleibt nicht ungeschoren. „In weiter Ferne, der Mensch“ ist eine packende Performance von zweieinhalb Stunden, die das Glück der Jugend feiert. Keine leichte Kost, gedankenschwer wild und herausfordernd. (Thomas Morawitzky)
    Stuttgarter Nachrichten, 20.07.2017
  • „Aus der düsteren Thematik wird im Melchinger Theater Lindenhof ein schräger und äußerst vergnüglicher Abend. Da wird eifrig gestritten und gesungen, schön schräge Arien mit aufregender, prägnanter Instrumentalmusik, gespielt von Bernhard Mohl und Erwin Rehling. Herrlich anzuhören ist es, wie Berthold Biesinger ein Loblied auf alte Traditionsnamen wie Finsterwalder und Lettenbauer schmettert. Die Familie: ein Klischee-Kabinett und doch ein gültiges Abbild von Gegenwart. Spannend bis zur letzten Minute ist die Stubenoper, und gegen Ende wird sie turbulent: Lustvoll spielt man gegen Klischees an, Ringsgwandl spottet über deutsche Gegenwartsmenschen, über ihren Moralismus und ihre Amoral, und das mit viel Witz und Überdrehung." (Cord Beintmann)  
    Stuttgarter Zeitung, 20.05.2017
  • „Die Stubenoper, von Ringsgwandl im südostbayerischen Dialekt seiner Kindheit verfasst, klingt im Theater Lindenhof schwäbisch. Franz Xaver Ott hat in seiner Übertragung authentische, kraftvolle Sprachbilder gefunden, die sich mit der von Thomas Unruh arrangierten Musik reizvoll verbinden. Unruh hat mit zwei Vollblutmusikern gearbeitet: Bernhard Mohl und Erwin Rehling. Der musikalische Stilmix, den die beiden im hinteren, leicht erhöhten Teil der Bühne bieten, groovt, lässt mal Stubenmusik mit »Zwiefachem«, Polka und Ländler, mal den Blues in den Vordergrund treten oder atmosphärisch mitschwingen. Auch die Schauspieler lassen sich nicht lumpen, greifen zu Klarinette, Posaune, Akkordeon oder Ukulele. So mancher Song in der knapp zweistündigen Aufführung hat Ohrwurm-Qualitäten. Psychologische Tiefe in der Charakterzeichnung darf man nicht erwarten. Dafür nimmt das Stück mit seiner Scheinheiligkeit in Familie, Gesellschaft und Wirtschaft demaskierenden Spottlust für sich ein. Etwas von »Wie wollen wir leben?« und »Warum tun wir es nicht?« steckt in Georg Ringsgwandls Stubenoper. Vor allem aber ist »Der verreckte Hof« ein unterhaltsames Mit- und Nebeneinander von deftigem Volkstheater, schräger Gegenwartsbetrachtung, skurrilen Gesangsnummern, Absurdität und aufblitzendem Hintersinn.“ (Christoph B. Ströhle)
    Reutlinger Generalanzeiger, 20.05.2017
  • „Das könnte der Theaterrenner der Saison werden: Unter den Fittichen von Christoph Biermeier und mit der Stubenoper „Der verreckte Hof – Gesänge in einer sterbenden Sprache“ von Georg Ringsgwandl läuft das Ensemble des Melchinger Lindenhofs zu neuer Höchstleistung auf. Die Schauspieler singen, tanzen, musizieren und schlüpfen – zum Teil im Sekundentakt – in verschiedene Rollen. Geschwisterkonflikte brechen auf und werden durcheinandergewirbelt von der osteuropäischen Hilfskraft Svetlana, die sexy und herrlich lasziv über den Hof und durch die gute Stube stolziert. Es ist die bisher wohl stärkste Rolle Kathrin Kestlers am Lindenhof. Wie sie den slawischen Dialekt mit Gesang und ausgefeilter Körpersprache verbindet, wie sich Kestler und Schlepps, die gewohnt ausdrucksstark die wütend-verbitterte Rivalin Gerlinde gibt, aneinander steigern und dabei auch noch in die Rolle der Mutter schlüpfen – dass sie zusammen mit dem Rest des Ensembles mal alles zeigen können, was da an Tempo, Takt und Tanz in ihnen steckt, ist wohl auch einem hartnäckig arbeitendem Regisseur Biermeier zu verdanken. Der hat zusammen mit Ott die Sprache und Komik des bayerischen Anarcho-Barden, Stücke- und Songschreibers Georg Ringswandl heraus- und die ganz aktuellen Konflikte noch einmal zugespitzt hineingearbeitet. Da geht es um Leistungsverdichtung und Entfremdung, um Werte, Wandel, das Weggehen und die Wurzeln in der Heimat, um Rückbesinnung und Fortschritt. Und das alles mit viel Humor, der begeistert und bis zum Ende fesselt.“ (Erika Rapthel-Kieser)
    Schwarzwälder Bote, 19.05.2017
  • "Der verreckte Hof hatte erst vor wenigen Jahren Uraufführung, wird seither aber recht munter landauf, landab gespielt. Ja, aber noch nie so, dass jeder der vier Schauspieler im fliegenden Wechsel die Hauptfigur stiftet! So kommt es gelegentlich zu interessanten Rollenüberblendungen. Das schräge der Biermeier-Inszenierung trifft genau. Mehr Bedeutung, mehr Ernst ohne die schützende Schale der Bauernklamotte hätte dieses Stück ähnlich zerstört wie die heutige Welt den traditionellen Hof. Die Songtexte führen nochmal im Kern vor, was die gesamte Stücksprache auszeichnet: Spielerisch, roh, manchmal knapp daneben holpernd, irgendwie hingeschustert, was die Sache so lebendig wie eben frisch improvisiert klingen lässt. Thomas Unruh schafft den ein oder anderen Chorgesang, der wie eine schöne, vorrübergehende Lichtstimmung über die Inszenierung huscht. Irgendwo zwischen Programmmusik, Moritaten, Blues und Volksmusik. Der Bayer Christoph Biermeier hat das rechte Gespür für den Bayer Georg Ringsgwandl: In lustiger, frecher Schwank, knallvoll mit Moral, aber ohne je damit hausieren zu gehen“.  (Peter Ertle)  
    Schwäbisches Tagblatt, 20.05.2017
  • „Es ist ein Stück wie gemacht für den Lindenhof, der mit dieser Inszenierung eine schwäbische Fassung des Ringsgwandl-Werkesauf die Bühne bringt. Auf dem Hof herrschen Geld- und Nachfolgernot, Chaos und hysterische Hektik neben einem sehr unterhaltsamen Durcheinander an Musik- und Theatergenres – alles zwischen Ländler, Volksoper und Blues, Komödienstadl, Kabarett und Drama mischt sich da. Mit dem Stück führt der Lindenhof ein Panoptikum absurd-alltäglicher Figuren vor. Sie (sprech)singen und musizieren ihren Daseins- und Financial-Blues, ihre Jammer-Walzer und Unglücksmärsche, ihre Sentimentals und Trauerfolklore, was das Zeug hält. Am Schluss gab’s dann sehr viel Applaus“. (Kathrin Kipp)
    Reutlinger Nachrichten, 20.05.2017
  • „Die Liebe zur Brezel, die Leidenschaft für Spätzle und der Kartoffelsalat „scheee schlonzig und a bissle warm“ – das ist an schwäbischer Unterhaltungsthematik alles nicht neu. Genauso  wenig Laktoseintoleranz. Und doch haben Plankenhorn und Karrer mit diesen altbewährten Zutaten ein ganz neues Rezept kreiert. Platt? Von wegen. Nicht nur mit Witz und Charme greifen die beiden bekannte Klischees auf, sondern auch mit überraschend skurrilen Ideen. Eine bunte Mischung – die sich auch in der Musik wiederfindet. Vom tragischen Chanson bis zum energievollen Rap. Als Schauspieler und Musiker bilden sie ein tolles Duo. Einfach wunderbar schräg.“
    Reutlinger Generalanzeiger, 29.04.2017
  • „Das Theater Lindenhof in serviert seinen Zuschauern mit dem "Gaisburger Marsch" ein lachmuskelstrapazierendes Menü. Und wie so oft, wenn der Vollblutmusiker Heiner Kondschak beim Lindenhof Regie führt, ist das, was er da in einem Topf zusammen rührt, schräg, skurril und superkomisch. Ob der Mehlmotten-Stabreim oder der zur Melodie von James Browns Sexmachine-Hit vertonte Spätzlemaschehn-Song, ob der Diskurs über Gluten-Unverträglichkeit und Laktose-Intoleranz, über Low-Carb und vegane Ernährungsweise, die Legende von der Brezel oder die Herkunft des Namens "Gaisburger Marsch", da war alles mit reichlich Humor gewürzt und immer die richtige Prise Musik drin. Der Beifall des Publikums, das nach einem Nachschlag verlangte, lässt den Schluss zu: Wenn’s um bekömmlich Satirisches geht, gibt’s im Lindenhof einmal mehr haute cuisine.“
    Schwarzwälder Bote, 03.05.2017
  • Schwaben schürfen tiefer: Bernhard Hurm als Urviech unter den Hobbyarchäologen im Clinch mit einem US-Magnaten, der vom Jurassic Park auf der Alb träumt. Das ist versiert inszeniert, stark gespielt und musiziert, wenngleich das Stück selbst bei allem Klamauk etwas hausbacken daherkommt.
    Schwäbisches Tagblatt, 04.03.2017
  • Die Figur des Schäufele hat Gerd Plankenhorn (Buch und Regie) seinem Kollegen Bernhard Hurm auf den Leib geschrieben. Diesem gelingt die Balance zwischen Erdverbundenheit, Satire und poetischer Träumerei blendend (…) Der Marimbaphon-Spieler (Musik: Susanne Hinkelbein) bietet ein auflockerndes Gegenüber, das sich neben seinen Klangzaubereien öfter ins Programm einmischt. Ein unterhaltsamer, poetisch-knitzer Blick auf die Wurzeln des Homo Sapiens.
    Reutlinger Generalanzeiger, 04.03.2017
  • "Ein Sofa, viele Stühle, gedämpftes Licht, so fängt es an. Der Darsteller bringt noch einen Teppich, eine Lampe, einen Kassettenrekorder – um das Lachen der Zuschauer aufzunehmen – und eine Kiste mit. Die Gäste sind gespannt – und erleben einen »Unterhaltungsfachmann« in der Sinnkrise. Zynisch und falsch kommt ihm vieles vor. »Ich muss Ihnen doch nichts vorspielen?«, bittet er um Nachsicht, dass der Abend doch anders verläuft als geplant. Zwischen Lach-Yoga-Übungen, absurden Musikeinlagen und verzweifelter Komik lässt er seine Berufslaufbahn und die Zeitläufte Revue passieren, begibt sich mit den Zuschauern auf die Suche nach dem wahrhaftigen, »nicht immer leicht verdaulichen« Lachen. Skurril, kämpferisch wird das Ganze. Otts Clownsbemalung kann man auch als Kriegsbemalung verstehen. Die Zuschauer sind gebannt, lachen, grübeln. Am Ende bleibt Nachdenklichkeit zurück." (Christoph B. Ströhle)
    Reutlinger Generalanzeiger, 06.03.2017
  • "Man spielt gewohnheitsmäßig auf der Bühne, man spielt aber auch auf dem Himmelberg, vor Altstadtkulissen oder in der Tübinger Panzerkaserne, man spielt in großen Häusern, aber ebenso oft und öfter fern der Metropolen auf dem Land - und jetzt eben auch in den Wohnzimmern der Menschen. Ganz nah dran. [...] Der Mime Ott erzählt darin,  schwadroniert, räsoniert, hadert über seine Schauspielerkarriere, mal ulkig, mal kritisch, mal selbstreflexiv, mal euphorisch, mal weinerlich. Teils autobiographisch, teils erfunden. Es geht ums Theater, aber nicht nur, es geht allgemein ums Künstlertum und um Illusionen. Wer schon die Welt verbessern wollte und dabei, wie so ziemlich alle, die das wollten, auf die Nase gefallen ist, erkennt sich darin wieder. Damit also kein Irrtum aufkommt: Das Stück ist kein Kabarett, keine Comedy, die sich für Geburtstagsfeiern eignet. Auf der Suche nach dem großen Lachen bleibt einem selbiges auch manchmal im Halse stecken. Es ist Theater im eigentlichen Sinne, komödiantisch, mit Tiefsinn, provokant." (Matthias Badura)
    Schwarzwälder Bote, 06.03.2017
  • „Ein auch nur annähernd vergleichbares Bühnenbild ward bislang nicht gesehen: Wir blicken ins Innere eines Windrads in 100 Meter Höhe. Franz Xaver Ott als großtönendes Gscheiderle mit nix dahinter, Berthold Biesinger als armes Würstchen – beide Schauspieler glänzend aufgelegt. Und da im technisch-theoretischen Trockenkurskauderwelsch der beiden Termini der Medizin, der Wirtschaftswissenschaften und des Maschinenbaus sich unentwirrbar gegenseitig durchdingen, wird schnell klar: Dieses Windrad steht für mehr. Konsequenterweise macht der eine den anderen nicht nur für das niederschmetternde Ergebnis der Reparatur, sondern gleich für alle Übel der Welt verantwortlich, von der Klimaerwärmung bis zum Syrienkrieg. Was noch wie ein Gag klingt, bekommt wenig später eine so absurd-philosophische wie ernstgemeinte Dimension. Nicht der Wind lässt hier das Windrad laufen, sondern umgekehrt, das nun endlich laufende Windrad macht erste den Wind. Eine schönere und schrägere Parabel dafür, dass der Mensch (und sein verlängerter Arm Maschine) seine Welt zu großen Teilen erst erschafft, ist kaum denkbar. Die Clownerie endet in einer Warndystopie. Ein Ende, so hart und Genregemütlichkeit zerstörend, wie es die Welt um uns herum derzeit verlangt.“
    Peter Ertle, Schwäbisches Tagblatt, 21.01.2017
  • „Begeisterter Applaus prasselte am Premiereabend auf die Schauspieler Berthold Biesinger und Franz Xaver Ott, die die Konkurrenten kongenial verkörpern. Ebenso mit überwältigendem Beifall bedacht wurde die Autorin Susanne Hinkelbein, die mit „Die Windmüller“ ein über weite Strecken hinweg ausgesprochen witziges und zugleich bitterböses Kammerspiel geschrieben hat, und Regisseur Siegfried Bühr, der die Tragikkomödie dicht inszeniert hat und zudem für das beeindruckende Bühnenbild und die Kostüme verantwortlich zeichnet. Was das Stück so sehenswert macht, ist die Spannung, die Hinkelbein und Bühr zwischen dem realistischen Setting und der ins Absurde laufenden Handlung aufbauen. Vor der unvermeidlichen Katastrophe, die dann doch ein Schockmoment für die Zuschauer ist, bleibt Hinkelbein, bleibt Bühr und den Darstellern über eine Stunde Zeit für eine differenzierende Figurenzeichnung. Biesingers und Otts Verdienst ist es, dass sie erreichen, dass man ihnen die Naivität und den Spieltrieb (in Grubers Fall) und die Motivation, angestauten Frust rauszulassen und gleichzeitig Gott zu spielen (im Falle Stöckles), voll und ganz abnimmt“.
    Christoph B. Stöhle, Reutlinger Generalanzeiger, 21.01.2017
  • „Susanne Hinkelbein hat eine wunderbar intelligente und lustige Männer-und-Technik-Satire geschrieben, so philosophisch wie handfest und so absurd wie bodenständig, auch wenn sie in luftigen Höhen spielt.(...) Mit Susanne Hinkelbeins außerordentlich kreativer, baumarktinspirierter Pseudo-Technik-Poesie, wollen sich die zwei Allmachts-Phantasten gegenseitig beeindrucken. Und so wird in „Die Windmüller“ nicht nur Handwerker- und Schwabenpsychologie, sondern auch der alltägliche Phrasenwahnsinn durchgespielt, berechtigte und irreale Ängste aufs Korn genommen sowie der lächerliche Machtkampf zwischen zwei vermeintlichen Alphatierchen.“
    Kathrin Kipp, Reutlinger Nachrichten, 20.01.2017
  • „Dieses Stück könnte man sich auch auf den großen Bühnen in Deutschland vorstellen – hätten die einen Berthold Biesinger und Franz Xaver Ott. Die beiden Lindenhof-Urgesteine machen unter der ausgefeilten Regie von Siegfried Bühr die Geschichte der beiden schwäbischen Monteure, die hoch oben in der Windparkgondel fest sitzen, zu einem fast eineinhalbstündigen, irrwitzig-absurden Parforceritt durch die Moderne. Da kommt fast alles zur Sprache, was der interessierte Zuschauer je in den inflationär häufig gewordenen Talkshows der Republik, diversen politischen Satiren oder den Nachrichten schon mal gelesen und gehört hat. Susanne Hinkelbeins Stück hat durchaus dadaistische Züge, was zur Kritik an der Moderne und ihrer Schnelllebigkeit passt. Tiefgang hat das Ganze auch durch den Wiedererkennungseffekt, den so manche, wenn auch skurril-gesteigerte Szene, beim Zuschauer hervorruft. Denn der kann assoziieren was er will. Und deshalb steckt so viel drin, in diesem Stück. Freier und besser kann die Kunst nicht sein.“
    Erika Rapthel-Kieser, Schwarzwälder Bote, 21.01.2017
  • „Hervorragend gespielt von Biesinger und Ott: das Unbehagen, das allmähliche Erkennen, der Klemme, in der sie stecken, die Ausbrücke von Wut und Verzweiflung. Erst langsam entdecken die beiden Zauberlehrelinge wider Willen, dass dieses Windrad etwas anderes ist als eine gewöhnliche Energieanlage. Es ist eine Weltmaschine, ein Apparat, der offenbar alles nur Erdenkliche erzeugen oder herbeiführen kann. Eine Herrliche Parabel auf komplexe Systeme und die Unfähigkeit des Individuums sie – und sich selbst – zu kontrollieren. Über eine Stunde dauert das witzig-abstruse Stück. Dabei trägt die zugrunde liegende Idee bis zum Schluss, die Spannung und das Vergnügen bleiben bis zuletzt erhalten, auch wenn „nur“ zwei Männer und ein piepsender, blinkender Apparat auf der Bühne agieren.“    
    Matthias Badura, Hohenzollerische Zeitung, 21.01.2017
  • Dass es in dem Stück der beiden Franzosen Pierre Palmade und Christophe Duthuron nicht bei oberflächlicher Slapstick-Komik blieb, ist vor allem ein Verdienst der beiden routinierten Schauspielerinnen Ida Ott und Carola Schwelien. Sie brachten die unterschiedlichsten Ecken und Kanten ihrer Figuren so authentisch über die Bühne, dass sich ins Lachen über das Leben und die Liebe auch immer mal wieder wissendes Verstehen mischte.
    Schwarzwälder Bote, 23.11.2015
  • Genial, erfrischend, wunderschön kehrt sich in allerletzter Minute alles zum Guten. Das muss man selber erleben, im Theater, im Melchinger Lindenhof. Zuletzt Riesenapplaus für die Schauspielerinnen und für Regisseur Siegfried Bühr.  
    Hohenzollerische Zeitung, 23.11.2015
  • Carola Schwelien gibt mit Genuss die gebildete Dame aus gutem Haus, die in ihrer Vita inklusive diverser Liebhaber nichts ausgelassen hat – und sich nun weigert, die Restzeit ihres Lebens in einem Heim abzusitzen. Die stolze Haltung, die spöttische Ironie, der milde Anflug von Arroganz – Schweliens Claude ist wirklich ein großbürgerliches Miststück zum Liebhaben.
    Reutlinger Generalanzeiger, 23.11.2015
  • Mit der Premiere für „Poliakoffs Eventkapelle 2“ fand im Theater Lindenhof ein erfolgreiches Bühnenstück seine vielbeachtete Fortsetzung. Das Publikum war gespannt – und zum Schluß begeistert.  
    Schwarzwälder Bote, 26.06.2015
  • In Dietlinde Elsässers kurzweiliger Inszenierung stolpern die vier Chaosmusiker mit ebenso drolligen wie hilflosen Gesichtern durch ihre unfreiwillige Weltreise und reißen das Publikum mit jedem Missgeschick zu neuen Lachsalven hin.
    Reutlinger Generalanzeiger 26.06.2015
  • Da stellt sich die Frage nach Macht- und Gerechtigkeitsverhältnissen, aber auch danach, wie man das Leben bewertet. Ist der Verlust materieller Güter wirklich immer ein Verlust? Ist Nachgeben, wie Hans es tut, nicht oftmals klüger? Oder regieren dann irgendwann die Dummen? Solche Fragen sind in dem Stück in großartigen Szenen und Bildern, unterlegt mit Videoeinspielungen, angesprochen, aber die Antwort wird nicht klar. Zu schwankend ist der Hans angelegt. (...) Wenn man im Lindenhof bei der Premiere am Wochenende dennoch bis zur letzten Minute nicht von diesem armen Tropf auf seinem hoffnungslosen Wege lassen wollte, wenn man mit Hans trauerte und sich mit ihm an Kleinigkeiten freute, dann lag das an der überragenden Darstellung Cornelius Niedens. Freilich auch an den ebenfalls überzeugenden Schauspielerkollegen: Berthold Biesinger und Bernhard Hurm als fiese Gesellen, Linda Schlepps als verzweifelte Ehefrau, Oliver Moumouris als Windhund und Blender und Kathrin Kestler als desillusionierte, eiskalte Schaustellerin. Man sollte sich das Stück ansehen. Aber vielleicht nicht, wenn man anschließend noch etwas Lustiges vorhat.
    Matthias Badura, Hohenzollerische Zeitung, 07.03.2016
  • Hans ist ja auch eher so fürs Freie, Offene, Unbeschwerte. Besitz belastet ja nur. Und so wird ihm bekanntlich nach und nach alles abgeluchst. Oliver Moumouris als rhetorisch versierter Schwerenöter mit leicht aggressiven Untertönen schwatzt Hans dessen liebe Frau ab. Moumouris wird im Laufe des Stücks noch so einige Male als schmierig-erpresserischer Blender- Typus ziemlichen Grusel verbreiten: ein eloquenter Wolf im Schafspelz, der gerne mal über das "Menschliche" doziert. Hans jedenfalls ist jedes Mal mächtig beeindruckt. Cornelius Nieden ist als Hans im Glück ebenfalls bestens besetzt. Er kann unheimlich naiv-dümmlich dreinschauen, ist die Gutmütigkeit in Person, hat zu aller Welt vollstes Urvertrauen, kann zwar "nicht so schnell denken", aber umso rasanter fühlen (...) grinst und strahlt und reißt seine Augen auf, als gäbe es kein Morgen. (...) Hans will Freiheit, Sonne, Wind und Wolken. Und so verkörpert Cornelius Nieden den poetischen Luftikus, den unkonventionellen Müßiggänger, Zwecks- und Zwangsoptimisten, gutmütigen Lebenskünstler, Ökonomie-Verweigerer, naturbekifften Traumtänzer und gutgelaunten Antikapitalisten, der die Leichtigkeit des Seins perfektioniert bis in den Tod.
    Kathrin Kipp, Südwest Presse, 07.03.2016
  • Welch ein Glück für die Zuschauer, dass sich Regisseur Christof Küster von Brechts harscher Selbstkritik nicht abschrecken ließ und dessen Jugendstück "Hans im Glück" trotzdem in Szene setzte. Bei der Premiere im Lindenhof bekamen die Zuschauer einen kraftvollen, stimmigen Bilderreigen zu sehen, ein Meisterstück der Theaterdisziplinen. Damit leistet das Regionaltheater Lindenhof seinen Beitrag dazu, dass dieses lange in den Archiven verstaubte Fragment des großen Dramatikers, das erst im Jahre 1998 in Hamburg uraufgeführt wurde, dem Vergessen entrissen wird. (…) dicht und überzeugend die Ensembleleistung der fünf Lindenhof-Darsteller und ihres Gastschauspielers Cornelius Nieden: Der vermittelt den Zuschauern gekonnt jene Mischung aus Einfältigkeit und Mut zum Neuen, mit dem Hans durch die Welt stolpert.
    Erika Rapthel-Kieser, Schwarzwälder Bote, 06.03.2016
  • Im Berliner Ensemble wird es derzeit als luftig-leicht über die Stränge schlagende Lust am Spiel gegeben. In Melchingen sieht es aus wie ein Lindenhofstück. Was es dort ja in jedem Fall ist. Und ist so sicher näher am Volksstück-Original, das kräftig büchnert, wedekindet und fast auch von Horvath stammen könnte, wiewohl man immer wieder Brecht heraushört. Ein Autor auf der Suche nach seiner Stimme. Ein Stück, das streckenweise nicht gut gearbeitet ist. Und einem trotzdem besser gefällt als vieles aus der Betonphase der Lehrstücke (wiewohl ja auch die Brechtsche Märchenadaption genau besehen ein Lehrstück ist, zumindest eine Parabel.) (...) Das hätte auch Fritz Lang und Lotte Reiniger gefallen: Wie der übergroße Bösewicht dem kleinen Hans seine letzten zehn Pfennige abluchst! Cornelius Nieden als Hans ist der Star des Abends, man merkt es nicht erst am Schlussapplaus. Und er ist wirklich großartig, bringt diese Verwirrtheit und Beschränktheit, diese Balance aus entrückter Dauerfreude und vorüberhuschender Traurigkeit, ja Verzweiflung, die Hans vor allem beim Verlust der Frau, aber auch später noch einmal, fast die Façon rauben. (...) So ist es treffend, dass ausgerechnet der „Freund“ von Hans als Brecht-Wiedergänger kostümiert auftritt. Brillant in Szene gesetzt von Oliver Moumouris, der schon als smarter Höllenhund und Freigeist Feili genau den richtigen Ton trifft. Linda Schlepps gefällt als Hanne, später dann als Mädchen. Ihre großen Minuten hat sie bei ihrem zweiten Hanne-Auftritt, als alleingelassene, schwanger Heimkehrende, eine Frau, die nichts bereut, aber alles bedauert und jedenfalls nicht mehr heimzuholen ist außer von Gevatter Tod.
    Peter Ertle, Schwäbisches Tagblatt, 07.03.2016
  • Starke Darsteller machen die 90-minütige Aufführung zu einem grandiosen Abend. Cornelius Nieden als Hans lässt einen zu keiner Zeit zweifeln, dass er die Idealbesetzung für diese Rolle ist. Seine Augen strahlen, wenn er für ihn scheinbar Wertloses wie sein Haus, seinen Wagen oder sein Karussell hergibt und ihm daraus Kostbares wie vermeintliche Freundschaft erwächst. (...) Der Clou ist neben dem famosen Spiel der Darsteller die Bühne, die Ausstatterin Maria Martinez Peña aus Modulen zu einem beweglichen Ganzen zusammengefügt hat. Im von Christof Küster (Regie) und Franz Xaver Ott (Dramaturgie) schlüssig aufbereiteten Szenenreigen verwandelt sich der schräg nach hinten aufsteigende Bühnenaufbau mal in ein Schienenbett, mal in ein Karussell. Rund wird die Sache aber erst durch Schattenspiele und Oliver Feigls pfiffig integrierte Videos, die der Inszenierung Fenster ins Dies- und Jenseits verschaffen. Und, so viel sei verraten: Nicht nur im Hier und Jetzt regiert der schnöde Mammon. (...) Linda Schlepps überzeugt in einer Doppelrolle als Hanne und Mädchen, Kathrin Kestler als Magd und Karussellweib. Oliver Moumouris manipuliert als Herr Feili und angeblicher Freund ohne jeden Anflug von Skrupeln. Und Berthold Biesinger und Bernhard Hurm haben als Kaufleute und Gauner lebenspralle Auftritte.
    Christoph B. Ströhle, Reutlinger Generalanzeiger, 07.03.2016
  • Regisseurin Eva Hosemann hat sich mutig und mit viel Geschick an ein Thema gewagt, das in unserer westlichen Kultur immer noch ein Tabu ist. Zwei ungleiche Schwestern, eindringlich gespielt von Kathrin Kestler und Linda Schlepps haben sich am Sterbebett ihrer Mutter zusammen gefunden. Das großartige, ebenso simple wie höchst symbolische Bühnenbild von Stephan Bruckmeier wird zum Sinnbild der schwierigen Beziehungsbalance zwischen den beiden und des ebenso komplexen wie anfälligen Gefüges innerhalb der Familie. (…) Da philosophiert Emmanuelle Marie in den Dialogen zweier starker Frauencharaktere über verpasste Chancen, über die Leben, die man nicht gelebt hat, und macht dann doch Mut zu Veränderungen und dazu, neue Wege zu beschreiten, andere Lebensentwürfe zu riskieren. Der Autorin, die 2007 im Alter von 42 Jahren gestorben ist, gelang ein eindringliches, konfrontatives Bühnenwerk, dass die Zuschauer ob seiner starken Bilder und tiefen Emotionalität in den Dialogen in seinen Bann zieht.
    Erika Rapthel-Kieser, Schwarzwälder Bote, 23.12.2016
  • „Den Konflikt bleiben/gehen sehen wir im Gesicht der Schauspielerin und ihren ersten Worten bereits voll entfaltet.. So macht Linda Schlepps dieses Kammerspiel bereits in der ersten Minute spannend. Der gleichermaßen enttäuschten wie provozierenden Replik ihres Gegenübers gibt Kathrin Kestler dann so viel untergründige Sprödigkeit, Kälte, Verletzlichkeit unter der gespielten Contenance, dass man sofort drin ist, in diesem Stück. (…) Wunderbar stille Sequenzen gibt es, beide Schwestern zärtlich verträumt daliegend. Es riecht irgendwie nach heißer Schokolade und Pinienduft. Wiederholungen und Satzschlaufen verleihen dem Stück Dringlichkeit und Poesie, in einigen Sequenzen nimmt das fast den Charakter eines Langgedichts an.(…) Ja, manchmal erlaubt sich Emmanuelle Marie in ihrem stillen, anrührenden, das Leben feiernden Psychodrama Späße, wie sie zwischen Yasmina Reza und Thomas Bernhard zu Hause sind.“
    Peter Ertle, Schwäbisches Tagblatt, 23.12.2016
  • Stimmig wirkt auch das Regiekonzept von Eva Hosemann, die die Darstellerinnen am Rand einer und auf einer rechteckigen weißen Fläche spielen lässt – der besagten Wippe (Bühnenbild Stephan Bruckmeier), die sich die Schwestern in Auseinandersetzung mit ihrem Leben und dem der Eltern aneignen. Monologe und Dialoge wechseln sich ab. Stets hat man das Gefühl, nah an den Schwestern, an ihren inneren Kämpfen, an ihrer Rückbesinnung auf das, was das Leben lebenswert macht, dran zu sein. So überzeugend ist der Text. So eindrücklich ist das Spiel der beiden Schauspielerinnen, die zeigen, wie sich Geschwister, die sich jahrelang kaum etwas zu sagen hatten, neu sehen lernen. Wippend überprüfen sie ihren Halt, ihr Vertrauen ineinander, ihre gegenseitige Zuneigung. Das macht den Theaterabend zum Erlebnis.
    Christoph B. Ströhle, Reutlinger Generalanzeiger, 23.12.2016
  • Die Erwartungen waren hoch, sie hätten noch dreimal höher sein dürfen, sie wären nicht enttäuscht worden. Was in "Hitlers Tagebuchschreiber. Konrad Kujau - ein echter Fälscher" an sauber recherchierten Hintergrundinformationen ausgebreitet wird, das ist unglaublich, man kann nur den Kopf schütteln, man muss schmunzeln, muss lachen. Und staunt immer wieder, wie frech und fröhlich Kujau seine Partner hinters Licht führte, das Gericht, das über seinen Fall verhandelte, zum Narren machte und dem Gelächter preisgab. Der Prozess muss wirklich einem Komödienstadl geglichen haben. [...]  Was ist Wahrheit, was ist Fälschung, man entwickelt Zweifel, eine schon echt philosophische Dimension, die das Schelmenstück aufweist. Wobei es jederzeit im Heiteren verbleibt. Unbedingt anschauen diesen Knaller!
    HOHENZOLLERISCHE ZEITUNG, 28.10.2016
  • Konrad Kujau ist im Lindenhof-Stück ein undurchsichtiger, windiger, dreister und bauernschlauer Betrüger und Hochstapler mit Unterhaltungswert, der mit seinem Coup die Sensationsgier, die Verführbarkeit und die nach wie vor ungebrochene Hitler-Grusel-Faszination der Gesellschaft vorführt. [...] Und so geht es um das alte Spiel um Wahrheit und Fake, falsche Echtheit und echte Fälschung, nicht nur im Kunsthandel. Und um unsere ewige Sehnsucht nach Authentizität, die es nicht gibt und nach einfachen Antworten und schlichten Wahrheiten.[...] Und so windet sich Hurms lausbübischer Schlawiner dem Sammler gegenüber mit genauso viel selbstherrlichem Geplapper aus dem Schwitzkasten wie vor Gericht: mit Gerd Plankenhorn als Richter, eine Mischung aus Alter (Grund-) Schule und Amtsgerichtkomödienstadl.  
    REUTLINGER NACHRICHTEN, 28.10.2016
  • Die Melchinger Premiere von Franz Xaver Otts Stück "Hitlers Tagebuchschreiber" am Theater Lindenhof ließ die Zuschauer immer wieder hin- und hergerissen sein zwischen Gekicher und Gänsehaut.[...] Marc von Henning weiß, dass er sich auf das schauspielerische Können der Lindenhof-Akteure verlassen kann. Das erlaubt ihm, die Charaktere scharf zu zeichnen, ja zu überzeichnen. Herrlich Linda Schlepps, die die britische Zeitungsfrau als kaugummikauende Post-Punk-Göre mit Gotik-Schmuck und Lisbeth-Salander-Charme gibt, während eine sächselnde Kathrin Kestler glaubhaft die Kujau-Lebensgefährtin darstellt, die ihrem "Conny" alles nachsieht und nur ein bisschen schmollt über acht Monate auf Bewährung.[...] Das alles endet in einem fulminanten Danse Macabre. Der dem Tod geweihte Kujau sitzt in Gefängniskleidung am Bühnenrand und blättert, umringt von Skeletten, die Hitler-Masken tragen, in den Kladden, derweil eines der Knochengerüste munter zu Charleston-Klängen einen Revuetanz vollführt.  
    SCHWARZWÄLDER BOTE, 28.10.2016
  • Bernhard Hurm [...] spielt Kujau als einen schlitzohrigen Volkshelden, der das Establishment mit einem Augenzwinkern bloßstellt. [...] Regisseur von Henning stellt die Wahrheit in ihrer ganzen Brüchigkeit aus. »Fälschen«, sagt er, »ist ein Kernstück im Leben«. Dazu passt, dass er Kujau samt Kumpanen live auf der Bühne spielen lässt und zugleich als Video auf eine Leinwand projiziert. Die mediale Inszenierung verdoppelt die Wirklichkeit und weckt Zweifel, ob das Abbild das Urbild auch identisch widerspiegelt.  
    REUTLINGER GENERALANZEIGER, 28.10.2016
  • Otts Version von "Hitlers Tagebuchschreiber", der einfach mal die Grenzen menschlicher Dämlichkeit auslotet, gerät über weite Strecken lustig und erheiternd - eine Comédie humaine des Schwindelns und des dankbar Beschwindeltwerdens. [...] Bernhard Hurm spielt den bauernschlau armen Konrad einfach großartig: die dickfellige Unschuld vom "schönen Land in dieser Zeit", das ihm eine solch schöne Trickserkarriere auch erst ermöglicht hat. Hurm spielt diesen Instinkt-Kleinganoven mit der genialen Betrügerbegabung ganz aus dem vorgeschobenen Bauch heraus, dabei um keinen Sinnspruch verlegen.  
    SCHWÄBISCHES TAGBLATT, 28.10.2016
  • „Wohin des Weges“ – eine Collage, die mit den vielen persönlichen Geschichten Betroffenheit auslöst. Und die in verschiedenen Sprachen von den Facetten des Flüchtlingsdaseins erzählt: Flucht, Ankommen in Deutschland, Bürokratismus, Konfrontation mit der fremden Kultur, Ängste, Sehnsüchte - auf beiden Seiten.

     Kathrin Kipp, 20.05.2016

    Südwestpresse
  • Hervorzuheben ist die tolle Ensembleleistung, die der Poesie, dem Nachdenklichen, dem Sich-übereinander-Wundern Raum gibt, aber auch den Hoffnungen und traumatischen Erlebnissen, die viele der Flüchtlinge im Gepäck haben. Moumouris gibt alledem ein kunstvolles, aber nicht überhöht theaterhaftes Gepräge. […] Das gemeinsam erarbeitete Stück trägt auf berührende Weise zur Entkrampfung der Beziehungen zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen bei. Gerade weil die unterschiedlichen Sichten nicht unter den Teppich gekehrt werden. Und weil dennoch etwas zutiefst Menschliches in dem Bühnenspiel der Akteure liegt.

    Christoph B. Ströhle,  20.05.2016

    Reutlinger Generalanzeiger
  • Das Stück, zusammengesetzt aus Sprach- und Gesangscollagen, aus Spielszenen, in denen Autobiografisches und Literarisches nebeneinander ihre Wirkung entfalten, kommt außergewöhnlich wie anrührend daher. Flüchtlinge, die ihre eigene Geschichte auf der Bühne erzählen, spielerisch, mal mit Humor, mal mit offensichtlicher Betroffenheit oder Trauer. Mutig, wie Regisseur Oliver Moumouris das Thema angeht.

    Erika Rapthel-Kieser, 20.05.2016

    Schwarzwälder Bote
  • Es ist geglückt, die Produktion, in der Oliver Moumouris die Regie führte, hat überreich gehalten, was sie ansatzweise versprach. Es ist freilich viel, was da in Szenen, Bildern und Erzählungen verarbeitet ist: Krieg, Angst, Flucht, Ankunft, Heimatlosigkeit, Heimweg, das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und Religionen, Abneigung, Vorurteile, Hoffnungen, Unverständnis – eine nicht endenden wollende Palette. Doch zu viel ist es nicht, das Spiel blieb übersichtlich, locker. Schwermütig oder belehrend ist es ohnedies nicht. An zahlreichen Stellen muss man grinsen, an vielen herzhaft lachen; teils über die „anderen“, teils über sich selbst.

    Matthias Badura, 20.05.2016

    Hohenzollerische Zeitung
  • Theater mit Flüchtlingen, das ihre und unsere Geschichten und Perspektiven bespielt. Alles andere als ein Goodwillprojekt. Vielmehr ein kluges, feinfühlig komponiertes, poetisches Stück, mit einigem an Humor, mancher Dunkelheit, viel Scharfsinn und genügend Spielraum für Interpretation. Und nebenbei: Auch ein gelebtes Stück Integration. Gelingt spielend.

    Peter Ertle, 20.05.2016

    Schwäbisches Tagblatt
  • "Der Feierabendbauer" ist eine wild-assoziative Meinungskundgebung zu den Themen Ökologie, Ökonomie, Landwirtschaft, Realpolitik, Raubtier-Kapitalismus, Liebe und Heimat, geschrieben von Dietlinde Ellsässer. (...) Und er ist dem Lindenhof-Schauspieler Berthold Biesinger auf den Leib geschrieben: Als schwäbischer Bruddler mit Herz steht er auf der Bühne und ist beileibe nicht von gestern. Eher von morgen, denn in ungefähr entspricht seine politische und ethische Haltung der zukünftigen grün-schwarzen Folklore: zutiefst konservativ und heimatverbunden und trotzdem öko - Schöpfung bewahren, nachhaltig wirtschaften und konsumieren. (...) Wladimir (Victor Oswald) spielt auf seiner Quetsche Volksweisen, das Publikum singt und klatscht mit. Derweil doziert Karle über seine Äcker, über den guten Boden und sein Obschtwiesle mit "Goldparmener, Brettacher,Glockenäpfel". Dem Publikum geht 's Herz auf.

    Kathrin Kipp,  29.04.2016

    Hohenzollerische Zeitung
  • Der Karle ist ein durch und durch guter, armer Bauer, richtige Gesinnung, ethisch einwandfrei und schwätze kann er au, mit so vielen schwäbischen Ausdrücken, der Verein für schwäbischen Dialekt ist sicher hoch erfreut.(...). Dietlinde Ellsässer kann immerhin niemand vorwerfen, dass sie vom Landleben, von Bauern, nichts versteht. Ihre anrührende Philippika setzt die alten Zeiten doch in Goldrand. Dass der Bauer von heute selbst eine ziemlich arme Sau ist, ist allerdings nicht von der Hand zu weisen.  Auch Berthold Biesinger, weiß wovon er spricht, verleiht diesem Bauernsterbenmonolog große Glaubwürdigkeit. (...) Witze und Pointen, na klar, gibt es, muss man das sagen bei Dietlinde Ellsässer? Aber Hofreiter wohnt natürlich nicht im Dohlengässle. Zu viel Witz würde sein Schicksal, sein Anliegen unterm Kalauerberg begraben. (...) Also gelungen, diese etwas unheimliche Begegnung des Hier und Heute mit der frühen Lindenhofästhetik.

    Peter Ertle, 29.04.216

    Schwäbisches Tagblatt
  • So unterhaltsam, wie "Der Feierabendbauer"  geraten ist, hat man nie das Gefühl, dass einem ein erhobener Zeigefinger vorgehalten wird. Aufgelockert wird das an sich sehr ernste Thema durch Biesingers lebendiges Spiel und durch die Musikeinlagen. Victor Oswald spielt das Akkordeon mit einer Leichtigkeit und Freude. Wenn die beiden gemeinsam singen und musizieren, ist der ganze Saal voll dabei.

    Nadine Nowara, 29.04.216

    Reutlinger Generalanzeiger
  • Dietlinde Ellsässers Stück "Der Feierabendbauer" mit Berthold Biesinger in der Hauptrolle ist eine harsche Abrechnung mit Bürokratismus, Verbrauchergeiz und dem Wegbrechen der ländlichen Kultur. Die Uraufführung stieß im Saal des Lindenhoftheaters auf große Resonanz. (...). Berthold Biesinger spielt den resignierten Aussteiger mal mit hochrotem Kopf und zornig gereckter Faust, mal mit himmelwärts gerichtetem Blick als wehmütig Trauernder und nachdenklicher Sucher. Seine Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke sorgen dafür, dass die 70 Minuten Bauernmonolog mit Musik im Fluge vergehen.

    Erika Rapthel-Kieser,  29.04.216

    Schwarzwälder Bote
  • Heiner Kondschak bringt die Lebensgeschichte des Bürgerrechtsaktivisten, Umweltschutzpioniers und Folksängers Pete Seeger als "inszeniertes Konzert" auf die Bühne, wo es zum eigenen Gesamtkunstwerk wird. Er selbst schlüpft in die Rolle des gealterten Sängers und erzählt zusammen mit Linda Schlepps als seiner Ehefrau Toshi rückblickend seinen Lebenslauf. Untermalt wird dies immer von den Seeger-Hits und einem großartigen Chor Semiseria (Leitung Frank Schlichter). Neben dem unaufdringlich einfachen Bühnenbild hat Ilona Lenk mit der Kostümierung der Schauspieler, der Band und des Chors einen Kraftakt vollbracht. Die Zuschauer werden von den rund 50 Akteuren gekonnt durch mehrere Jahrzehnte amerikanischer Folk- und Fashion-Geschichte geleitet.

    Erika Rapthel-Kieser, 17.09.2016

    Schwarzwälder Bote
  •  So bescheiden wie er hat sicher kaum einer der großen Musiker des 20. Jahrhunderts gelebt. Was seine Wirkung angeht, ist der 2014 verstorbene Pete Seeger allerdings ein Gigant. Die Songs des Protestsängers, Optimisten und Mutmachers sind bis heute unvergessen. Live gesungen und gespielt von Kondschak, seinen Co-Darstellern, der Band und natürlich von den Chormitgliedern entfalten diese Lieder Kraft, reißen mit, sich im Herzen jung und jeder Herausforderung gewachsen zu fühlen (...) Zur großen Anschaulichkeit tragen neben der Paletten- und Blockhaus-Bühne und den Zeitkolorit versprühenden Kostümen (Ilona Lenk) passend eingespielte Foto- und Filmdokumente bei.

    Christoph B. Ströhle, 17.09.2016

    Reutlinger Generalanzeiger
  • Heiner Kondschaks Verdienst ist es, anhand Pete Seegers musikalischer Biographie ein ganzes Jahrhundert US-amerikanische Repressions- und Widerstandsgeschichte im Schnelldurchlauf zu erzählen. Es gelingt ihm aber auch, die alten Folksongs äußerst abwechslungsreich aufzubereiten. Gesungen wird solo, in der Gruppe, im Chor, auf Deutsch und im Original, mal ganz reduziert, fast dokumentarisch, dann wieder grandios instrumentalisiert und bombastisch - alles von aufrührerisch bis rührend.

                    Kathrin Kipp, 17.09.2016

    Hohenzollerische Zeitung
  • Heiner Kondschak erzählt Pete Seegers Biografie als emotionale Zeitreise durch die amerikanische Geschichte. Handlung und retrospektive Erzählung greifen genauso locker ineinander wie unterschiedliche Zeitebenen oder musikalische und szenische Momente.

    Moritz Siebert, 17.09.2016

    Schwäbisches Tagblatt
  • Joachim Zelters 'Angstmonolog' ist eine treffliche Medizinsatire. Auf der Bühne sind die Gestaltungsmöglichkeiten freilich begrenzt. Der Monolog lebt aber dann auch von der Leistung von Oliver Moumouris. Der zittert und bangt, leidet und lamentiert, malt sich die Operation in düsteren Farben aus- und die Zuschauer leiden und lachen mit
    Schwäbisches Tagblatt
  • Ein genialer Text von Joachim Zelter, ein beschlagener Schauspieler und glänzender Sprecher wie Oliver Moumouris und eine Regisseurin wie Petra Afonin, die präzise mit dem Text gearbeitet und dessen inwendige Komik zum Prickeln gebracht hat.
    Reutlinger General-Anzeiger
  • Es fällt einem schwer, von dieser Homo-Faber-Inszenierung nicht restlos begeistert zu sein. Wie die drei Schauspieler untereinander und in dem Bühnenbild agieren, wie geschickt eingesetzte Beleuchtung, Musik und Audioprojektionen zusammenwirken und wie die Melchinger es wieder schaffen, mit bescheidensten Mitteln und der Phantasie des Publikums zu spielen, Assoziationen zu wecken und Aha-Erlebnisse auszulösen: Respekt!
    Schwarzwälder Bote
  • Nicht nur das Bühnenbild mit beweglichen Spiegelglas-Elementen und die herangezoomten Video-Projektionen sorgen für Staunen, auch die Bühnenfassung selbst - als Darsteller eine Frau, zwei Männer - ist ungewöhnlich. Indem er den eng an Frischs Roman angelehnten Text nicht in bemühte Spielszenen auflöst, liefert Regisseur Christof Küster eine ganz eigene Interpretation ab. Im Verbund mit Dramaturgin Barbara Brandhuber und Ausstatterin Maria Martinez Peña entwirft er eine fatale Begegnung auf dem Laufsteg des Lebens. Während Moumouris die Hauptfigur Faber mit entlarvender Gefühlskälte spielt, schlüpfen Kathrin Kestler und Reinhard Froboess in alle anderen Rollen sowie auch Fabers innere Stimmen, die sein Tun kommentieren. Wer bisher mit diesem Stoff nichts anzufangen wusste, sollte sich die Inszenierung von Christof Küster nicht entgehen lassen.
    Hohenzollerische Zeitung
  • Regisseur Christof Küster versucht in seiner selbst erstellten Drei-Personen-Fassung möglichst viel vom Roman-Charakter zu erhalten. Reinhard Froboess und Kathrin Kestler spielen nicht nur all die Figuren, denen Oliver Moumouris als Walter Faber auf seiner Reise zur Erkenntnis begegnet, sondern hüpfen auch in die Erzählerrolle. Küster lässt die drei Darsteller auf einer fast leeren Bühne agieren. Nur eine Reihe beweglicher Stahlrahmen mit Plexiglasscheiben erlaubt immer neue Gliederungen des Raums. Sie verbildlichen auch das Technoide von Fabers Weltsicht und stehen gleichzeitig für eine (Durch-)Blick auf ein Dahinter. Video-Ebene, Erzähler-Kommentare und Hintergrundmusik verbinden die puren Szenen in einen süffigen Strom des Erzählens. Amüsant, ironisch und oft geradezu leichtfüßig wogt das Geschehen dahin - bis es umso heftiger ins Tragische kippt. Eine spannende und überzeugende Umsetzung dieser Reise in die Desillusionierung.
    Reutlinger General-Anzeiger
  • Extrem verschroben, doch sehr populär. Haut rein. Hat alles, was ein Publikumshit braucht.
    Schwäbisches Tagblatt
  • Sie sind ein musikalisches Sondereinsatzkommando für alle Fälle: Ben E. Fiz, Werni Sasch, Sylvester Gala und Tom Bola. Die fantastischen Vier von der Alb (...) versetzen das Publikum mit ihrem minimal musikalischen, dafür umso größeren närrischen Einsatz in Ekstase.
    Hohenzollerische Zeitung
  • Es sind aber nicht zuletzt auch die beiden Darsteller, die die Zuschauer mitreißen. Mit viel Liebe zum Detail lassen sie ihre Figuren hervortreten. (...) Von rührender Komik sind ihre Gesangseinlagen.
    Reutlinger Generalanzeiger
  •   Lebhaft, authentisch und sympathisch wirkte Plankenhorn in seinem zweistündigen Programm. Das Publikum zeigte sich begeistert, viele Sketche wurden von herzhaften Lachern unterbrochen. Der "Rennfahrer" gewann das Publikum mit mannigfaltigen Geräuschen und Gesichtsakrobatik. Höhepunkt des Abends war eine rasante Tanzeinlage im eng anliegenden, schwarz-weiß karierten Anzug. Da kannte das Publikum kein Halten mehr und klatschte tosend Beifall.
    Ludwigsburger Kreiszeitung
  • Plankenhorn bewies in der Tat sein vielschichtiges Talent als Geräuschimitator, als munterer Comedian, auch als Erzähler skurriler Geschichten. Sein Programm war in hohem Maße unterhaltsam, löste viel spontane Heiterkeit aus und vermittelte nicht zuletzt ein Weltbild vom Schwaben, das diesen als besonders gelungene Variante der Spezies Mensch auswies.
    Bietigheimer Zeitung
  • Daneben imitiert er zahlreiche weitere Charaktere und Personen. Und - ganz meisterhaft - den Klang von Motoren. Verblüffend echt und doch ulkig, wie es sich anhört, an, wenn er das Warmlaufen oder das Vorbeijagen eines Boliden auf der Rennstrecke nachmacht... Das Publikum belohnte den Rennfahrer-Professor am Schluss mit langem Applaus und Füße-Getrampel.
    Hohenzollerische Zeitung
  • Gerd Plankenhorn bewegt sich mit seinem grotesken Crashtest für Schwaben zwischen Dada und Brauchtum, zwischen rasanten Kalauern, absurder Gedankenakrobatik und satirisch überhöhtem Schwaben-Pathos. Dafür gibt es großen Beifall.
    Südwestpresse online
  • Und so kommt’s, wie’s kommen muss, nämlich zum doppelten Verwirrspiel. Dabei verstellt sich praktisch jeder so lange, bis auch den Zuschauern ganz schwindlig ist vor lauter sprachli-chen Doppeldeutigkeiten und gesellschaftlichem Drunter und Drüber. Die Lindenhöfler ha-ben jede Menge Spaß an ihrer Status-Klamotte, die sie deshalb mit einer ausgefeilten Büro-Choreografie, vielen Side-Acts und noch mehr Parallel-Gags verschönern.
    Reutlinger Nachrichten, 29.05.2015
  • Fern von steifer Verkopfung und intellektueller Überfrachtung bietet Christof Küsters Inszenierung ein Feuerwerk der Regiegags – und das bei spielerischer Leichtigkeit. Der Drei-Akter ist ein „Must-See“ für Lindenhof-Fans und solche, die es werden wollen.
    Schwarzwälder Bote, 29.05.2015
  • Der fast 300 Jahre alte Klassiker von Pierre Carle de Marivaux ist schwungvoll inszeniert, wit-zig und erfrischend, strotzt zudem vor Regieeinfällen. Zu der Idee mit dem Büromobiliar et-wa kann man nur gratulieren. Die Rollschreibtische geben der Inszenierung Rasanz und Dy-namik, da wird abgeschoben, umgedreht, überrollt, überfahren, da drehen sich Akteure im Kreis oder werden vom Wirbel erfasst
    Hohenzollerische Zeitung, 29.05.2015
  • Zwei Stunden lang erfreut man sich am Spielwitz der glänzend aufgelegten Akteure, an erfri-schenden Stuhl- und Bürotisch-Choreografien, an Schattentheater, Laufsteg-, Sauna- und Solarium-Szenen, der Gute-Laune-Musik und den Kostümen. Und natürlich am Happy End
    Reutlinger Generalanzeiger, 29.05.2015
  • Das Seltsame und Schöne dieser Inszenierung ist: Die Bürokonstellation ist nur das Oberflächenangebot, man sieht immer auch die Marivaux-Vorlage durchschimmern. Ein Grund ist sicher die Sprache Marivauxs, ein anderer Grund dürfte im Spiel der Akteure liegen, die dem Komödienaffen manchmal so Zucker geben, das wir fast Typenfiguren einer galanten Komödie des 18. Jahrhunderts vor uns sehen.
    Schwäbisches Tagblatt, 29.05.2015
  • Der große Wurf gelingt mit der Inszenierung nicht, aber ein für die Zuschauer amüsanter Abend, an dem über Lustvolles und die Liebe herzhaft gelacht werden kann (…) Die Geschichte gewinnt durch den Retro-Charme des Chores, für den der Musiker Wolfram Karrer Liebeslieder arrangiert hat und der damit an den richtigen Stellen der Handlung für hintersinnige Höhepunkte sorgt.
    Schwarzwälder Bote vom 16.03.2015
  • „Der Kerl vom Land“ ist wie gemacht für den Lindenhof: Schließlich verkörpert dieses Theater auf originäre weise das Aufeinandertreffen zwischen Land und Stadt, Provinz und Welt, Traktor und Hölderlin, Kuhstall und Bibliothek (…) Schöner als das Stück ist das, was Regisseur Philipp Becker aus seinen beiden Schauspielern herausgeholt hat: Franz Xaver Ott extrem nuanciert, anrührend, zupackend – Kathrin Kestler macht sich als Neuankömmling in der bäuerlichen Welt gut (…) Das richtige Stück für alle verliebten Paare, die gleichzeitig so unterschiedlich sind, dass es eigentlich nicht gut gehen kann. Gut inszeniert, fein gespielt, anrührend.
    Schwäbisches Tagblatt vom 17.03.2015
  • Regisseur Philipp Becker hat mit leichter Hand, charmant, witzig und romantisch starkes Schauspielertheater inszeniert (…) Franz Xaver Ott und Kathrin Kestler geben in ihren Rollen alles und schaffen es, das Publikum zu fesseln – mit einer Geschichte, die geerdet alltäglich erscheint und gleichzeitig erfrischend originell erzählt wird (…) Die absolut sehenswerte Aufführung gewinnt durch einen vierköpfigen Rentnerchor, der das Geschehen beobachtet und mit Liedern musikalisch begleitet
    Reutlinger Generalanzeiger vom 17.03.2015
  • Das Ensemble bewegt sich mit schlafwandlerischer Sicherheit zwischen den Polen „saukomisch“ und „todtraurig“ und kann dabei alle Register seines Könnens ziehen. Geradezu brillant aber ist Linda Schlepps in der Rolle der selbstbestimmten, aber hochverschuldeten Jung-Bäuerin (…) Bühnenbildnerin Ilona Lenk hat einen Rahmen geschaffen, der Raum lässt für das, was angedeutet werden muss und trotzdem jegliches Umbauen erspart. Auch das eine Meisterleistung.
    Schwarzwälder Bote vom 24.10.2015
  • Den Roman „Emmas Glück“ von Claudia Schreiber hat Heiner Kondschak mit viel Musik und wenig Worten in eine medodiedramatische Tragikomödie verwandelt: Karg, schlicht und trotzdem kräftig.
    Hohenzoller Zeitung vom 24.10.15
  • Ein modernes Märchen ohne platte Moral. Durch Musik nicht verklärt, doch poetisch aufgeladen. Von Kondschak mit Sinn fürs Bodenständige inszeniert und bis in Details – etwa Ilona Lenks Bühnenbild und Kostüme – liebevoll gestaltet. (…) Durch musikalische Überleitungen, szenische Grundierung und den Chor als Erzähler und  Kommentator fühlt man sich als Zuschauer an die Hand genommen, eingeladen, mit Kondschaks Melodien und Liedtexten im Traurigen Lebensbejahendes zu erkennen, im Heiteren das existenziell Bedrohte.
    Reutlinger Generalanzeiger vom 24.10.2015
  • Ohne Samthandschuhe, aber mit viel Spitzfindigkeit und Selbstironie bringen Biesinger und Hurm ihr Publikum zum Jauchzen. Die beiden so verschiedenen Typen funktionieren bestens: egal ob beim Liedersingen, Gedichtchen rezitieren oder nachgestellten Kneipenszenen. Es gibt kein schwäbisches Klischee, das die beiden nicht aufarbeiten und auf die Schippe nehmen. „Spätzle mit Soß!“ ist eine köstliche und kurzweilige Unterhaltung.
    Reutlinger Generalanzeiger
  • Das Publikum brüllt vor Lachen, als Berthold Biesinger als bruddeliger Heimatdichter seine Ode an den Wald zum Besten gibt und „neun Quadratkilometer nächtlichen Mischwald“ besingt oder „den verträumten Schiedsrichter“ auf dem Sportplatz aufs Korn nimmt.
    Schwarzwälder Bote
  • Aus vielen kleinen Szenen formen Berthold Biesinger und Bernhard Hurm ein  liebevolles, gut getimtes Programm, das den Schwaben in all seinen charmanten wie widersprüchlichen Facetten zeigt (…) Sie begeben sich auf eine Kreuzfahrt, die sie über mehrere Sprachgrenzen führt – von Oberschwaben über Neckartal und Zollernalb bis zum Bodensee (…) Dabei verbinden sie Lyrisches und Dramatisches mit Essyaistischem, suhlen sich in Originaltexten, Sprachreflexionen, Dialogen, Sketchen, Monologen und Gedichten aus der Feder schwäbischer Dichter.
    Hohenzollerische Zeitung
  • Ein bisschen Philemon und Baucis, ein bisschen Beckett.
    Schwäbisches Tagblatt vom 24.2.15
  • Oliver Moumouris' Greis sucht nämlich immer, wenn's ans Heiraten geht, vergeblich seine Ringe. Als er sie endlich endlich findet, ist es schon zu spät: Seine große Liebe ist tot. Also: Iss' den Nachtisch, bevor's zu spät ist. Während das Publikum noch im Geiste nach den Zusammenhängen sucht, klatscht es schon mal lange Beifall.
    Hohenzoller Zeitung vom 20.2.15
  • Am Ende bleiben beide Geschichten unverknüpft nebeneinanderstehen. Zwei theatralische Annäherungen an die Frage, wo beginnt Realität und wo endet Fiktion. Zwei Fingerübungen in Sachen Wahrnehmung.
    Reutlinger Generalanzeiger vom 20.2.15
  • Was der Kult-Regisseur Marc von Henning mit der jüngsten Premiere im Theater Lindenhof Melchingen präsentierte, war ein Sahnestückchen der darstellenden Kunst und geht nur mit herausragenden Schauspielern. Es ist ein leiser Abend, der von großen Gefühlen erzählt. Nachgespielt werden atmosphärisch dicht zwei Geschichten.
    Schwarzwälder Bote vom 20.2.15
  • "Extrem verschroben, doch sehr populär. Haut rein. Hat alles, was ein Publikumshit braucht."
    Schwäbisches Tagblatt
  • "Sie sind ein musikalisches Sondereinsatzkommando für alle Fälle: Ben E. Fiz, Werni Sasch, Sylvester Gala und Tom Bola. Die fantastischen Vier von der Alb (...) versetzen das Publikum mit ihrem minimal musikalischen, dafür umso größeren närrischen Einsatz in Ekstase."
    Hohenzollerische Zeitung
  • "Als eines dieser kleinen, feinen Solostücke feierte das "Ein-Mann-Revuele" in der Melchinger Scheune Premiere. Biesinger markiert mit wenigen leicht kabarettistischen Veränderungen der Körperhaltung Gottvater, Adam, Eva und den Engel . Konzentration ist schon gefordert, um den gereimten Versen im herben Dialekt und mit Ausdrücken, die kaum noch jemand kennt, zu folgen. Aber Lieder schaffen Atempausen - und Biesinger singt ausgezeichnet. Dazu kommt so manches Spiel mit dem Text: Aufzählungen werden immer wieder als Rap inszeniert oder auch mal psalmodierend dargeboten."
    Reutlinger General-Anzeiger
  • "Aus einem Pflichttermin, dem 300. Geburtstag Sebastian Sailers, hat Berthold Biesinger eine beachtliche Kür gemacht. Das Urgestein der Lindenhoftruppe ist mit seiner Bühnenpräsenz und Dialektverliebtheit der Richtige für diese gelungene Ein-Mann-Revue. Biesinger schlüpft abwechselnd in die Rollen von Gottvater, Adam und Eva. Und er fällt immer wieder aus ihnen heraus. Dann steht er neben der Handlung, kommentiert sie, persifliert sie und bringt seine Zuschauer nicht nur wegen des Dialekts, sondern auch mit perfekt eingesetzter Körpersprache zum Lachen. "
    Schwarzwälder Bote
  • "Der Verständlichkeit und dem dramatischen Drive kommt die strukturierende Bündelung einzelner Passagen zu kleinen Nummern zugute, wie Biesinger sie taktstampfend als Poetryslam á la 1743 präsentiert. So entsteht ein Abend, dessen Stärke es gerade ist, dass leichtes Possenspiel und kleinmalendes Heimatkolorit durch den zeitlichen Abstand und das große biblische Thema etwas Schweres hinzugewinnen."
    Schwäbisches Tagblatt
  • "Biesinger gibt alles und holt aus der Schöpfung das bestmögliche heraus: Er hat sich ein feines Apfelhemdle angezogen und singt, spielt und rappt sich mit schwäbisch-rustikaler Geschmeidigkeit durch Paradies, wirft die sündigen Äpfel ins Publikum oder lässt es den Esel machen."
    Hohenzollerische Zeitung
  • "Mit dieser Premiere ist dem Melchinger Theater ein Meisterwerk gelungen. Kondschaks Musik, das Bühnenbild, die dramaturgischen Einfälle und die Schauspieler ordnen sich dem Werk Gernhardts unter und es entsteht ein rundes und stimmiges Bild. Die Lindenhöfler bringen intelligenten Wortwitz bravourös auf die Bühne."
    Hohenzollerische Zeitung
  • "Die Lindenhof-Inszenierung sprüht vor Ideen und wechselt schneller als sich das herzlich lachende Publikum erholen kann. Die gut 100 Minuten der Vorstellung vergehen wie im Flug, die Theaterscheune in Melchingen verlassen an diesem Abend lachende Zeugen einer exzellenten Aufführung."
    Schwarwälder Bote
  • Das Wundersame an dieser Aufführung ist der arme Teufel, der den Brandner Kaspar ins Jenseits befördern soll. Oliver Moumouris gibt den Boanlkramer als verlorenen Außenseiter, als nestroyhaften Randexistenzialisten, als Teufelskreisler-Kapellmeister. Eine Entdeckung.
    Schwäbisches Tagblatt / SÜDWEST PRESSE
  • Der Brandner Kaspar ist auch eine tragische Gestalt. Stefan Hallmayer spielt diesen Anteil des in die Jahre gekommenen Taktierers und Teufelspaktierers mit verzweifelter Bitterkeit (...) Sein Gegenspieler ist der Boanlkramer und mit Oliver Moumouris sensationell gut besetzt: Ein halbgarer Teufelsbraten; das Mienenspiel eines herzleidenden Kapuzineräffchen verbirgt nur notdürftig, wie gerne er selbst einer von denen wäre, die er holen muss. Zarte Zwischentöne und ein Schauspieler, der den Tod als heillos verlorene Seele für sich entdeckt. Der Boanlkramer allein wäre schon eine Reise nach Melchingen wert.
    Schwäbisches Tagblatt
  • Regisseur Biermeier stellt das alles so prall und derb wie eine Mischung aus Jahrmarktrevue und Bauernschwank auf die Bühne. Die Figuren sind lustvoll zugespitzt und mit grellen Konturen gezeichnet. Das ist eben der Clou seiner Inszenierung: dass genau in dieser Rahmung von Schwank und Scherz jene existenziellen Momente umso drängender hervortreten (...) Den Brandner Kaspar macht Stefan Hallmayer zu einer großartigen Identifikati-onsfigur. Sein Wille, zu leben und seine unbändige Energie sind ebenso glaubhaft wie seine Selbstzweifel. Ihm gelingt es berührend, die schwierige Balance zwischen der prallen Type und den tieferen Schichten seiner Figur zu halten (...) Die von den Akteuren live gespielte Musik von Sebastian Herzfeld vermittelt zwischen Komik und Tragik und verleiht dem augenzwinkernden Blick auf Leben und Tod greifbare Sinnlichkeit.
    Reutlinger Generalanzeiger
  • Gehören Sie auch zu denjenigen, die glauben, ein klassischer Volkstheaterstoff könne allenfalls lustig, aber selten anspruchsvoll sein? Dann sollten Sie ins Theater Lindenhof gehen und sich eines Besseren belehren lassen. Denn Christoph Biermeiers Inszenierung nach der berühmten bayrischen Theaterfassung von Kurt Wilhelm weist weit über pures Lachtheater hinaus. Sie breitet eine groteske Handlung aus, überzeugt durch charmant-direkte Anspielungen und schwäbischen Wortwitz und hält über die Spieldauer von mehr als zwei Stunden die Spannung. Die starken Regieeinfälle wie die Zeitlupenszenen im Hintergrund, die urwüchsigen Musikeinlagen oder zwischen Himmel und Erde wechselnde Bühnenbild sind einfach und doch genial gemacht.
    Reutlinger Nachrichten
  • Die "heiter bis wolkige Mundartreise" mit dem subjektiven Best-Of der Lindenhof-Crew ist ein Insel-Hopping von hinter Rottenburg bis Oberschwaben, vom Bodensee bis an den Neckar. Mit fast 55 Texten und Sequenzen in einer ganz großen Spannbreite an Literatur. Wo es um "Mostliebe" geht, kommen zwangsläufig auch "Spätzle mit Soß" auf den Tisch. "Da ist alles drin, was den Schwaben bewegt", meint Bernhard Hurm. Interpretiert man seine spitzbübischen Blicke Richtung Berthold Biesinger und sein wissendes Grinsen aus dem giftgrünen Jackett, ist lange noch nicht alles verköstigt: "Wir waren selbst überrascht, was wir gefunden haben." Sparsame fünf Sekunden Stimmprobe und Akkord im provisorischen Bühnenbild haben ordentlich Staub von der Rampe gefegt. Soviel zum regionalen Understatement: "Erst kleinreden und dann groß rauskommen."
    SÜDWEST PRESSE
  • Das Theater Lindenhof macht mit Sean O'Caseys Komödie „Das Ende vom Anfang“ virtuos auf Klamauk. Zwei sagenhafte Blödmänner versuchen sich als Küchenfee. (...) Die Slapstick-Komödie mit dem rauen Iren-Charme und den beiden erprobten Lindenhof-Komikern Stefan Hallmayer (Darry) und Gerd Plankenhorn (Barry) war der erwartete Lacherfolg und wird zweifellos ein Dauerbrenner. (...) Der dritte Hauptdarsteller ist das Bühnenbild von Katrin Busching, eine schäbige Küche im 50er-Jahre-Dekor, die unter den „Beschleunigungen“ der knuffigen Blödmänner in Schutt und fast in Asche versinkt. (...) Dahinter darf man ausgetüftelte Special-Effects vermuten. Der Zuschauer erlebt die beiden Protagonisten aber nicht nur als Dick und Doof im Haushalt, sondern auch bei der Gymnastik, weil Darry sein Kugelbäuchlein wegtrainieren will, wobei ihm der schmale Hüpfer Barry, der so wundervoll töricht durch seine dicken Brillengläser glotzen kann, vergnügt die Show stiehlt. Die beste Nummer ist jedochj ihre Probe für einen Auftritt beim Whiskey-Club mit Bassgeige und Ukulele und einem grandios veralberten schlüpfrigen Lied (Musik: Heiner Kondschak). Die zwei sind das Eintrittsgeld wahrlich wert!
    Reutlinger General-Anzeiger
  • Hallmayer stolpert als gealterter Rocker mit Schwalbenschwanzfrisur durchs Trümmerfeld. (...) Plankenhorn ist der spillerige Irrwisch, der sich „betätigen“ will. Ein Donegal-Cowboy, der kurzsichtig aus dicken Brillengläsern in die Welt blinzelt - und sie mit kindlichem Staunen aus den Angeln hebt. (...) Beide bringen vollen Körpereinsatz, kontrollieren ihren Entfaltungsraum perfekt, reizen gerade dadurch zu Lachsalven. (...) Das Duo furioso träumt sich aus dem Alltag weg, mit Hardrock-Ukulele und Slapping-Bass, hin zu Reggae und Sirtaki. Aber auch wenn die Welt in Stücke fällt, das Selbstbildnis von Darry und Barry hält. Und den Kopf stecken sie nur in den Ofen, um den Rauch abziehen zu lassen. (...), die Zuschauer sind vom Lachen erschöpft, das Spiel ist zu Ende, von Anfang an ad absurdum geführt. Ein kleines Slapstick-Meisterstück, das das Zeug hat, den „Entaklemmer“ als Lindenhof-Dauerbrenner abzulösen.
    Schwäbisches Tagblatt
  • O'Caseys Einakter ist purer Slapstick und erinnert - sicher nicht zufällig - an die höchst amüsanten Kleinholz-Orgien, die Laurel und Hardy in ihren früheren Filmen inszeniert hatten. Stefan Hallmayer und Gerd Plankenhorn laufen als tolpatschiges Duo zu schauspielerischer Höchstform auf.
    Nürtinger Zeitung
  • Mit Videobildern aufgehender Blüten eröffnet Philipp Becker seine ansonsten meist sehr zurückhaltende, den Text und die Schauspieler bewusst in den Vordergrund stellende Inszenierung. Diese Partitur der Erinnerungen wird als Choreographie von Nicht-Blicken dargestellt. Mollys erstes Sehen schließlich wird zu einem überwältigenden Angriff auf die Sinne. Aus dem Dunkel ist sie in ein alles auslöschendes Licht gefallen. Ein tragischer Moment tiefer Erkenntnis: Sehen kann auch das Gegenteil von Verstehen sein.
    NACHTKRITIK.DE
  • Schon von der schauspielerischen Leistung her ist dieses eher ernste und tiefsinnige Stück sehenswert: Die somnambule Molly, der gutmütige Traumtänzer Frank und der heimlich zur Flasche greifende Arzt Dr. Rice sowie einige brillante Regieeinfälle tragen dazu bei, dass die Meditation nicht zu tief gerät und das Stück immer wieder Schwung aufnimmt.
    HOHENZOLLERISCHE ZEITUNG
  • Das Bühnenbild von Beni Küng ist eine nicht nur im Wortsinn glänzende Idee: Molly sitzt in einem Spiegelraum. Irgendwie bricht sich da was von der Welt draußen und doch ist es ihre eigene, abgeschlossene Wirklichkeit. Ein Lese- und Hörstück mit tollem Bühnenbild und spektakulärem Höhepunkt, das ausgehend vom Blinden auch die Welt der Sehenden in Frage stellt.
    SCHWÄBISCHES TAGBLATT
  • Philipp Becker inszeniert das außergewöhnliche Stück mit leisen Tönen, aber großartiger Symbolik. Die drei Schauspieler gestalten ihre Monologe mit kraftvoller Präsenz, präziser Sprache, aber verhaltenen Gesten. Das wird dem Tiefgang des Textes gerecht und gewährt einen subtilen, feinfühligen Blick auf das eigentliche Thema des Stücks: die Kraft der Imagination und die Suche nach dem Glück.
    SCHWARZWÄLDER BOTE
  • Zwei Männer auf einem Hochsitz schwadronieren über alle möglichen und unmöglichen Themen zwischen Himmel und Hölle. Und was die zwei Schützen ohne Schonung so von sich geben, geht auf keine Rehhaut. Die beiden Männer im grünen Häs verkörpern zwei schießwütige Kanaillen mit Intelligenzquotienten zwischen Amöbe und Straßenbahngleis. Also nicht gerade eine gute Werbung für die jagende Zunft. Aber fürs Amüsement der Zuschauer ein Schuss ins Schwarze.
    Fellbacher Zeitung
  • Im Lauf der neunzig spannend gestalteten Minuten wechselt die Stimmung dieses mit sensiblen Gesangseinlagen durchsetzten Stücks immer wieder zwischen komödiantischem Schwank, albtraumhafter Gewaltfantasie und unvorhergesehenen Einfällen und Eingebungen. Biesinger und Plankenhorn sind in ihren Rollen mitreißend, rührend komisch hier, erschreckend gemeingefährlich und makaber da.
    Gäubote Herrenberg
  • Ein Spiel der Möglichkeiten, zwischen Jägerschwank und schwankendem Abgrund - 'wer ist Jäger, wer Gejagter?' (...) Halali! Sau tot, der Jäger in uns lebt.
    Schwäbisches Tagblatt
  • Es sind aber nicht zuletzt auch die beiden Darsteller, die die Zuschauer mitreißen. Mit viel Liebe zum Detail lassen sie ihre Figuren hervortreten. (...) Von rührender Komik sind ihre Gesangseinlagen.
    Reutlinger General-Anzeiger
  • Eine schwarzhumorige Plauderstunde. Dialogorientiert, knapp, ohne Firlefanz. Teils zum Schießen. (...) Humorig und makaber, very british und ziemlich schwäbisch.                                                                       
    Reutlinger Nachrichten
  • Was ihr waidmännisches Handwerk anbelangt, gelingt den beiden Hubertusjüngern nicht sonderlich viel: Sie verpassen mehrere kapitale Sauen, ballern stattdessen in die feindlich dünkende Umwelt und erlegen zuletzt eine Rotte von sechs Spaziergängern. Von diesen Blattschüssen abgesehen, liegen die beiden Stümper wie gesagt meistens saumäßig daneben. Und eben das ist hervorragend getroffen. (...) das Publikum schüttelte sich vor wonnigem Grausen und feierte nach Aktschluss Regie und Darsteller.
    Schwarzwälder Bote
  • Schließlich einer der Höhepunkte: 'Siehe meine Freundin, du bist schön...', wurde prompt zu 'Oh du mei Schätzle, du bisch schee...', das Hohe Lied der Liebe Zug um Zug auf schwäbisch - man glaubte im Sprach-Himmel zu sein. Die Berge des Libanon wurde durch die Schwäbische Alb ersetzt und Jerusalem durch den Lichtenstein. Ein Hauch von Weltklasse.
    Südkurier
  • All das ist weit mehr als Theater, auch weit mehr als Comedy. Das ist schon chaplinesk.
    Nürtinger Zeitung
  • Behutsam, mit feinem Humor, eindringlichen Bildern, einem starken Schauspieler-Trio, dabei kein bisschen rührselig, erzählt Regisseur Philipp Becker Brians Friels Fabel von der rastlosen Suche nach Glück. Mit einer ausgefeilten Lichtregie und klug eingesetzten Videosequenzen verstärkt er jede Emotion und hält mühelos die Spannung bis zum dramatischen Finale. Allen drei Darstellern gelingen intensive Psychogramme. Jeder verdrängt, träumt, hofft und bleibt mit seinem Schicksal allein.
    Recklinghäuser Zeitung
  • Der Beifall für das vergnügliche - und very britische - Stück aus der Feder des Engländers Michael Frayn hielt lange, sehr lange an. Es war Belohnung für eine gelungene Premiere, für hervorragende Unterhaltung, der es trotz allem Klamauk nicht an Tiefsinn mangelt. "D‘r nackte Wahnsinn" ist eine Abrechnung mit dem Komödiengenre, aber eben auch eine Hommage an dasselbe. Egal, ob Sie Verwirr- und Verwechslungskomödien lieben oder has-sen – in beiden Fällen ist das Lindenhof-Stück ein Muss.
    Hohenzollerische Zeitung
  • Siegfried Bührs Inszenierung findet von Anfang an für seine Schauspielschar das richtige Tempo und Timing. Es ist eine Wonne, ihr dabei zuzusehen, wie sie zwischen Tür und Angel, zwischen Patzer und Hänger leichtsinnig-präzise auf Deubel oder Witz komm raus agiert.“
    Schwäbisches Tagblatt
  • Die Backstage-Farce wird zum Feuerwerk der Gags und Verwirrungen, und weil es hinter der Bühne heißt „Noises Off“ – Ruhe Bitte! – laufen die neun Darsteller ohne Dialoge, sondern nur mit Ihrer Mimik und Gestik zur Höchstform auf. Das Publikum wird diese Komödie lieben
    Zollernalb-Bote
  • Unter der Regie von Siegfried Bühr nahm das neunköpfige Ensemble unverzagt sein eigenes Theater-Metier auseinander – mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass je länger sich die Schauspieler blamierten, man sie umso mehr ins Herz schloss. Die perfekte Choreografie des Scheitern ist ein blitzblankes Vergnügen umso mehr als das fabelhafte Lindenhof-Ensemble die Katastrophen ernsthaft, ohne die Mienen zu verziehen, vollstreckt. Und so geht eine Theater-Farce ab, die den Witz mehrschichtig in die Höhe treibt – und das Publikum in Lachkrämpfe.
    Reutlinger Generalanzeiger
  • Ein wirklich sehr lustiger, deshalb auch heftigst beklatschter , permanent sich steigernder Sketch mit superhoher Gagdichte und bombigen Einfällen. Ein bisschen wie Dick und Doof bei den Monty Pythons. Und einem überraschenden Schluss.
    Hohenzollerische Zeitung