Komödie von Anton Hamik
In einer schwäbischen Fassung von Franz Xaver Ott

Der Großvater lebt auf dem Hof seines Schwiegersohnes, der allerlei Scherereien mit ihm und der finanziellen Situation auf dem Hof hat. Jetzt kündigt auch noch die Magd, weil sie die Unverschämtheiten des Großvaters nicht mehr aushält. Soll man den Alten los werden? Derweil versucht ein wohlhabender Rosshändler seine Tochter mit dem Sohn des Hofes zu verheiraten, was zwar verwundert, aber zumindest die Schuldenlast abwenden könnte. Allerdings willigt der Sohn keineswegs ein, da er die Braut gar nicht kennt. Der Rosshändler ist auch nicht in altruistischer Absicht unterwegs, er hat gehört, dass der Großvater zwei Häuser besitzen soll, und so überredet er nun den Bauern, ihm den Großvater für geringes Geld zu überlassen. Er hofft, nach dem Ableben des Großvaters, Erbe des Nachlasses werden zu können. Diese Rechnung hat er aber ohne den gewitzten alten Herrn gemacht.

Die Volkskomödie ist ein Feuerwerk von knitzen Pointen und witzigen Wendungen. Das Zentrum des Spiels ist der wendige und blitzgescheite Großvater. Er ist so gut wie jeder Situation gewachsen,  nie um eine Antwort verlegen, hat immer einen frechen Spruch auf Lager und zu aller Überraschung, hält er die Fäden in der Hand und hat stets einen Trumpf mehr im Ärmel.

Mit: Bethold Biesinger, Stefan Hallmayer, Hannah Im Hof, Rino Hosennen, Anne-Julia Koller, Franz Xaver Ott, Carola Schwelien, Luca Zahn,

Regie: Siegfried Bühr
Bühnen- und Kostümbild: Siegfried Bühr
Regieassistenz: Beate Duvenhorst
Regiehospitanz: Lena Fanartzis
Kostümassistenz: Elina Tarasova

Premiere: 5. Januar 2024

Pressestimmen

  • Was immer der österreichischen Vorlage ihren dauerhaften Erfolg auf deutsch-sprachigen Bühnen beschert haben mag, ob es ein gewisser Witz war oder der komödiantische Reiz der Verwechslung: Haus-Autor Franz Xaver Ott – der in der Rolle des hinterhältig-habgierigen Bauern und Rosshändlers (bei Hamik gefährlich nah am judenfeindlichen Klischee) Haslinger auch selber mitspielt – hat mit seiner Fassung ein Meisterstück abgeliefert, das nicht nur in seinen Pointen und seinem intelligent-geistreichen Wortwitz glänzt und funkelt, sondern auch die unglaublichen Tiefen und Valeurs des Dialekts auslotet – worin Ott der Messlatte eines Thaddäus Troll in nichts nachsteht. So etwas Authentisches, ob Autor oder Sprecher, kriegt nur ein eingeborener Schwabe hin. [...] Die Pointen und ihr Timing sitzen immer besser, das Publikum lacht sich von Szene zu Szene warm, nicht nur bei den unerschöpflichen Boshaftigkeiten und der hintergründigen Klugheit und Weisheit des Dialekts, in denen der Autor aus dem Vollen schöpft. Nicht auf Slapstick setzt diese Comedy, sondern auf den Schalk und Witz der Sprache, des Schwäbischen. Das Absurde und schlecht Konstruierte der Hamik-Handlung tritt immer mehr in den Hintergrund, bis es ganz vergessen scheint und gar nicht mehr stört. Das Publikum auf der fast ausverkauften Scheunen-Tribüne feierte den Schwank dann auch ausdauernd als hinreißende Dialekt-Comedy von feinster Ausgestaltung. (Martin Bernklau)   https://cul-tu-re.de/lindenhof-zu-den-wurzeln/  
    Cul Tu Re, 6.1.2024
  • Tatsächlich ist es ja eher eine zeitlose Typenkomödie. Der sonderbar gewordene Alte, zwei die einander nicht wollen, aber heiraten sollen, Menschen die einander gut kennen, aber so tun müssen, als kennten sie sich nicht, einer der den anderen hereinlegen wird, der Niedere, der eine Zeitlang den Reichen spielen darf - und vielleicht ist er am Ende sogar der Reiche: Lauter Versatzstücke, die man aus zig anderen Stücken kennt. Franz Ott hat es mit seiner Fassung deftig Schwäbisch akzentuiert. Für den Dialektforscher eine Goldgrube. Und alle, auch die Nicht-Schwaben im Ensemble, haben es sich draufgeschafft. Als Zuschauer goutiert man diesen rauen, gewalttätigen Umgangston schwäbischer Redewendungen fast wie Comedy, schaut sich das verschlagene Landleben mit dem gleichen exotisch-nostalgischen Gestus an, mit dem man um die Weihnachtszeit „Die Feuerzangenbowle“ guckt. (…) Natürlich ist es auch diesmal ein Fest, mit Applausgetrampel eines Publikums, das im Durchschnitt im Großvateralter ist. Die Tür auf der Bühne zitiert den „Entaklemmer“. Der Großvater soll der Nachfolgeabräumer werden. Doch, das könnte klappen. (Peter Ertle)
    Schwäbisches Tagblatt, 08.01.2024
  • Sollten Sie sich fragen, wann der Lindenhof denn mal wieder eine richtig deftige Volkskomödie rausbringt, dann lautet die Antwort: Jetzt! In „Der verkaufte Großvater“ des Österreichischen Anton Hamik fliegt nur so der Wortwitz, und die Handlung nimmt immer kuriosere Wendungen, weil hier jeder sein eigenes Süppchen kocht. Drei Lindenhof-Altstars in den Rollen der Hauptstreithähne garantieren, dass der österreichische Bauernschwank auch auf Schwäbisch richtig fetzt: Franz Xaver Ott als verschlagener Haslinger-Bauer, Stefan Hallmayer als gutmeinender Kreithofer-Bauer und Berthold Biesinger als nur scheinbar vertrottelter Großvater sind wunderbar dabei anzuschauen, wie jeder den anderen über den Tisch ziehen will. Würze bekommt ihr Platzhirsch-Gerangel jedoch erst durch die herrlich farbigen Nebenfiguren. Sei es Anne-Julia Koller als scharfzüngige Magd Zenz, sei es Carola Schwelien als hochnäsige Haslinger-Gattin, seien es Luca Zahn als heißblütiger Kreithofer-Filius, Rino Hosennen als aufsässiger Knecht oder Hannah Im Hof als selbstbewusste Tochter der Haslingers – sie verkörpern das alles mit Herzblut und auf den Punkt. […] Nicht jeder Volte ist realistisch, und der ganz tiefsinnige Witz ist auch nicht Geschäftsgrundlage. Aber das macht nichts, denn was zieht, ist das unerhörte Timing, das Hamiks Bauernschwank an den Tag legt. Famos, wie das Geschehen volles Karacho auf die Pointen zusteuert. Wie genau im richtigen Moment diese oder jene Bombe platzt. Und plötzlich alles in einem anderen Licht erscheint. Es ist das Verdienst von Franz Xaver Otts Fassung, dass das auch auf Schwäbisch funktioniert. Und ein Verdienst der Schauspieler, dass das Tempo hoch bleibt, der Wortwitz Funken schlägt, die Pointen zünden. (Armin Knauer)
    Reutlinger Generalanzeiger, 08.01.2024