Nach dem Film von Mark Herman / Bühnenfassung Paul Allen

Anfang der 1990er Jahre wird die junge Gloria in ihre Heimatstadt nach Nordengland geschickt um die Wirtschaftlichkeit einer Kohlenzeche zu untersuchen. Sie beginnt in der Blaskapelle der Bergleute mitzuspielen. Doch wegen der sich abzeichnenden Arbeitslosigkeit ist dort die Stimmung schlecht. Nur Dirigent Danny zeigt sich kämpferisch. Er will den Traum, mit seinen Musikern ins Halbfinale des landesweiten Orchester-Wettbewerbs zu kommen, nicht aufgeben.

Die Frauen der Bergarbeiter schließen sich zum Protest zusammen. Doch in den Familien bestimmen immer mehr Existenzsorgen den Alltag. Die Kapelle verliert an Bedeutung und – Bergmannsehre hin oder her – die angebotene dicke Abfindung klingt für manchen Kumpel verlockend. Freundschaften, gefestigt durch hunderte gemeinsamer Grubengänge, geraten ins Wanken, Zukunftsängste, Familienstreitigkeiten und Liebesverwirrungen vermengen sich zu einer explosiven Mischung. Am Ende kommt es – mit Pauken und Trompeten – zum großen Finale in der Londoner Royal Albert Hall.

Die ursprünglich englische Tragikomödie nach dem Film von Mark Herman aus dem Jahr 1996 in der Theaterfassung von Paul Allen thematisiert Stellenabbau und Strukturkrise im Bergbau mit einem feinen Gespür für Situationskomik und Humor. Vor allem aber macht die Blaskapelle das Stück zu einem Theatererlebnis voller musikalischer Energie!

Realisiert wird „Brassed Off” in Zusammenarbeit mit den Melchinger Lauchertmusikanten.

Infos


Dauer: 2,5 Stunden inkl. einer Pause
Es spielen: Mona Maria Weiblen, Rahul Chakraborty, Carola Schwelien, Gerd Plankenhorn, Peter Höfermayer, Bernhard Hurm, Franz Xaver Ott, Kathrin Kestler, Linda Schlepps und die Lauchertmusikanten Melchingen
Regie: Christoph Biermeier
Bühne & Kostüme: Claudia Rüll Calame-Rosset
Kostüm-Assistenz: Mechthild Aisenpreis
Musikalische Leitung: Thomas Unruh
Musikalische Einstudierung: Tobias Scheibeck
Regieassistenz: Marie Österle
Dramaturgie: Georg Kistner
Premiere: 17.05.2018, Pausa Mössingen


Pressestimmen

  • "Unter der Regie von Christoph Biermeier ist über zwei Stunden ein stark emotionales, stimmungsgeladenes Stück entstanden, das seine Darsteller bis an die Grenze des Existenzverlustes treibt. Das von der Aussichtslosigkeit des Einzelnen erzählt, wenn er aus dem System kippt, nicht mehr gebraucht wird - nicht mal als Clown.  Was einzig bleibt, ist der Zusammenhalt , mit dem sie oben auf de Drehbühne musikalisch brillieren". Babette Caesar, 11.11.2018
    Schwäbische Zeitung
  • Wenn hier die Bergarbeiterkapelle auftritt, die Notenblätter nur mit Grubenlampen beleuchtet, ist man als Zuschauer schon  ganz tief drin im Milieu der nordenglischen Kumpels. Die Konzert-im-Theater-Situation macht das Publikum im Regiekonzept von Christoph Biermeier implizit zu Mitspielern. Denn das Publikum, das ist hier die Gesellschaft, bei der die Bergarbeiter mit ihrer Not Gehör suchen. Der Reiz des Stoffs liegt im ständigen Kippen zwischen burleskem Schwank und menschlicher Tragödie. Das ist es, was die Lindenhöfler am besten können. Der Halbrunde, drehbare Bühnenaufbau ist dabei Konzertpodium wie Probenraum, ist Komödienkarussell wie Schicksalsrad. Mona Maria Weiblen bringt als junge Gloria viel Frische in die Aufführung. Weiblen verkörpert das mädchenhafte kess und bläst auch noch ein berückend schönes Solo auf dem Saxofon. Bernhard Hurm ist als alter Bergmannskumpel Danny ein Kapellmeister wie aus dem Bilderbuch: mal skurril und wunderlich, dann wieder tragische Gestalt. Die eigentliche Tragödie vollzieht sich jedoch an  Gerd Plankenhorn als seinem Sohn Phil: vom Vater auf die Musik eingeschworen, von der Frau bedrängt, zerreißt es ihn förmlich. Ihm gelingt eine  ergreifende Balance zwischen Komik und Abgründigkeit. Und das ist die  Botschaft der Geschichte: Im Angesicht der kapitalistischen Zumutungen sitzen alle in einem Boot – oder in einer Kapelle. Dass es in diesem Fall eine durchaus reale Kapelle ist, hat dabei seinen ganz eigenen Charme. (Armin Knauer)    
    Reutlinger Generalanzeiger, 19.05.2018
  • Christoph Biermeiers Regie ist wohltuend realistisch. Zum Beispiel im Blick auf das durchschnittliche Eheleben, in dem Mann und Frau sich nicht (mehr?) viel zu sagen haben. Oder im Blick auf die politische Haltung, wo doch die meisten heimlich lieber die angebotenen 20 000 als Abfindung nehmen würden als gegen die Schließung der Grube zu kämpfen. Aber realistisch heißt eben auch: Mit feinem Blick für die bei allen Problemen, aller Verkorkstheit doch vorhandene Liebe zwischen den Geschlechtern, mit Blick für die Verbundenheit der Leute mit ihrer Arbeit, ihrem Milieu. Die Kapelle macht richtig Spaß, bis zum großen Finale, dem erhebenden „You’ll never walk alone“. Beste Interpretation, kommt gleich hinter dem vieltausendkehligen Gesang an der Anfield Road! (Peter Ertle)  
    Schwäbisches Tagblatt, 19.05.2018
  • Die Melchinger Lauchertmusikanten verleihen der  auf authentische Gefühle bedachten Inszenierung von Christoph Biermeier ordentlich Pfiff. Und so ist es ein toller Effekt, wenn die Brass-Band unter Nebel, mit Grubenlampen, verkohlten Gesichtern und Bergarbeiterkluft durch die Nacht streift. Oder um die Drehbühne in (stollen-) Gerüstoptik marschiert. Das hat man auch nicht alle Tage und passt außerdem hervorragend in den industriehistorischen Rahmen der Mössinger Pausa-Bogenhalle. Bernhard Hurm  als eiserner Kapellmeister mit Staublunge versammelt mit seinen Angstaugen die ganze Tragik der Region in seinem Blick. Das Stück ist ganz auf Betroffenheit ausgelegt.  Musik ist da keine Lösung, das weiß auch der sterbende Dirigent. Aber schön ist sie doch, und nicht nur dafür gab es bei der Premiere sehr viel Applaus. (Kathrin Kipp)
    Hohenzollerische Zeitung, 19.05.2018