Monolog einer Klimaaktivistin

von Karina Wasitschek.

Seit Anfang der 70er Jahre weiß die Menschheit von der sich anbahnenden Klimakrise, die sich inzwischen auch in Form von Unwettern in unserer sogenannten gemäßigten Zone niederschlägt. Wir sind in einer Klimaeskalation angelangt. Jedes Kilogramm CO2, das weiterhin in die Atmosphäre geblasen wird, hat exponentielle Konsequenzen. Wir können den Klimawandel schon lange nicht mehr aufhalten, nur noch abmildern. Wir befinden uns in einem Jahrzehnt, das als das letzte gilt, in dem noch substanziell etwas bewirkt werden kann. Und trotzdem machen wir auf vielen Ebenen so weiter wie bisher. Ein Umdenken fällt uns schwer, unsere Lebensgewohnheiten zu ändern und unsere Privilegien aufzugeben, scheint uns undenkbar. Es macht den fatalen Eindruck, als seien wir trotz allen Wissens unfähig zu handeln.

Eine junge Klimaaktivistin will und kann das nicht dulden. Sie führt uns unsere Blindheit vor Augen, zeigt uns auf, was konsequentes Handeln ist. Sie stellt sich stellvertretend für ihre Generation in den Weg, sie nimmt uns mit in ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Zweifel, ihre Hoffnungen. Ihre Aktivitäten werden präsent und ihr Kampf kann uns den Blick weiten und die Augen öffnen.

Besonders geeignet auch für Schulklassen oder Klassenzimmer-Aufführungen.

Es spielt: Hannah Im Hof

Regie: Carola Schwelien
Dramaturgie: Franz Xaver Ott
Bühne & Kostüme: Ilona Lenk
Regiehospitanz: Lilia Unger
Premiere: 30. März 2023

Pressestimmen

  • Dort, wo Großkonzernen das Hinwegsetzen über das Gesetz nachgewiesen wird und im Umkehrschluss die Diskussion um legal, illegal der Klimaschutzaktionen sehr absurd erscheint. Überall da erhellt dieses Stück, überzeugt, reißt mit in seiner Kombination aus richtigen Argumenten, gelungener Theaterdidaktik und jugendlichem Schwung, ja Zorn. Ob man von diesem Monolog auch verlangen sollte, die eigene Sicht etwas weniger selbstgewiss und anklagend zu präsentieren? Nein, dieses Stück ist: Die Rede einer Klimaaktivistin. Sie heißt Karina Wasitschek, studiert EKW und stellt die Welt aus ihrer Sicht dar. Der Text ist klug, jugendlich emphatisch, kämpferisch. Und einseitig. Der Lindenhof wollte einer Aktivistin das Wort geben: Hier ist es. Wer soll’s spielen, wen nicht eine Junge? Hannah Im Hof sprudelt, agitiert, klärt auf, verhaspelt sich, wird rot, wird bleich, liest die Namen der in den letzten Jahrzehnten für den Kohleabbau verschwundenen Orte vor, bläst Luftballons zu Weltkugeln, lässt symbolisch, Bella Ciao, die Luft wieder raus, entrollt Demo-Plakate, skandiert Parolen, erstellt eine Pinnwand mit Slogans und Fotos, unterlegt ihre Reden mit ansatzweise Musik oder bedrohlichen, schwer aushaltbaren Eintonfrequenzen. Regisseurin Carola Schwelien hat den Text maßvoll aufbereitet, ohne ihm das Nackte, Schlichte, das er braucht, zu nehmen. So geht es. Gut.  (Peter Ertle)
    Schwäbisches Tagblatt, 01.04.2023
  • Im Monolog de Klimaaktivistin am Theater Lindenhof verbinden sich Aktivismus, Kapitalismuskritik und Psychodrama. Dass die Bühnenfigur einen mit in ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Zweifel, ihre Hoffnungen nimmt. Hannah Im Hof spielt das sehr eindringlich. […] Im Kopf der Klimaaktivistin, das macht Carola Schweliens sensibel-dichte Inszenierung deutlich, dreht sich nicht nur die Gedankenspirale in Sachen Weltrettung. Auch die Angst vor Erniedrigung und Haft, Schlagen und Brüllen (bei Demos) spielen dort eine Rolle. Und ein trotziges Aber-es muss-sein. (Christoph Ströhle)
    Reutlinger Generalanzeiger, 01.04.2023