• Hitlers Tagebuchschreiber
    Fotograf: Richard Becker

Hitlers Tagebuchschreiber

Von Franz Xaver Ott

Konrad Kujau – Fälscher, Kunstmaler, Galerist, Musiker, Schauspieler, Fallensteller, Original.
Ein Sachse der nicht nur halb Schwaben übers Ohr gehauen hat, sondern als Hitlertagebuchschreiber und Mitauslöser des größten deutschen Presseskandals bekannt wurde.

Ein richtiger falscher Fuffziger. Sogar seine Geburts- und Herkunftsdaten hatte er gefälscht, er trickste mit fingiertem Berufsabschluss und Hochschulstudium, ersann sich ein Fluchtschicksal und wechselte immer mal wieder seine Identität. Seine Fälschungen alter Schriften und auch der Hitlertagbücher wurden von Experten mit Echtheitszertifikat versehen.
9,3 Millionen Mark ließ sich der STERN die von Kujau gefälschten 60 Bände der Hitlertagebücher kosten. Kujau kam mit schreiben kaum nach, mit selbst fabrizierter Tinte verfasste er auf DDR-Papier Band um Band. ’Ich fühlte mich wie Hitler, ich war Hitler’.

Die Sache flog allerdings auf und er landete vor Gericht. – Und genau dort werden wir erleben, wie er seine Haken schlägt und uns glaubhaft einen Bären nach dem andern aufbindet. Der Angeklagte schlüpft in die Rolle seines Lebens, erzählt dem Richter ’Grimms Märchen’ und macht den Gerichtsaal zum ’Komödienstadl’.

Infos


85 Minuten ohne Pause
Es spielen: Carlo Benz, Gerd Plankenhorn, Bernhard Hurm, Kathrin Kestler, Linda Schlepps
Regie/Bühne/Kostüm: Marc von Henning
Uraufführung: 10.06.2016, Bietigheim – Bissingen
Premiere: 26.Oktober 2016, Melchingen

Pressestimmen

  • Die Erwartungen waren hoch, sie hätten noch dreimal höher sein dürfen, sie wären nicht enttäuscht worden. Was in "Hitlers Tagebuchschreiber. Konrad Kujau - ein echter Fälscher" an sauber recherchierten Hintergrundinformationen ausgebreitet wird, das ist unglaublich, man kann nur den Kopf schütteln, man muss schmunzeln, muss lachen. Und staunt immer wieder, wie frech und fröhlich Kujau seine Partner hinters Licht führte, das Gericht, das über seinen Fall verhandelte, zum Narren machte und dem Gelächter preisgab. Der Prozess muss wirklich einem Komödienstadl geglichen haben. [...]  Was ist Wahrheit, was ist Fälschung, man entwickelt Zweifel, eine schon echt philosophische Dimension, die das Schelmenstück aufweist. Wobei es jederzeit im Heiteren verbleibt. Unbedingt anschauen diesen Knaller!
    HOHENZOLLERISCHE ZEITUNG, 28.10.2016
  • Konrad Kujau ist im Lindenhof-Stück ein undurchsichtiger, windiger, dreister und bauernschlauer Betrüger und Hochstapler mit Unterhaltungswert, der mit seinem Coup die Sensationsgier, die Verführbarkeit und die nach wie vor ungebrochene Hitler-Grusel-Faszination der Gesellschaft vorführt. [...] Und so geht es um das alte Spiel um Wahrheit und Fake, falsche Echtheit und echte Fälschung, nicht nur im Kunsthandel. Und um unsere ewige Sehnsucht nach Authentizität, die es nicht gibt und nach einfachen Antworten und schlichten Wahrheiten.[...] Und so windet sich Hurms lausbübischer Schlawiner dem Sammler gegenüber mit genauso viel selbstherrlichem Geplapper aus dem Schwitzkasten wie vor Gericht: mit Gerd Plankenhorn als Richter, eine Mischung aus Alter (Grund-) Schule und Amtsgerichtkomödienstadl.  
    REUTLINGER NACHRICHTEN, 28.10.2016
  • Otts Version von "Hitlers Tagebuchschreiber", der einfach mal die Grenzen menschlicher Dämlichkeit auslotet, gerät über weite Strecken lustig und erheiternd - eine Comédie humaine des Schwindelns und des dankbar Beschwindeltwerdens. [...] Bernhard Hurm spielt den bauernschlau armen Konrad einfach großartig: die dickfellige Unschuld vom "schönen Land in dieser Zeit", das ihm eine solch schöne Trickserkarriere auch erst ermöglicht hat. Hurm spielt diesen Instinkt-Kleinganoven mit der genialen Betrügerbegabung ganz aus dem vorgeschobenen Bauch heraus, dabei um keinen Sinnspruch verlegen.  
    SCHWÄBISCHES TAGBLATT, 28.10.2016