In der Nacht ist im Zimmer der jungen Eve ein Krug zerbrochen. Ihre Mutter zieht deshalb vor das Gericht des kleinen Dorfes. Was ist passiert und worum geht es wirklich? Hat sich Ruprecht, der Freund von Eve, nachts in deren Kammer geschlichen? Und warum verhält sich Dorfrichter Adam so seltsam? Ist er selbst in das Geschehen verwickelt?
In „Eve und Der zerbrochne Krug“ überlassen wir Eve das Feld und folgen ihrer Perspektive auf die Tat und auf die Gerichtsverhandlung selbst. Dabei werden nach und nach die Machtstrukturen aufgedeckt, die dazu führen, dass von den Beteiligten und Befragten absurde Fehlschlüsse gezogen und das Offensichtliche nicht erkannt wird. Eve muss ihren Kampf alleine führen.
Zwei Spielerinnen und ein Spieler entblättern Heinrich von Kleists Drama und eröffnen eine neue Perspektive auf den Klassiker, der mit seinem Sprachwitz und scharfer politisch-satirischer Beobachtungsgabe bis heute begeistert.
Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist ist ab dem Prüfungsjahr 2026 Abiturlektüre.
Mit: Hannah Im Hof, Elias Popp, Linda Schlepps
Regie: Carola Schwelien
Regieassistenz: Beate Duvenhorst
Bühne & Kostüme: Michael S. Kraus
Kostüm- und Bühnenassistenz: Marcia Geisler
Musik: Thomas Unruh
Fotos: Kalle Kalmbach
Dauer: 90. Min. ohne Pause
Premiere: 07. Feb. 2026
Hinweis für das Publikum: Bei der Vorstellung kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz.
Schulvorstellungen:
Do 05.03. 10:00 Uhr
Podcast zum Stück
Im Podcast LindenhofLive sprechen wir mit der Regisseurin Carola Schwelien, der Schauspielerin Hannah Im Hof und dem Musiker Thomas Unruh über die Inszenierung. Wie geht das Team mit dem klassischen Kleisttext um, wie lässt sich das Stück mit nur drei Schauspieler*innen umsetzen und auf welche Musik dürfen wir uns freuen? Soviel sei verraten: In ihrer Inszenierung steht Eve und die Lust am Spielen im Mittelpunkt und es wird viel gerappt und gegroovt!
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Pressestimmen
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„Carola Schwelien als Regisseurin Luca Zahn, der die Fassung geschrieben hat, hat nicht nur die Variant-Version des 12. Aufzuges, also die Erstfassung der Schlusszene dem Stück vorangestellt, deckt damit die Lösung des Falles gleich zu Beginn des Spiels auf, rückt die Perspektive der Eve, des Opfers in den Vordergrund. In Melchingen stehen nur drei Personen auf der Bühne, springt die Rolle des Richters von der einen zur anderen, rotiert auch die Rolle des Gerichtsrats Walter. Alle Perspektiven scheinen letztlich gebrochen, ein regelrecht kubistischer „Krug“ entsteht, mit umwerfend komischem und erschreckendem Effekt. Michael S. Kraus hat für sie alle einfallsreiche Kostüme zwischen gestern und heute geschaffen, und Thomas Unruh mischt die Szene immer wieder mit modernen Stilcollagen auf, lässt die Spieler Kleists Zeilen singen, rappen, lässt sie zum Techno zucken. Leise zerbricht er nicht, der Krug in Melchingen. (Thomas Morawitzky)
Reutlinger Generalanzeiger, 09.02.2026
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„Jung, schnell, dicht, komplex, heutig, spaßig und anspruchsvoll: Attribute, die einem einfallen, wenn man diese Inszenierung beschreiben möchte. Sie holen wirklich viel raus aus dem Stück, das sie nicht nur durch die fliegenden Rollenwechsel und dezidiert antikostümstückhaften Signalversatzstücke (wer die Haube auf hat und die rasch ins Gesicht geklatsche Bepper-Wunde, ist Adam) weit weg von jeder konventionell naturalistischen Dorfkomödie rücken, sondern auch durch das fragmentiert-abstrakte Bühnenbild (Michael S. Kraus), eine zauberhafte Schrankwand und ein Treppenpodestcarré Marke Gerüstbau. Dieses Stück schlägt eine Schneise aus Kleists Zeit ins jugendliche Hier und Heute. Im Schlussbild begegnen sich die Zeiten dann sichtbar. Vermutlich werden sich die Schüler und Schülerinnen sich das bei der Lektüre nicht so vorgestellt haben, wie sie es hier sehen: Oha, Kleist lebt!“. (Peter Ertle)
Schwäbisches Tagblatt, 10.02.2026
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Ein ehrgeiziges Unterfangen von Luca Zahn, dem Autor (und Ensemblemitglied): Diesen so spannenden wie bis zum Wortspiel witzigen, aber eben auch thematisch hochaktuellen Stoff bei acht präzise konturierten Hauptrollen einzudampfen auf drei Mimen in praktikablem Wechsel; diese Figuren nebenbei nicht gar zu gestrig erscheinen zu lassen und doch möglichst viel von Kleists wunderbarer Sprache in Blankversen (sechshebigen Jamben) zu erhalten; dazu in der Chronologie, der Szenenabfolge so akrobatisch zu jonglieren, dass doch alles passt. (...) Die Aufgabe von Regisseurin Carola Schwelien und Ausstatter Michael S. Kraus war es, daraus ein echtes, szenisch überzeugendes Theater zu machen, mit dem man dann bei geringstmöglichem Aufwand auf Tournee gehen kann: aus der Not eine Tugend. Aus dem Sparzwang bei Personal und Aufwand etwas Pfiffiges, tolles Theater.Das geht aber letztlich nur mit wirklich versiertem, textlich variablem und sicheren und ungemein flink virtuos die Rollen wechselnden Personal, das auch noch gesanglich mit der Musik von Thomas Unruh umgehen kann, vom Rap bis zu Lied oder Song und zum (inzwischen etwas abgenudelten) chorischen Sprechen. (...) Elias Popp, Linda Schlepps und Hanna im Hof machen das herrlich. Sie wechseln nicht nur blitzartig die Klamotten und geschlechterübergreifend die Figuren. Sie verleihen ihnen ausnahmslos je eigenen Charakter, na, zumindest Kontur. Sie halten dabei auch ein hohes Tempo und glänzen mit situativer und verbaler Komik, die weder Wortwitz noch Slapstick scheut. Alle drei haben ihre Monologe als Glanzlichter (wobei sich schon feine Unterschiede in der Erfahrung, Sprachschulung und Generation bemerken lassen). (Martin Bernklau, Die Kritik ist online abrufbar unter: https://cul-tu-re.de/lindenhof-not-und-tugend/)
Cul-Tu-Re.de, 08.02.2026





