• Fotograf: Richard Becker
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  • Ein Monolog mit Musik drin von Dietlinde Ellsässer.
Ein Monolog mit Musik drin

Von Dietlinde Ellsässer

Die Krisen dieser Welt machen auch vor der Haustür der Bauern im Ländle keinen Halt. Drum macht sich Karl Hofreiter auf seinen eigenen Weg. Er verkauft seinen letzten Acker und geht mit seinem „Leiterwägele“ los. Im Wirtshaus „döbert“ er über die bodenlose Bürokratie, die Kirchturmpolitiker, die ihn allein zurücklassen mit seinem „Sach“. Und darüber, dass heutzutage niemand mehr weiß, „woher des kommt, was man isst“. Er war ein Feierabendbauer mit Kühen, Sauen und anderem „Ziefer“. Seine Tiere haben es bei ihm „schön“ gehabt. Er hält nichts von der Holsteinkuh, der Turbokuh, die 10.000 Liter Jahresleistung produziert und zur Miss Germany gekürt wurde.

Er wird zum Binnenflüchtling im eigenen Land, zum Nomaden, der seine Heimat liebt. In der Wirtschaft trifft er auf Wladimir, einen musikalischen Vagabunden, der auch heimatlos ist und einen Platz zum Bleiben sucht. Doch „Wo isch Heimat? Wo’s Herz dahoim isch? Wo dr Acker dampft noch’m pflüga? Wo’s mir wohl isch? Wo ma mich kennt? Wo ma des braucha kann, was i kann?“ Mit wunderfitzigem Humor und Bauernschläue durchblättert er sein Leben. Und er hat noch Träume, die über den Tellerrand hinauszielen. „Vornedraus ist noch nix verloren, da kannst du ein neues Werk schaffen, vor einem großen Himmel, der wo über dir ist, und doch der gleiche Himmel, wie der wo hinter dir einmal war.“

Gefördert im Rahmen des Literatursommers 2016 – Eine Veranstaltungsreihe der Baden-Württemberg Stiftung.

Infos


75 Minuten ohne Pause
Es spielen: Berthold Biesinger
  Viktor Oswald
Regie: Dietlinde Ellsässer
Regieassistenz: Madeleine Wagner
   Bühnenanweisung
  Premiere: 27.04.2016

Pressestimmen

  • "Der Feierabendbauer" ist eine wild-assoziative Meinungskundgebung zu den Themen Ökologie, Ökonomie, Landwirtschaft, Realpolitik, Raubtier-Kapitalismus, Liebe und Heimat, geschrieben von Dietlinde Ellsässer. (...) Und er ist dem Lindenhof-Schauspieler Berthold Biesinger auf den Leib geschrieben: Als schwäbischer Bruddler mit Herz steht er auf der Bühne und ist beileibe nicht von gestern. Eher von morgen, denn in ungefähr entspricht seine politische und ethische Haltung der zukünftigen grün-schwarzen Folklore: zutiefst konservativ und heimatverbunden und trotzdem öko - Schöpfung bewahren, nachhaltig wirtschaften und konsumieren. (...) Wladimir (Victor Oswald) spielt auf seiner Quetsche Volksweisen, das Publikum singt und klatscht mit. Derweil doziert Karle über seine Äcker, über den guten Boden und sein Obschtwiesle mit "Goldparmener, Brettacher,Glockenäpfel". Dem Publikum geht 's Herz auf.

    Kathrin Kipp,  29.04.2016

    Hohenzollerische Zeitung
  • Der Karle ist ein durch und durch guter, armer Bauer, richtige Gesinnung, ethisch einwandfrei und schwätze kann er au, mit so vielen schwäbischen Ausdrücken, der Verein für schwäbischen Dialekt ist sicher hoch erfreut.(...). Dietlinde Ellsässer kann immerhin niemand vorwerfen, dass sie vom Landleben, von Bauern, nichts versteht. Ihre anrührende Philippika setzt die alten Zeiten doch in Goldrand. Dass der Bauer von heute selbst eine ziemlich arme Sau ist, ist allerdings nicht von der Hand zu weisen.  Auch Berthold Biesinger, weiß wovon er spricht, verleiht diesem Bauernsterbenmonolog große Glaubwürdigkeit. (...) Witze und Pointen, na klar, gibt es, muss man das sagen bei Dietlinde Ellsässer? Aber Hofreiter wohnt natürlich nicht im Dohlengässle. Zu viel Witz würde sein Schicksal, sein Anliegen unterm Kalauerberg begraben. (...) Also gelungen, diese etwas unheimliche Begegnung des Hier und Heute mit der frühen Lindenhofästhetik.

    Peter Ertle, 29.04.216

    Schwäbisches Tagblatt
  • So unterhaltsam, wie "Der Feierabendbauer"  geraten ist, hat man nie das Gefühl, dass einem ein erhobener Zeigefinger vorgehalten wird. Aufgelockert wird das an sich sehr ernste Thema durch Biesingers lebendiges Spiel und durch die Musikeinlagen. Victor Oswald spielt das Akkordeon mit einer Leichtigkeit und Freude. Wenn die beiden gemeinsam singen und musizieren, ist der ganze Saal voll dabei.

    Nadine Nowara, 29.04.216

    Reutlinger Generalanzeiger
  • Dietlinde Ellsässers Stück "Der Feierabendbauer" mit Berthold Biesinger in der Hauptrolle ist eine harsche Abrechnung mit Bürokratismus, Verbrauchergeiz und dem Wegbrechen der ländlichen Kultur. Die Uraufführung stieß im Saal des Lindenhoftheaters auf große Resonanz. (...). Berthold Biesinger spielt den resignierten Aussteiger mal mit hochrotem Kopf und zornig gereckter Faust, mal mit himmelwärts gerichtetem Blick als wehmütig Trauernder und nachdenklicher Sucher. Seine Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke sorgen dafür, dass die 70 Minuten Bauernmonolog mit Musik im Fluge vergehen.

    Erika Rapthel-Kieser,  29.04.216

    Schwarzwälder Bote