Schauspiel von Emmanuelle Marie

in der deutschen Übersetzung von Claudia Kalscheuer

MERLIN VERLAG, Gifkendorf

Zwei Schwestern: Beide haben ihre ganz eigenen Lebenswelten. Doch als die Mutter im Sterben liegt, kommen Sie zusammen. Sie sitzen in der Küche der jüngeren Tochter, die die kranke Mutter schon vor einiger Zeit zu sich in die Familie geholt hat, um sie zu pflegen.

Was kann man tun, was soll man tun, wenn man nichts tun kann, außer da zu sein? Die Zeit scheint still zu stehen. Es herrscht eine Atmosphäre wie in einer kalten weißen Winterlandschaft. Die Familiengeschichte  und die Welten der Schwestern geraten in ein vibrierendes Zittern. Sinnfragen nach Erfüllung, Glück, Veränderung und Aufbruch, nach Liebe und Versöhnung stellen sich im Lichte der Situation neu. Sprachlosigkeit wird überwunden und Verständigung möglich. Die Kraft, sich der eigenen Lebenswirklichkeit zu stellen, lässt Hoffnung keimen.

Die Regisseurin Eva Hosemann inszeniert seit 1991 an verschiedenen Bühnen. Zu ihren Arbeiten gehören Stücke von Friedrich Schiller, Jean Genet, R. W. Fassbinder, Dea Loher, Sibylle Berg, Lutz Hübner, Eugen Ruge und Jenny Erpenbeck. Sie war als Schauspieldozentin in Köln und Stuttgart tätig und arbeitet seit 1990 als Hörspiel-Sprecherin und Moderatorin für diverse Rundfunkanstalten. Seit 2014 ist Eva Hosemann im künstlerischen Leitungsteam der Burgfestspiele Jagsthausen. Ab 2017 leitet sie die „Kriminächte Stuttgart“.

Infos


80 Minuten ohne Pause
Es spielen: Kathrin Kestler, Linda Schlepps
Regie: Eva Hosemann
Bühne & Kostüm: Stephan Bruckmeier
Regieassistenz: Mia Biermann
Premiere: 22.12.2016, Melchingen

Pressestimmen

  • Regisseurin Eva Hosemann hat sich mutig und mit viel Geschick an ein Thema gewagt, das in unserer westlichen Kultur immer noch ein Tabu ist. Zwei ungleiche Schwestern, eindringlich gespielt von Kathrin Kestler und Linda Schlepps haben sich am Sterbebett ihrer Mutter zusammen gefunden. Das großartige, ebenso simple wie höchst symbolische Bühnenbild von Stephan Bruckmeier wird zum Sinnbild der schwierigen Beziehungsbalance zwischen den beiden und des ebenso komplexen wie anfälligen Gefüges innerhalb der Familie. (…) Da philosophiert Emmanuelle Marie in den Dialogen zweier starker Frauencharaktere über verpasste Chancen, über die Leben, die man nicht gelebt hat, und macht dann doch Mut zu Veränderungen und dazu, neue Wege zu beschreiten, andere Lebensentwürfe zu riskieren. Der Autorin, die 2007 im Alter von 42 Jahren gestorben ist, gelang ein eindringliches, konfrontatives Bühnenwerk, dass die Zuschauer ob seiner starken Bilder und tiefen Emotionalität in den Dialogen in seinen Bann zieht.
    Erika Rapthel-Kieser, Schwarzwälder Bote, 23.12.2016
  • „Den Konflikt bleiben/gehen sehen wir im Gesicht der Schauspielerin und ihren ersten Worten bereits voll entfaltet.. So macht Linda Schlepps dieses Kammerspiel bereits in der ersten Minute spannend. Der gleichermaßen enttäuschten wie provozierenden Replik ihres Gegenübers gibt Kathrin Kestler dann so viel untergründige Sprödigkeit, Kälte, Verletzlichkeit unter der gespielten Contenance, dass man sofort drin ist, in diesem Stück. (…) Wunderbar stille Sequenzen gibt es, beide Schwestern zärtlich verträumt daliegend. Es riecht irgendwie nach heißer Schokolade und Pinienduft. Wiederholungen und Satzschlaufen verleihen dem Stück Dringlichkeit und Poesie, in einigen Sequenzen nimmt das fast den Charakter eines Langgedichts an.(…) Ja, manchmal erlaubt sich Emmanuelle Marie in ihrem stillen, anrührenden, das Leben feiernden Psychodrama Späße, wie sie zwischen Yasmina Reza und Thomas Bernhard zu Hause sind.“
    Peter Ertle, Schwäbisches Tagblatt, 23.12.2016
  • Stimmig wirkt auch das Regiekonzept von Eva Hosemann, die die Darstellerinnen am Rand einer und auf einer rechteckigen weißen Fläche spielen lässt – der besagten Wippe (Bühnenbild Stephan Bruckmeier), die sich die Schwestern in Auseinandersetzung mit ihrem Leben und dem der Eltern aneignen. Monologe und Dialoge wechseln sich ab. Stets hat man das Gefühl, nah an den Schwestern, an ihren inneren Kämpfen, an ihrer Rückbesinnung auf das, was das Leben lebenswert macht, dran zu sein. So überzeugend ist der Text. So eindrücklich ist das Spiel der beiden Schauspielerinnen, die zeigen, wie sich Geschwister, die sich jahrelang kaum etwas zu sagen hatten, neu sehen lernen. Wippend überprüfen sie ihren Halt, ihr Vertrauen ineinander, ihre gegenseitige Zuneigung. Das macht den Theaterabend zum Erlebnis.
    Christoph B. Ströhle, Reutlinger Generalanzeiger, 23.12.2016