Barbara Fumians wie aus Lamettasträngen gebauter Wald mit vorhanggleich verschiebbaren Bäumen ist der erste Hingucker dieses Abends, glitzernd wie tausend kleine Glasmännlein oder Taler. Im Wirtshaus legen der Holländermichel und seine Freunde beim Glücksspiel mehr Scheine auf den Tisch als der arme, staubige Köhler Munk je gesehen hat. Auch hier übrigens ein märchenhaft schneller und mit wenigen Requisiten wirkungsvoller Szenenwechsel, den es noch oft geben wird an diesem Abend. Bisweilen wirkt die Szenerie wie auf einem Ölgemälde oder einer vergilbten Photographie aus Gründerzeiten. Phantastisch. (…) Blicken wir auf die Darsteller. Zuallererst auf Linda Schlepps, weil man beim Blick in das Programmheft gar nicht glauben kann, dass sie nur fünf Rollen hatte, so allgegenwärtig ist sie in dieser Inszenierung, so wandlungsfähig und spielfreudig. Luca Zahn hat auch als Schauspieler Kontur gewonnen. Das gilt auch für Hannah Im Hof, die als Lisbeth, Wirtin und Bodyguard auftritt. Aber was wäre der Lindenhof ohne native speaker wie Franz Ott oder Berthold Biesinger, die als Glasarbeiter mal ihren ganzen Koffer schwäbische Nebenhin-Bruddeleien auspacken, dass es eine wahre Freude ist. Anspruch, Haltung und Populäres geschickt zu verbinden, scheint in diesen Zeiten knapper Kassen und nachlassenden Publikumszuspruchs der vorläufige Königsweg des Theaters. „Das kalte Herz“ ist ein weiterer, gelungener Beleg dafür. (Peter Ertle)