Der Widerstandskämpfer und württembergische Staatspräsident von 1928 bis 1933 Eugen Bolz (1881-1945) wird in der CDU-Hochburg Rottenburg mit dem Bekenner-Bischof Joannes Baptista Sproll als katholisch-demokratischer Märtyrer verehrt (…). Der 33-jährige Autor Jeremias Heppeler setzt sich in seinem Doku-Drama mit diesem Mythos ebenso auseinader, wie mit der Frage, warum der deutsche Widerstand gegen den Nationalsozialismus gescheitert ist. (…) Der Regisseur Christof Küster arbeitet multimedial. Die Schauspieler werden live gefilmt und auf einer Leinwand in historische Fotos, etwa von der Klosterbibliothek oder von Bolz‘  Wohnzimmer projiziert. Eine spannende Requisite sind Korkschnipsel. Mit ihnen wird Bolz bei seiner Verhaftung vom Mob überschüttet. Später funktioniert der immer wieder glattgestrichene Kork als eine Art Sandbild, in das Kreuze mit oder ohne Haken gemalt werde und das die enge Begrenzung der Kerkerzelle des gefangegnen Bolz, aber auch die spießige Enge seines Wohnzimmers darstellt. Nach der Pause nimmt das Stück mit dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat Fahrt auf. Mit Bühneneffekten, Geräuschen und Musik wird Anspannung und Tempo spürbar gemacht. Berthold Biesinger gelingt in der Rolle der beiden Nazis Wilhelm Murr und Roland Freisler eine schauspielerische Glanzleistung. (…) Über verschiedene Erzähler (meist Luca Zahn) werden die historischen Figuren eingeordnet und die Frage nach der historischen Bewertung gestellt. Am Ende zieht Schäfer als Bolz das Fazit: „Ich bin kein Held, ich bin eine Warnung“. (Matin Zimmermann)