Ein ehrgeiziges Unterfangen von Luca Zahn, dem Autor (und Ensemblemitglied): Diesen so spannenden wie bis zum Wortspiel witzigen, aber eben auch thematisch hochaktuellen Stoff bei acht präzise konturierten Hauptrollen einzudampfen auf drei Mimen in praktikablem Wechsel; diese Figuren nebenbei nicht gar zu gestrig erscheinen zu lassen und doch möglichst viel von Kleists wunderbarer Sprache in Blankversen (sechshebigen Jamben) zu erhalten; dazu in der Chronologie, der Szenenabfolge so akrobatisch zu jonglieren, dass doch alles passt. (…)
Die Aufgabe von Regisseurin Carola Schwelien und Ausstatter Michael S. Kraus war es, daraus ein echtes, szenisch überzeugendes Theater zu machen, mit dem man dann bei geringstmöglichem Aufwand auf Tournee gehen kann: aus der Not eine Tugend. Aus dem Sparzwang bei Personal und Aufwand etwas Pfiffiges, tolles Theater.Das geht aber letztlich nur mit wirklich versiertem, textlich variablem und sicheren und ungemein flink virtuos die Rollen wechselnden Personal, das auch noch gesanglich mit der Musik von Thomas Unruh umgehen kann, vom Rap bis zu Lied oder Song und zum (inzwischen etwas abgenudelten) chorischen Sprechen. (…) Elias Popp, Linda Schlepps und Hanna im Hof machen das herrlich. Sie wechseln nicht nur blitzartig die Klamotten und geschlechterübergreifend die Figuren. Sie verleihen ihnen ausnahmslos je eigenen Charakter, na, zumindest Kontur. Sie halten dabei auch ein hohes Tempo und glänzen mit situativer und verbaler Komik, die weder Wortwitz noch Slapstick scheut. Alle drei haben ihre Monologe als Glanzlichter (wobei sich schon feine Unterschiede in der Erfahrung, Sprachschulung und Generation bemerken lassen). (Martin Bernklau, Die Kritik ist online abrufbar unter: https://cul-tu-re.de/lindenhof-not-und-tugend/)