Edith Ehrhardt hat den Stoff zu einer Bühnenfassung für fünf Schauspieler in zahllosen Rollen verdichtet. Das ist virtuos gezirkelt (etwa im flotten Wechsel der sorgsam geschneiderten Kostüme) und wunderbar präzise abgestimmt. Nur Luca Zahn bleibt der Peter, das „Sonntagskind“, wechselt dafür aber den Charakter komplett. Die Sprache springt interessant zwischen Hauffs hohem romantischen Ton, heutigem robusten Jargon und der Vielfalt rustikaler Schwaben-Dialekte. (…) Eine hinreißende Glanzrolle zeigt Linda Schlepps als zauberhaftes Glasmännlein, ein wenig zur klugen und guten Fee gestylt. Berthold Biesinger gibt dem mafiösen Widerpart Holländer(!)-Michel, einem Mephisto, einer faustischen Verführer-Figur zu Geld und Macht, viel düstere Wucht. (…) Anrührende emotionale Dichte verleiht Hannah im Hof vor allem ihrer Lisbeth, als Liebende wie als Barmherzige. (…) Die klare Moral dieser Märchen-Parabel – man darf sie als antikapitalistisch aktualisieren – kommt nicht gar zu holzschnitthaft in Schwarz und Weiß herüber, wird nicht allzu penetrant aufgetragen. Das spricht doch sehr für die Bearbeitung und ihre Inszenierung, aber auch für nuanciertes Schauspiel. Die simple Lehre, dass Gier nach Geld und Reichtum nicht glücklich macht, wäre schon auch älteren Kindern vermittelbar, was in die familiäre Tendenz der Lindenhof-Stücke passen würde. Aber „Das kalte Herz“ ist doch eher ein Märchen für Erwachsene. Edith Ehrhardt hat den Konflikt ringartig eingefasst und dem surrealen Alptraum so ein erwachendes Happy-End gegönnt. (Martin Bernklau, Kritik online abrufbar: Lindenhof – Ein Herz aus Stein – Cul Tu Re)