Wilhelm Hauffs Geschichte vom „Kalten Herz“ hat der Lindenhof wunderbar ausgestattet und inszeniert, in teils heiter, teils unheimlich-düsterer Stimmung spielt es im Wirtshaus und im mal lichtschillernden, mal vernebelten Schwarzwald. Glänzend sind die Auftritte von Berthold Biesinger in der Rolle des Holländer-Michels. Man spürt in jeder Szene: der satanische, hintertriebene, abgefeimte Kerl, will mit seinen Versprechungen in Wirklichkeit nichts Gutes von dem jungen Köhler. Ebenso glänzend Linda Schlepps, die den Waldgeist Glashauser verkörpert. Anders als im Märchen hat Regisseurin Edith Ehrhardt die Figur mit quirligen Zügen versehen; als eine wohlmeinende, etwas durchgeknallte Fee. Auch Gags sind eingestreut. In der Galerie der zuckenden Herzen, die der Holländer-Michel schon anderen abgefuchst hat, entdeckt Kohlenmunk-Peter auf den Behältern außer seinem eigenen Namen, die von Leuten, deren Erfolg er sich bisher nicht erklären konnte. Mehr Zeitbezüge sind nicht eingearbeitet. Das ist nicht nötig, das Stück hallt beim Verlassen der Lindenhof-Scheuer trotzdem lange nach. Die 1827 verfasste Geschichte bleibt in dieser Form eine treffende Parabel, die sich ihrer Archetypik und Fragestellung wegen auf die heutige Lebenswelt ganz ohne Hinweisschilder übertragen lässt. (Matthias Badura)