Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, 16. Jahrhundert: Schlagbäume und Zollbeamte an jeder Ecke. Der Pferdehändler Michael Kohlhaas wird in Heinrich von Kleists Erzählung von „einem der rechtschaffensten Menschen seiner Zeit“ zu einem der „entsetzlichsten“, denn sein Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder. Ein Junker behält willkürlich zwei seiner besten Rappen ein und richtet sie aufs Schlimmste zu. Kohlhaas zieht vor Gericht, doch der Prozess wird auf die lange Bank geschoben. Da greift Kohlhaas zur Selbsthilfe. Er formiert ein Heer aus Knechten und Bauern, brennt Städte nieder, wütet und mordet – im Namen der Gerechtigkeit. Darf man, um Recht zu erlangen, Unrecht begehen?
Bis heute lädt Kleists Erzählung zur Auseinandersetzung ein: Die einen bewundern in Kohlhaas den unbeugsamen Rebellen, für die anderen ist er vor allem ein Amokläufer und Terrorist.
Stefan Hallmayer und sein Sohn Luca Zahn führen darüber einen leidenschaftlichen Diskurs auf der Theaterbühne, „ganz nah am Originaltext“, wie Regisseur Antú Romero Nunes versichert. Erste Theatererfahrungen sammelte Nunes vor Jahren am Theater Lindenhof in Melchingen. Heute zählt er zu den profiliertesten Regisseuren seiner Generation und arbeitet an renommierten Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. Seit 2020 ist er in der Leitung der Schauspielsparte am Theater Basel.
2027 jährt sich der 250. Geburtstag Heinrich von Kleists. Heinrich von Kleist war Dichter, Publizist, ein Grenzgänger und ruheloser Zeitgeist, der getrieben vom Streben nach Glück in seinen Werken in präziser Sprache immer wieder menschliche Zerrissenheit dramatisiert.
ES SPIELEN Stefan Hallmayer, Luca Zahn
REGIE & BÜHNE: Antú Romero Nunes
MUSIK: Johannes Hofmann
KOSTÜME: Maria Abt
DRAMATURGIE: Franz Xaver Ott
PREMIERE DER WIEDERAUFNAHME: 28. April 2027
Erste Premiere am 17. September 2010



