Ein Theaterstück von Werner Fritsch

Die Mutter ist vor kurzem in betagtem Alter gestorben, nun sitzt der Sohn allein da, mit nichts als drei Taschen vor sich. Eine voller Fotos, eine voller Kleider, die dritte voller religiöser Gegenstände der Mutter (Rosenkranz, Gebetsbuch, Heiligenbildchen usw.). Mit der besonderen Kraft der „Muttersprache“ ruft er ihr nach. Indem er die in Fotos festgehaltenen Momente ihres Lebens in Geschichten verwandelt, versucht er ihr Leben präsent werden zu lassen. Er betet die Stationen ihrer Biografie anhand der Perlen eines ihrer Rosenkränze her. Nicht nur ihre Lebensgeschichte, sondern auch Zeitgeschichte wird dadurch lebendig. Die Mutter ist nicht mehr da, aber er will verstehen, sie verstehen, sich verstehen, die Zeiten verstehen – das Leben verstehen.

MUTTER SPRICH! ist eine Verbeugung vor der Generation unserer Mütter mit dem Wunsch ihnen und ihren Geschichten eine Stimme zu verleihen. Ob aber die Mutter aus ihrem Sohn spricht, der nicht nur ihre Fotos anschaut, den Rosenkranz ihres Lebens durch seine Finger gleiten lässt, sondern auch in ihre Kleider schlüpft, bleibt offen.

WERNER FRITSCH, 1960 in Waldsassen geboren, lebt in Berlin und bis heute auch auf seinem Heimathof Hendelmühle in der Oberpfalz. 1987 erscheint sein vielbeachteter Roman CHERUBIM. Er ist Autor zahlreicher Theater-, Hörspiel- und Prosatexte, sowie Autor und Regisseur diverser Filme wie DAS SIND DIE GEWITTER IN DER NATUR, ICH WIE EIN VOGEL und des mehrteiligen Filmgedichts FAUST SONNENGESANG I – IV. Werner Fritsch wurde u. a. mit dem Robert-Walser-Preis und dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet. Seine Hörspiele wurden vielfach ausgezeichnet.

Am Theater Lindenhof wurden bereits seine Texte CHERUBIM (1996), SENSE (1997) und DIE STEINE SELBST (2006) auf die Bühne gebracht.

ES SPIELT Franz Xaver Ott

REGIE N.N.
BÜHNE & KOSTÜME Nora Johanna Gromer
PREMIERE: 06. März 2027