Mit philosophischen Allegorien und werktätigen Expertinnen des Alltags feiern Franz Xaver Ott und Johannes Schleker den goldenen Boden des Handwerks. Und lassen die Utopie einer glücklichen Gesellschaft aufscheinen.
Zusammen mit den Darstellenden entwickeln sich spektakuläre Dimensionen durch die gut 100 Meter Bühnentiefe: winzige Figuren im Hintergrund kontrastieren mit den Spielenden direkt vor der ersten Publikumsreihe. An der Rückwand vollzieht ein Schattentheater aus Geräten und Menschen das Spiel mit den Dimensionen mit. Lichtmuster flackern über Decke, Wände und Boden und flirren auf den drei weißen Vorhängen, die die Halle in durchlässige Ebenen gliedern.
Die Handwerkenden spielen, als ob sie nie etwas anderes getan hätten: erzählen flüssig, setzen die Pointen perfekt, packen das Publikum an durch Präsenz. Sie bilden zudem den Chor, der mit seinem chorischen Sprechen den Takt des Handwerks zitiert. Das Lindenhof-Ensemble mit Hannah im Hof, Berthold Biesinger, Linda Schlepps und Luca Zahn übernimmt die Allegorien. Ein Schlagabtausch abstrakter Gedanken, den die Vier leicht und im knalligen Tempo darbieten. Sie sind aber auch Assistenten der Handwerkenden: als Gesprächspartner und als Helfer bei der Produktion. Denn die rund 40 Schauspieler*innen errichten während des Stückes ein Konstrukt: Jedes einzelne Gewerk leistet seinen Beitrag zu einer Art Arche, die der Träger dieser glücklichen Gesellschaft wird. (…) was dem Theater Lindenhof hier gelingt, ist Theater, das verbindet. Das mit dem Publikum gemeinsam spielt. Das durch außergewöhnliche Themen den Dialog mit der Gesellschaft aufnimmt. Und bei dem letztendlich gut 40 Menschen etwas in die Welt bringen. (Susanne Greiner)

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